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Daten von Politikern und Promis veröffentlicht Bundesregierung spricht von "schwerwiegendem Angriff" - Merkel und Steinmeier betroffen

Auch Kanzlerin Angela Merkel ist von dem Datenleck betroffen
Auch Kanzlerin Angela Merkel ist von dem Datenleck betroffen
© Bernd von Jutrczenka / DPA
Unbekannte haben im Internet private Daten und Dokumente von Hunderten deutschen Politikern und Prominenten veröffentlicht – darunter private Fotos, Rechnungen und Chatverläufe. Der Verfassungsschutz soll sich eingeschaltet haben.

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Einer oder mehrere Unbekannte haben vom 1. bis zum 28. Dezember massenhaft private Daten und Dokumente von Hunderten deutschen Politikern und Prominenten im Internet veröffentlicht. Dabei handelt es sich teils um banale Angaben wie berufliche E-Mail-Adressen, in den Unterlagen finden sich aber auch private Fotos, Wohnanschriften, Chatverläufe, Rechnungen, Briefe und Ausweiskopien.

Unter den Opfern sind unter anderem bekannte Schauspieler, Musiker, Youtuber, Journalisten und Fernsehmoderatoren, in erster Linie aber Abgeordnete des Deutschen Bundestags. Betroffen sind alle im Parlament vertretenen Fraktionen, mit Ausnahme der AfD. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tauchen in dem Datensatz unter anderem eine Faxnummer, eine E-Mailadresse und mehrere Briefe von der und an die Kanzlerin auf. Wie sensibel die Angaben sind, blieb zunächst offen. Unter den Opfern des Hackerangriffs ist der "Bild"-Zeitung zufolge auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Bundesregierung äußert sich

Die Bundesregierung hat die massenhafte Veröffentlichung teils sensibler Daten von Politikern, Parteien und Prominenten als "schwerwiegenden Angriff" gewertet. "Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen", erklärte Justizministerin Katarina Barley (SPD) am Freitag. 

Die Bundesregierung prüft, ob die Daten durch einen Hackerangriff abgefischt wurden. Man hält es nach dpa-Informationen auch für möglich, dass jemand, der durch seine Tätigkeit Zugang zu sensiblen Daten hat, diese online gestellt haben könnte. Fest stehe bereits, dass der Datenabfluss nicht über das Regierungsnetz erfolgt sei. Ein möglicher Angriffspunkt sei das Netz des Bundestages, das schon öfter Ziel schwerer Hackerangriffe wurde. 

Woher stammen die Daten?

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) machte die Datensammlung am Morgen öffentlich. Dem RBB zufolge ist der Vorfall erst am Donnerstagabend den Spitzen der Bundestagsfraktionen bekannt geworden. Dort sei man nun damit beschäftigt, den Schaden zu bewerten. Politisch brisante Dokumente sind laut Sender nach einer ersten Durchsicht nicht unter den veröffentlichten Daten, dennoch dürfte der Schaden allein aufgrund der Fülle an Informationen immens sein. Ob alle veröffentlichten Informationen auch authentisch sind, ist nicht bekannt. Laut Bericht der "Bild"-Zeitung hat sich inzwischen auch der Verfassungsschutz in den Fall eingeschaltet.

Aus den Dokumenten ist nicht ersichtlich, woher der oder die Kriminellen sie erbeutet haben, denkbar sind ein E-Mail-Programm oder ein Cloud-Speicherdienst. Auch welches Ziel durch die Veröffentlichung verfolgt wird, ist unklar.

Verbreitet wurden die Links zu den Daten über einen Twitter-Account, der bereits seit Februar 2015 existiert und dem über 17.000 Accounts folgen. Wer hinter dem Twitter-Profil steckt, ist nicht bekannt. Der Account wurde inzwischen gesperrt.


Quelle: RBB bei Tagesschau.de, "Bild"-Zeitung

wue

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