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New York: Polizei klärt Vergewaltigung von 1994 auf, die eine Zeitung für eine Lüge hielt

Späte Genugtuung: Eine Frau wird 1994 in einem New Yorker Park vergewaltigt. Die Polizei glaubt ihr zunächst nicht, eine Zeitung bezeichnet sie sogar als Lügnerin. Nun überführten Ermittler den Täter durch neue DNA-Tests.

New York Prospect Park

Im Prospect Park in Brooklyn, New York, ereignete sich die Vergewaltigung

Immer wieder sorgen alte Kriminalfälle für Aufsehen, wenn sie dank neuer Techniken wie Genanalysen noch Jahrzehnte später aufgeklärt werden. Die Lösung eines solchen Falls ist jetzt der New Yorker Polizei gelungen. Sie hat eine Vergewaltigung aus dem Jahr 1994 aufgeklärt, wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet. Und sie hat nicht nur den Täter überführt, sondern auch eine üble Verleumdung widerlegt. Ein Journalist der "New York Daily" hatte das Opfer damals beschuldigt, die Vergewaltigung erfunden zu haben.

Die 27-Jährige war tagsüber durch den Prospect Park in auf dem Weg nach Hause, als sie von hinten angegriffen und gewürgt wurde. Der Täter schleifte die Frau in die Büsche und vergewaltigte sie dort. Doch obwohl die Frau den Täter präzise beschrieb, hatten die ermittelnden Beamten Zweifel an ihrer Aussage.

New York: Polizei nahm das Opfer nicht ernst

Es wurde noch schlimmer: Eine Quelle bei der steckte die Informationen einem Journalisten der "New York Daily", der daraufhin der Frau öffentlich vorwarf, die Vergewaltigung erfunden zu haben. Die Theorie der Polizei lautete: Die Aktivistin habe eine Rede auf einer Demonstration geplant, die sich gegen Gewalt an lesbischen Frauen richtete. Und dafür wollte sie öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen, indem sie die Geschichte von der Vergewaltigung erfunden habe.

Die Polizei revidierte ihre Auffassung schnell, weil sie Sperma fand, das die Version des Opfers bestätigte. Nur waren die Analyse-Verfahren vor 24 Jahren noch nicht so weit entwickelt, um die vermischte von Täter und Opfer zu trennen. Die Polizei legte  den Fall zu den Akten. 

Täter war ein Serienvergewaltiger

Das bedeutete zum Leidwesen des Opfers nicht, dass die Lügen des New-York-Daily-Kolumnisten aufhörten oder er sich entschuldigte. Das Gegenteil war der Fall. Mike McAlary sähte weiter Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit. Der Journalist soll laut " " sogar eine Haftstrafe für die Frau verlangt haben. Vom Gericht erhielt sie ebenfalls keine Unterstützung. Sie verklagte zwar die Zeitung wegen Verleumdung. Der Richter verlangte aber einen aufwendigen Beweis, dass sie wirklich das Opfer sei, denn schließlich sei sie als Aktivistin eine öffentliche Person. Den konnte sie nicht liefern, die Klage wurde abgewiesen. McAlary kann zu dem Fall keine Stellung mehr nehmen. Er starb 1998.

Nachdem ein Ermittler-Team den sogenannten "kalten Fall" wieder aufgerollt hatte, wurde es durch neue DNA-Tests schnell fündig. Der Täter heißt James Edward Webb und sitzt schon seit Jahren im Gefängnis. Webb hatte in den siebziger Jahren sechs Frauen vergewaltigt. Als er in der neunziger Jahren auf Bewährung auf freien Fuß kam, missbrauchte er weitere vier Frauen und wurde erneut verurteilt. Webb streitet die Tat im Prospect Park ab. Die Frau hingegen vergoss Freudentränen, als ihr die Polizeibeamten das Ergebnis ihrer jüngsten Ermittlungen mitteilten. Von der Polizei und der " Daily" verlangt sie eine Entschuldigung. Ob sie die Zeitung erneut verklagt, ist offen. Ihr Anwalt betonte, dass die Verleumdungen fast so traumatisierend waren wie die Vergewaltigung selbst.

tis