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Bis zu 175 Jahre Haft: Mit diesen Aussagen sorgte Ex-Turnarzt Nassar für Entsetzen vor Gericht

Der ehemalige Turnarzt Larry Nassar wurde wegen massenhaften sexuellen Missbrauchs zu einer Haftstrafe von bis zu 175 Jahren Haft verurteilt. Seine wirren Aussagen vor Gericht haben "Unglaube und verächtliches Amüsement" ausgelöst. 

Larry Nassar vor Gericht: Sexueller Missbrauch: So erbärmlich verteidigt sich der Ex-Teamarzt der US-Turnerinnen

Am Mittwoch wurde der ehemalige Arzt Larry Nassar wegen massenhaften sexuellen Missbrauchs junger Turnerinnen zu bis zu 175 Jahren Haft verurteilt. Am live übertragenen letzten Tag der Anhörung sagte Richterin Aquilina an den 54-Jährigen gewandt: "Ich habe gerade Ihr Todesurteil unterzeichnet."

Das Urteil fiel nach einer siebentätigen Anhörung. Bis zum Mittwoch waren bei dem Prozess 156 Mädchen und Frauen angehört worden, darunter auch mehrere Olympiasiegerinnen. Sie schilderten die kriminellen Machenschaften des Mediziners in allen Einzelheiten. Nassar hatte sich im November 2017 schuldig bekannt. Die meisten Opfer Nassars waren minderjährig. Ein Mädchen war zum Tatzeitpunkt erst sechs Jahre alt.

Richterin Aquilina bestimmte, dass Nassar mindestens 40 Jahre im Gefängnis bleiben muss. Das Strafmaß dieses Prozesses addiert sich zu einem anderen Urteil. Dort war Nassar wegen des Besitzes von Kinderpornografie bereits zu einer Haftstrafe von 60 Jahren verurteilt worden.  

"Nicht richtig, nicht angemessen, nicht fair."

Dabei sorgte nicht nur das Strafmaß für Aufsehen. Am Mittwoch las die Richterin auch Teile von Nassars zuvor vorbereiteten Statements vor. Laut der "Washington Post" hätten diese für "Unglaube und verächtliches Amüsement" im Gerichtssaal gesorgt. "Ich möchte nicht, dass sie durch seine Worte nicht erneut zu Opfern werden", erklärte die Richterin ihre Entscheidung, das Statement nicht in voller Länge zu lesen. Dennoch habe sie einige Passagen vorlesen wollen, weil sie diese "als Erweiterung Ihrer Entschuldigung (an Nassar gerichtet, Anm. d. Red.) verstehe, egal ob ich diese glaube oder nicht".

Die "Washington Post" zitiert einige der wirren Passagen.

  • "Ich war 2004 für vier Monate im Besitz von Pornos und wurde dafür zu 60 Jahren Haft verurteilt. Nicht richtig, nicht angemessen, nicht fair."
  • "Was ich tat, war nicht medizinisch und nicht sexuell. Aber aufgrund der Pornos habe ich jede Unterstützung verloren und damit einen weiteren Grund für den Schuldspruch des Staates."
  • "Also habe ich versucht einen Prozess zu vermeiden, um dieser Gemeinschaft, meiner Familie und dem Opfer zu ersparen. Schau doch, was passiert. Es ist falsch."
  • "Ich war ein guter Arzt, weil meine Behandlungen funktioniert haben. Und die Patienten, die nun sprechen, sind dieselben, die sie lobten, immer und immer wiederkamen und ihre Familie und Freunde mitbrachten, um mich zu sehen. Die Medien haben sie überzeugt, das alles, was ich getan habe, falsch und schlecht war. Sie glauben ich habe Ihr Vertrauen gebrochen."
  • "Die Hölle hat keine Wut wie eine verschmähte Frau. Es ist ein kompletter Albtraum."

Larry Nassar entschuldigt sich bei Opfern

Bevor die Richterin diese Passagen vorlas, habe Nassar direkt zu seinen Opfern im Gerichtssaal gesprochen, berichtet die "Washington Post" weiter. "Eure Worte haben mich zutiefst erschüttert", sagte er etwa. "Ich werde diese Worte bis ans Ende meines Lebens in mir tragen." Angela Povilaitis von der Generalstaatsanwaltschaft Michigan sagte: "Seine Lügen haben funktioniert. Jede frühere Anschuldigung ging ins Leere. Was sagt es über unsere Gesellschaft, wenn sich Opfer sexuellen Missbrauchs über Jahre verstecken müssen?" Ausdrücklich dankte Povilaitis den Journalisten, die mithalfen, den Fall aufzudecken.

Am Montag war die Spitze der Geschäftsführung des Turnverbandes US Gymnastics wegen Vorwürfen zurückgetreten, Nassars Machenschaften lange Zeit gedeckt zu haben. Fragen richten sich auch an die Michigan State University, an deren Fakultät Nassar Jahrzehnte tätig war. Außerdem sind eine Reihe von Zivilverfahren anhängig.

fs/Mit Material der DPA