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Serientäter geschnappt?: 20-Jährige bei Lübeck gefesselt ausgesetzt: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Nach dem Fund einer gefesselten und geknebelten Frau bei Lübeck vor vier Wochen hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Handelt es sich um einen Serientäter?

Satellitenbild mit dem Fundort der 20-Jährigen bei Lübeck

Für die Zeugensuche veröffentlichte die Lübecker Polizei unter anderem dieses Satellitenbild mit dem Fundort der 20-Jährigen

Im Fall der vor fast vier Wochen geknebelt und gefesselt entdeckten 20-jährigen Frau an einer Autobahnauffahrt bei Lübeck gibt es einen Ermittlungserfolg. Die Polizei hat einen 43-jährigen Verdächtigen festgenommen – er soll noch für mindestens ein weiteres brutales Verbrechen verantwortlich sein.

Der Festnahme am Freitag sind umfangreiche Ermittlungen vorausgegangen, wie die Polizeidirektion und die Staatsanwaltschaft Lübeck am Montag in einer gemeinsamen Mitteilung skizzierten.

Lübecker Polizei sucht mögliche weitere Opfer

Demnach arbeitete eine ganze Reihe von Polizeieinheiten in dem Fall zusammen: Lübecker und Scharbeutzer Beamte, Kriminalermittler, Zivilfahnder, die Autobahnpolizei und nicht zuletzt die zehn Beamten der eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe "Werft".

Die Ermittler waren allein zwei Tage damit beschäftigt, Videoaufnahmen aus der Umgebung der Autobahnauffahrt Mönkhagen zu sichern. Am 16. Oktober, vier Tage nach der Tat, fiel der Startschuss für eine großangelegte Fahndungsaktion. Immer wieder wurden in den folgenden Tagen auf Straßen in der Gegend Verkehrskontrollen eingerichtet – möglicherweise sollte so erkannt werden, wer regelmäßig dort unterwegs ist. Zudem wussten die Beamten nach zahlreichen Zeugenaussagen und der Befragung des Opfers, wonach sie Ausschau halten mussten: nach einem hellen Kastenwagen, vermutlich mit Hochdach. "Letztendlich führte dieses engmaschige Kontrollkonzept der Schutzpolizei in Verbindung mit kriminalpolizeilichen Erkenntnissen zur Verdichtung der Verdachtslage", erklärten Staatsanwaltschaft und Polizei nun, ohne weiter ins Detail zu gehen. Der 43-jährige Verdächtige wurde fortan observiert, am frühen Freitagmorgen rückte dann das Zivile Streifenkommando an und nahm den Lübecker fest. 

Bei der anschließenden Durchsuchung stellten die Beamten unter anderem drei Fahrzeuge sicher: einen gelben Fiat-Doblo-Transporter, einen weißen Iveco-Transporter und einen weißen Ford Transit – mit Hochdach.

Außerdem nahmen die Ermittler DNA-Proben. Der genetische Fingerabdruck stimmt mit dem am Knebel sichergestellten überein. Staatsanwaltschaft und Polizei sind sich sicher, den Täter gefasst zu haben.

Verdächtiger soll auch 25-Jährige verschleppt haben

Doch nicht nur das: Die Beamten gehen davon aus, noch ein weiteres Verbrechen aufgeklärt zu haben: Der Verdächtige soll bereits am Morgen des 26. September "eine 25-jährige Lübeckerin auf ihrem Nachhauseweg (...) angegriffen und in eine dort gelegene Kleingartenparzelle verschleppt"  haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Die Frau habe sich befreien können. 

Die Ermittlungsgruppe "Werft" prüft nun, ob der Mann noch weitere Taten begangen hat. Sie fragt daher: "Sind in der Vergangenheit Frauen von dem Tatverdächtigen im Bereich Wallhalbinsel und Marienbrücke, sowie Katharinenstraße und Bahnweg angegriffen und/oder sexuell belästigt worden? Sind von den Geschädigten hinsichtlich dieser Vorfälle Strafanzeigen erstattet worden?" Der Festgenommene sei türkischer Herkunft und spreche als besonderes Merkmal nur gebrochen Deutsch. Hinweise nimmt die Lübecker Polizei unter der Telefonnummer (0451) 1310 entgegen.

Der Fall der geknebelt und gefesselt gefundenen 20-Jährigen hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Ein Autofahrer hatte die junge Frau entdeckt, während er eine Pause auf einem Feldweg einlegte. "Sie war bekleidet, gefesselt und hatte einen Knebel im Mund", schilderte die Polizei die Situation. "Die Lübeckerin hat erhebliche äußere Verletzungen, insbesondere Prellungen im Gesichtsbereich." Hinweise auf ein Sexualdelikt habe es nicht gegeben. Das Opfer hatte zuvor eine Studentenparty in Lübeck besucht, etwa acht Kilometer vom Fundort entfernt. Hätte der Autofahrer nicht zufällig an dieser Stelle Rast gemacht, wäre der Fall möglicherweise deutlich dramatischer ausgegangen: "Unter Berücksichtigung der herbstlichen Wetterverhältnisse und ihrer nur leichten Bekleidung hätte die Geschädigte nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft versterben können", teilte die Polizei nach der Tat mit.

Ein Haftrichter verhängte U-Haft gegen den verdächtigten 43-Jährigen.

Quellen: Polizeidirektion und Staatsanwaltschaft Lübeck, Nachrichtenagentur DPA