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Weilerbach bei Kaiserslautern Nach Fund zweier Leichen in der Westpfalz: Polizei sucht mit Großaufgebot nach Sohn von toter Frau

Fahndungsfoto
Sehen Sie im Video: Nach dem Fund zweier Leichen in Weilerbach sucht die Polizei den Sohn der toten Frau.




Nach dem Fund zweier Leichen in einem Haus in Weilerbach bei Kaiserslautern sucht die Polizei weiter mit Hochdruck nach einem Verdächtigen. Sie geht davon aus, dass er zu Fuß unterwegs ist, eine Spur gibt es aber noch nicht. Die Ermittler fahnden seit Dienstagabend öffentlich nach dem 38-Jährigem. Der Mann ist möglicherweise bewaffnet. Die zwei Toten, eine 60 Jahre alte Frau und ein 65 Jahre alter Mann, waren am Dienstagmorgen in einem Gehöft entdeckt worden. Die Beamten gehen von einem Tötungsdelikt aus. Die Frau und der Mann seien nicht verheiratet, aber vermutlich ein Paar gewesen. Bei dem Verdächtigen handelt es sich demnach um den Sohn der Frau. Bei der Suche waren nach Angaben vom Dienstag Spezialkräfte, ein Polizeihubschrauber sowie Personenspürhunde im Einsatz. Die Hintergründe sowie mögliche Motive der Tat waren zunächst unklar.
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Nach dem Fund zweier Leichen in Weilerbach bei Kaiserslautern sucht die Polizei nach dem Sohn eines der Opfer. "Wir schließen nicht aus, dass er bewaffnet ist", warnen die Beamten.

Update, 11. März, 14 Uhr: Der Tatverdächtige hat sich nach Angaben der Polizei Kaiserslautern auf einer Polizeiwache gestellt. Wir haben ihn daher in unserer Berichterstattung unkenntlich gemacht und anonymisiert.

Beschaulich wirkt Weilerbach, eine 5000-Einwohner-Gemeinde, keine zehn Kilometer nordwestlich von Kaiserslautern in der Westpfalz, normalerweise. Einfamilienhäuser prägen das Ortsbild, viel Grün, Kirchtürme, zwei Schulen. Die US-Air-Force-Basis Ramstein ist in der Nähe, viele der Einwohner sind US-Amerikaner.

Am Dienstag wird das Idyll getrübt. Schwer bewaffnete Polizisten patrouillieren durch den Ort, Beamte haben Straßensperren errichtet, ein Hubschrauber kreist über der Gegend.

Polizei veröffentlicht nach Tötungsdelikt Fahndungsfoto

Am Vormittag hat die Polizei in einem Gehöft etwas außerhalb der Ortschaft zwei Leichen entdeckt, einen 65 Jahre alten Mann und eine 60-jährige Frau (der stern berichtete). Arbeitskollegen der Toten hätten sich Sorgen gemacht, weil sie nicht zum Dienst erschienen ist, und die Polizei informiert. "Aufgrund der Gesamtumstände gehen die Ermittler davon aus, dass beide Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sind", teilt die Polizei schnell mit. Es gibt Gerüchte, dass das unverheiratete Paar erschossen wurde, die sich aber später als falsch herausstellen. Die beiden starben laut Ergebnis der Obduktion "durch Gewalteinwirkung, nicht aber durch Schussverletzungen", heißt es am Mittwochnachmittag von der Polizei, ohne dass weitere Details genannt werden.

Überhaupt halten sich die Beamten mit Angaben zum Geschehen zurück, "weil wir nur wirklich gesicherte Infos verbreiten wollen", wie es heißt.

Doch das, was bekannt wird, ist für die Menschen in und um Weilerbach beunruhigend genug. Denn: Der Täter ist auf der Flucht, vermutlich zu Fuß unterwegs und damit wahrscheinlich noch in der Nähe. "Bleiben Sie bitte in einem Gebäude", ruft die Polizei die Bevölkerung am Nachmittag auf. Währenddessen kommen etliche zivile Polizeifahrzeuge vor dem Gehöft an der Landstraße 356 an, die Spurensicherung macht sich an die Arbeit. 

Die Fahnder wissen schnell, nach wem sie suchen müssen. Unter dringendem Tatverdacht steht einer der Söhne der getöteten 60-Jährigen: Daniel M., 38 Jahre alt, geboren am 1. Februar 1983. Beamte durchforsten den Ort, auch Spezialkräfte sind im Einsatz – doch sie werden den Verdächtigen auch 24 Stunden nach der Bluttat noch nicht gefasst haben. Die Szenerie in Weilerbach beschreiben Anwohner in den sozialen Netzwerken als bedrohlich.

Bis zum Dienstagabend erwirken Staatsanwaltschaft und Polizei einen Beschluss für eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem mutmaßlichen Mörder seiner Mutter und deren Lebensgefährten. In der Region dürfte es inzwischen nur noch wenige geben, die das Foto des Gesuchten nicht kennen.

