HOME

Entführungsdrama Maria Bögerl: Lösegeldübergabe scheiterte an Bürokratie

Neue stern-Erkenntnisse im Fall Maria Bögerl rücken die Polizei in schlechtes Licht: Die Lösegeldübergabe scheiterte vor allem an bürokratischen Hürden. Die Ermittler dementieren das.

Von Rainer Nübel

Bürokratische Hindernisse sind der maßgebliche Grund, warum die Polizei Baden-Württemberg das geforderte Lösegeld für die entführte und später ermordete Heidenheimer Bankiersfrau Maria Bögerl nicht rechtzeitig beschaffte und die Geldübergabe platzte. Das berichtet der stern in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe.

Der Entführer hatte 300.000 Euro gefordert. Wenn Polizeibeamte Lösegeld beschaffen, sind sie angehalten, dies bei einer bestimmten Großbank mit Hauptsitz in Frankfurt zu tun. Deren Außenstellen hätten jedoch aufgrund der Zentralisierung der Bank weniger Bargeldreserven vor Ort. Dies, so berichtet der stern, waren die maßgeblichen Gründe, weshalb die zuständige Landespolizeibehörde in Stuttgart der Heidenheimer Polizeiführung am Entführungstag mitteilen musste, die Beschaffung des vom Entführer geforderten Lösegeldes sei nicht machbar. Die Zeit reiche nicht aus, um es nach Heidenheim zu bringen. Die Polizei hatte das Scheitern dagegen bislang mit den engen zeitlichen und inhaltlichen Vorgaben des Entführers begründet, der eine besondere Stückelung verlangt habe.

Da die Polizei selbst das Geld nicht zusammen bekommen habe, musste die Beschaffung nach stern-Recherchen über den Bankchef Thomas Bögerl laufen. Die Polizei wusste zu jedem Zeitpunkt, ob man in der Zeit liegt oder nicht. Doch erst etwa eine Dreiviertelstunde vor dem geforderten Übergabetermin wurde festgestellt, dass nur ein Teil des Lösegeldes vorliegt. In einem internen Vermerk schrieb die Polizei wenig später, der Mann der Entführten weigere sich, zum geforderten Zeitpunkt mit dem Teillösegeld und einer Nachricht an den Täter zum Übergabeort an der Autobahn A 7 zu fahren. Erst gegen 15 Uhr ist die ganze Summe vorhanden gewesen, eine regionale Filiale der speziellen "Polizeibank" lieferte den Restbetrag schließlich doch.

Die Polizei Heidenheim und das baden-württembergische Innenministerium wollten sich auf Anfrage des stern nicht äußern. Erst nach Veröffentlichung der Vorwürfe wies die Polizei Heidenheim sie am Dienstagabend zurück. Die Einsatzkräfte hätten gar nicht versucht, das Lösegeld selbst zu besorgen, hieß es in einer Erklärung. Bögerls Mann habe sofort - ohne dass eine entsprechende Bitte seitens der Polizei an ihn herangetragen worden wäre - erklärt, die geforderte Summe entsprechend den Tätervorgaben bereitstellen zu können.

Uwe Dolata vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sagte: "An der Beschaffung des Geldes darf ein Entführungsfall nicht scheitern. Eine Parallelbeschaffung durch die Polizei ist immer möglich."