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Spur zum NSU?: Peggy Knobloch war umgeben von Pädophilen

Die meisten Fragen zu Peggys Tod sind noch ungeklärt. Auffällig ist: Das Mädchen war umgeben von Pädophilen. Mehrere Männer waren bislang bereits im Fokus der Ermittler - nun kommt der NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt dazu.

Ein Kartenausschnitt vom Fundort von Peggys Leiche in der Nähe der Ortschaft Rodacherbrunn

Der Fundort von Peggys Leiche in der Nähe der Ortschaft Rodacherbrunn. Dort sind DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden.

Der Fall Peggy Knobloch nimmt wieder Fahrt auf. Erst im Juli war das getötete Mädchen erneut Thema in der Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Zu Hinweisen auf neue Verdächtige hat das bislang nicht geführt. Doch seit Donnerstag gibt es plötzlich einen neuen Namen im Fall Peggy: Uwe Böhnhardt, verstorbenes Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). 

Wie genau dieser Name in die Akte Peggy passt, lässt sich noch nicht beantworten. Denn zu Peggy gibt es noch sehr viele offene Fragen. Klar ist bislang bloß, dass das Mädchen, verschwunden im Jahr 2001 im Alter von neun Jahren, tot ist - vermutlich getötet durch Gewalt. Und dass der Fundort des Skeletts, ein Waldstück zwischen Rodacherbrunn im thüringischen Saale-Orla und Nordhalben im Kreis Kronach in Oberfranken, nicht der Ort sein kann, an dem das Mädchen starb.

Peggy war umgeben von Pädophilen

In den 15 Jahren, die die Ermittlungen inzwischen andauern, gab es schon mehrere Verdächtige. Auffällig ist, dass es in Peggys jungem Leben gleich mehrere obskure Männer gab - und offensichtlich auch diverse Pädophile. Nicht nur, dass es in Peggys Nachbarschaft eine Art Treffpunkt für Pädophile gab, die mit Kinderpornos handelten. In der Straße der Familie Knobloch gingen außerdem mehrere Männer ein und aus, die später wegen sexuellen Missbrauchs von Mädchen verurteilt wurden. Ein Überblick über die obskuren Männer in Peggys kurzem Leben.

• Der pädophile Ulvi K.

Schon zwei Sonderkommissionen haben Peggys Fall untersucht - die erste hatte ihre Arbeit gleich nach dem Verschwinden des Mädchens aufgenommen und wurde schon bald wieder aufgelöst, weil sie keinen Erfolg hatte. Erst die zweite präsentierte im Jahr 2002 den ersten Tatverdächtigen: Ulvi K. Er hatte nachweislich bereits mehrere Kinder sexuell missbraucht.

Er ist geistig behindert, der Sohn eines Gastwirts und kommt aus Lichtenberg. Ulvi K. gestand die Tat - und wurde in einem Indizienprozess als Mörder verurteilt. Er habe Peggy missbraucht und anschließend umgebracht, hieß es damals. Doch es gab Zweifel an der Wahrheit der Aussage des behinderten Mannes. Zehn Jahre später wurde das Verfahren wieder aufgenommen. Ulvi K. widerrief sein Geständnis und wurde schließlich freigesprochen. Anlass dafür war, dass ein wichtiger Zeuge ausgesagt hatte, die Polizei habe ihn damals zu der Aussage gedrängt, die Ulvi K. belastet hatte.

Nach der Haft kam Ulvi K. in die geschlossene Psychiatrie, die er im vergangenen Jahr wieder verlassen durfte. Heute lebt er in einer Einrichtung für behinderte Menschen.

• Der pädophile Holger E.

Holger E. war öfter bei Peggys Familie zu Besuch. Er war lange der Hauptverdächtige im Fall. Ermittlern gegenüber hat er zugegeben, dass es mit Peggy zu "Zärtlichkeiten" gekommen sei. Das hatte der Bayerische Rundfunk berichtet. Bei einer Durchsuchung von Peggys Hinterlassenschaften fanden Ermittler seine Adresse. Der Pädophile soll ganz vernarrt in Peggy gewesen sein. Bei einem Besuch bei dem Mann in dessen Wohnung stieß die Polizei auf mehrere Fotos von Peggy und ein Amulett mit dem Buchstaben 'P'. Außerdem soll Peggys Name an E.s Wand gestanden haben. Er bestritt aber, etwas mit dem Tod des Mädchens zu tun gehabt zu haben, auch Beweise gab es keine, also schied er in diesem Fall als Verdächtiger aus. Heute sitzt er dennoch im Gefängnis, weil er seine eigene Tochter missbraucht hat und auch seine Nichte, die mit ihrer Familie neben Peggy in Lichtenberg wohnte. Er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.

• Der Bruder von Holger E.

Auch Holger E.s adoptierter Bruder war Verdächtiger im Fall Peggy; die Polizei ermittelte zwischenzeitlich gegen ihn. Doch die Indizien reichten auch bei ihm nicht für einen dringenden Tatverdacht aus - in Peggys Fall. Doch auf seinem Computer fanden die Ermittler Kinderpornografie.

• Der NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt

Genmaterial von Uwe Böhnhardt befindet sich am Fundort von Peggys Leiche. Auch Böhnhardt hatte Kontakt zu Sexualstraftätern, etwa Tino B., dem früheren Anführer des "Thüringer Heimatschutzes". Er wurde wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. Auch Böhnhardt könnte im Kontakt zu den Pädophilen in Lichtenberg gestanden haben; wie die "Stuttgarter Nachrichten" berichten, steht der NSU im Verdacht, sich unter anderem mit Zuhälterei und dem Handel von Kinderpornografie finanziert zu haben. In der ausgebrannten Wohnung des NSU-Trios in Zwickau fanden Ermittler ebenfalls einen Datenträger mit Kinderpornos. Wie Spiegel Online schreibt, fand die dritte Soko Peggy heraus, dass im Haus von Peggys Familie "sehr häufig Zimmer im Haus an Kollegen von Peggys Stiefvater untervermietet wurden". Auch mit einem dieser Männer könnte Böhnhardt bekannt gewesen sein. 

• Ein vorbestrafter Sexualstraftäter

Ein weiterer Verdächtiger war ein anderer Mann aus Lichtenberg. Weil er als Sexualstraftäter bereits vorbestraft war, durchsuchte die Polizei sein Haus, auf seinem Grundstück gruben die Ermittler nach Peggys Leiche. Dabei fanden sie sogar tatsächlich Knochen - doch die stammten nicht von dem vermissten Mädchen, sondern offenbar von einem Lichtenberger Friedhof. Inzwischen hat der Mann Schadenersatz gefordert.