Fahndungsfoto
Die Polizei suchte mit diesem Fahndungsfoto nach Daniel M.
© Polizei Rheinland-Pfalz

"Der Verdächtige ist etwa 1,75 Meter groß und von normaler Statur", teilen die Ermittler mit. "Er hat braune, leicht lockige Haare, die Schläfen sind grau meliert. Zuletzt war er mit einer dunkelgrünen Cargo-Arbeitshose und einer dunkelgrauen Softshelljacke bekleidet. Er trug schwarze Arbeitsschuhe." Wer den Gesuchten gesehen hat oder weiß, wo er es sich aufhält, soll die Polizei informieren – über Notruf 110 oder die Hinweistelefonnummer der Kripo Kaiserslautern (0631) 36929999. Keinesfalls sollten Zeugen selbst aktiv werden. "Wir schließen nicht aus, dass er bewaffnet ist", warnt ein Polizeisprecher. M. "dürfte sich in einem psychischen Ausnahmezustand befinden".

Es seien bereits verschiedene Hinweise eingegangen, auch Befragungen liefen. Doch Daniel M. bleibt verschwunden. Auch in Weilerbachs Nachbargemeinde Rodenbach werde inzwischen gefahndet.

Fahndungsfoto

Nach unbestätigten Informationen der "Bild"-Zeitung soll der Verdächtige gemeinsam mit seiner Frau und einem gemeinsamen Kind noch auf dem Gehöft bei seiner Mutter gelebt haben. Er betreibt dort mindestens seit Dezember 2019 eine Firma für Fensterbau, belegt ein Auszug aus dem Handelsregister.

Die Polizei verdächtigt den 38-Jährigen zudem, am vergangenen Sonntag und in der Nacht zu Montag zwei Brände gelegt zu haben. In den benachbarten Ortschaften Mackenbach und Enzenhausen gingen ein Carport und eine Garage in Flammen auf. Der Schaden wird auf mehrere Zehntausend Euro geschätzt, verletzt wurde niemand. Ob und inwiefern die Brandstiftungen etwas mit den beiden Morden zu tun haben, ist nicht bekannt.

Am Tag nach der Tat kann die Polizei für die Bewohner Weilerbachs zumindest etwas Entwarnung geben. "Aktuell besteht keine konkrete Gefahr für Unbeteiligte, dennoch ist Vorsicht geboten", teilen die Beamten mit. Die Suche nach Daniel M. läuft indes weiter – er ist noch immer auf der Flucht.

Die Menschen in der Region seien nach wie vor in Angst, berichtet am Mittwochvormittag eine Reporterin des Südwestrundfunks. Auch in lokalen Facebook-Gruppen teilt die Bevölkerung ihre Besorgnis mit – und die Hoffnung, dass der Gesuchte schnell gefasst wird. "Einem Aufsuchen von Arbeitsstätten oder dem Besuch und Betrieb von Schulen und Kitas steht nichts entgegen", versucht die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde, Anja Pfeiffer, zu beruhigen.

Hintergründe der Bluttat in Weilerbach noch unklar

Die Polizei befindet sich in der Westpfalz weiterhin im Großeinsatz, mit zivilen und uniformierten Kräften und auch mit Personenspürhunden. Mehrere Gebäude seien bereits durchsucht worden, auch ein Hubschrauber drehe weiter seine Runde über der Region, berichtet unter anderem das örtliche "Wochenblatt". Die erhöhte Polizeipräsenz sei spürbar. Für Fragen und Hinweise haben die Beamten eine Ansprechstelle auf dem Dorfplatz von Weilerbrach eingerichtet.

Sie gehen weiter davon aus, Daniel M. schnell fassen zu können. Der Radius sei relativ klein, glaubt ein Beamter. Die Fahndung laufe "mit Hochdruck". Warum die 60-Jährige und ihr 65-jähriger Freund getötet wurden, ist unklar. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Bluttat im beschaulichen Weilerbach sowie zum Motiv gehen weiter.

+++ Vor fast genau neun Jahren wurde Weilerbach von einem Doppelmord an zwei Ärzten erschüttert. Mehr dazu lesen Sie hier. +++
Hinweis der Redaktion: Der Artikel wurde nach seiner Erstveröffentlichung um weitere Angaben ergänzt.

Quellen: Polizei Rheinland-Pfalz (1), Polizei Rheinland-Pfalz (2), Polizei-Rheinland-Pfalz (3), Polizei Rheinland-Pfalz (4)Polizei Kaiserslautern bei Twitter, "Bild"-Zeitung, Handelsregister, Südwestrundfunk, Verbandsgemeinde Weilerbach, "Wochenblatt-Reporter", Nachrichtenagenturen DPA und AFP


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