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Sterbehilfe : Ehepaar trinkt nach Krebsdiagnose tödlichen Cocktail – Frau überlebt und wird angeklagt

Nach einer tödlichen Krebsdiagnose plante ein Paar seinen gemeinsamen Tod. Sie tranken einen Medikamenten-Cocktail. Doch am nächsten Tag fand sich die Frau im Krankenhaus wieder – und wurde des Mordes angeklagt.

Dennis Ecclestone hatte nur noch einen Wunsch: Er wollte sterben. Der 81-Jährige litt an Darmkrebs im Endstadium. Selbst mit einer Chemotherapie liegt die Lebenserwartung in diesem Fall bei höchstens zwei Jahren. Seine Ehefrau Marvis Ecclestone wusste, was sie zu tun hatte. Wie die "Sun" berichtet und sie später vor Gericht aussagte, hatte ihrem Mann ein Versprechen gegeben: Sie würde Dennis töten, bevor der Krebs ihn töten würde. Da aktive Sterbehilfe in England, genau wie in Deutschland, verboten ist, sah sie nur noch einen Ausweg: Sie würde auch sich selber umbringen. Das zumindest beschrieb ihre Tochter Joy in einem bewegenden Facebookpost. Der Gedanke zu sterben erschreckte ihre Mutter demnach weniger, als die Vorstellung, ihren Mann, den sie so sehr liebte, bis zu seinem Tod leiden zu sehen.

"Sie war bereit, das ultimative Opfer zu bringen: ihr eigenes Leben. Warum? Wegen der Gesetze dieses Landes", erklärt ihre Tochter Joy auf Facebook. Also suchte Marvis Ecclestone nach einem Weg, möglichst schmerzfrei zu sterben und mischte sich und ihrem Mann einen tödlichen Medikamenten-Cocktail, wie es unter anderem die BBC beschreibt. Sie tranken ihn zusammen in ihrem Zuhause. Der Medikamentenmix wirkte schnell, doch nicht schnell genug. Als die Tochter des Paares ihre Eltern besuchen wollte, fand sie laut der BBC beide leblos vor. Ohne eine Ahnung von deren Plan zu haben, rief sie demnach sofort einen Krankenwagen.

Does our 80 year old Mom look like a MURDERER??? My Brother Kevin Wolfie Ekcy and I have decided to share this...

Gepostet von Joy Munns am Montag, 4. November 2019

Ein Foto zeigt das Paar in seinen Krankenbetten liegend. Wie spiegelverkehrt liegen sie nebeneinander, in den gleichen Krankenhaus-Nachthemden, mit geschlossenen Augen und leicht geöffnetem Mund, an lebenserhaltende Geräte angeschlossen. Doch ihr Wunsch, gemeinsam aus dem Leben zu gehen, wurde ihnen nicht erfüllt. Dennis Ecclestone, zusätzlich geschwächt von seiner schweren Krankheit, starb an den Folgen des Medikamentencocktails. Marvis Ecclestone überlebte. Einen Tag später nahm die Polizei die 80-Jährige fest. Der Vorwurf: Sie habe ihren Mann ermordet.

Marvis Ecclestone wurde als Mörderin weggesperrt

Noch in Trauer um den Verlust ihres Mannes, wurde Marvis Ecclestone laut der BBC für 30 Stunden in eine Zelle gesperrt. Fast drei Wochen lang musste sie sich vor einem britischen Gericht verantworten, bis das Urteil fiel: nicht schuldig. Dennoch hat der Prozess tiefe Wunden bei Marvis und ihrer Familie hinterlassen. Ihre Kinder haben sich deshalb dazu entschlossen, das letzte gemeinsame Foto ihrer Eltern auf Facebook zu teilen, wie die Tochter Joy auf Facebook erklärt.

"Eigentlich war es nie für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt“, schreibt sie. "Doch wir haben uns dazu entschieden, es mit euch zu teilen, um Aufmerksamkeit dafür zu schaffen, was Familien durchmachen müssen, wenn geliebte Menschen leiden. Sie werden jeden Tag leiden, wenn wir das Gesetz nicht ändern können."

Denn der Fall der Ecclestones ist nicht nur eine tragische Liebesgeschichte, er stellt auch eine grundlegende Frage: Dürfen wir Menschen, die wir lieben, dabei helfen zu sterben, wenn es ihr letzter Wunsch ist?

Joy Ecclestone findet: Das Gesetz zur Sterbehilfe sollte geändert werden. "Als Erwachsene sollten wir die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden. Wir müssen uns bewusst machen, was es heißt, geliebte Menschen jeden Tag unter Schmerzen leiden zu sehen", schreibt sie.

Marvis Ecclestone geht es laut ihrer Tochter mittlerweile wieder gut, zumindest körperlich. Ihre Tochter weiß: Ihr Vater wäre am Boden zerstört, wenn er wüsste, was seine Frau für ihn durchmachen musste. Jetzt allerdings hat ihre Mutter noch etwas, was sie in ihrem Leben erreichen möchte. "Helft uns, dass dieser Post die Menschen erreicht, die das veraltete Gesetz ändern können", schreibt Joy.

Marvis Ecclestone sagte, sie bereue nicht, was sie getan habe. Für ihren Mann würde sie es jederzeit wieder tun. Seine letzten Worte waren, wie sie der "Sun" erzählte: "Schlaf gut, Liebling." 

Quellen: Facebook/Joy Munns, BBC, "Sun"

ame