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#Pizzagate: Bewaffneter Mann stürmt Pizzeria, um Verschwörungstheorie zu "untersuchen"

Hillary Clinton betreibe aus einer Pizzeria in Washington einen Kinderpornoring - im US-Wahlkampf hatte sich diese Verschwörungstheorie rasend schnell im Netz verbreitet. Beweise gibt es keine, doch damit wollte sich ein bewaffneter Mann nicht zufrieden geben.

In die Pizzeria "Comet Ping Pont" stürmte ein bewaffneter Mann, um die Verschwörungstheorie #Pizzagate zu "untersuchen"

In die Pizzeria "Comet Ping Pont" in Washington stürmte ein bewaffneter Mann, um die Verschwörungstheorie #Pizzagate zu "untersuchen"

Im US-Wahlkampf machte eine Verschwörungstheorie die Runde: Eine Pizzeria in Washington sei in Wahrheit gar kein harmloser Treff zum Verspeisen von belegten Teigwaren. Nein, von hieraus würden die Demokratin Hillary Clinton und ihr Wahlkampfmanager John Podesta einen Kinderpornoring betreiben. Als Folge dieser abstrusen Verschwörungstheorie hat nun ein Mann in der US-Hauptstadt Washington die besagte Pizzeria mit einer Waffe gestürmt und das Feuer eröffnet. Er bedrohte am Sonntag einen Angestellten, der aber fliehen konnte, wie die Polizei mitteilte. Anschließend gab der Verdächtige mindestens einen Schuss ab. Verletzt wurde niemand. Der 28-Jährige wurde festgenommen.

Gegenüber den Ermittlern gab er an, er habe den Gerüchten um das Restaurant "Comet Ping Pong" nachgehen wollen. Die Verschwörungstheorie um den angeblichen Kinderpornoring fand besonders um die US-Wahl Anfang November auf einschlägigen Webseiten, in Blogs und sozialen Netzwerken viel Beachtung. Wie die BBC berichtet, hatten fast eine Millionen Nachrichten auf Twitter im November den dazugehörigen Hashtag "Pizzagate". Auch auf Reddit wurden die Thesen von unzähligen Usern diskutiert. Die Webseite sperrte die größte Gruppe zu dem Thema Ende November wegen mehrerer Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen, wie die "Washington Post" berichtete. Als Begründung nannte das Portal, dass dort wiederholt persönliche Daten von Dritten veröffentlicht wurden.

#Pizzagate um Hillary Clinton und John Podesta

Die schweren Anschuldigungen rund um Pizzagate beruhen vor allem auf den von Wikileaks veröffentlichten Mails von Podesta. Einige Nutzer wollen darin einen Codesprech entdeckt haben, der angeblich in pädophilen Kreisen verwendet werde. Unter anderem die Worte "Pizza" und "Pasta" werden als Beispiele genannt. Auch angebliche Pädophilen-Symbole auf Speisekarten und am Logo des Lokals wollen einige entdeckt haben. 

Vor dem Laden versammelten sich mehrfach Menschen zu spontanem Protest. Der Eigentümer und Angestellte erhielten laut "Washington Post" Todesdrohungen. Der Besitzer beteuerte mehrfach, dass an den Anschuldigungen nichts dran sei. Das Gebäude etwa verfüge über gar keinen Keller, in dem angeblich die Kinder missbraucht würden. In einem Youtube-Video stand er den Demonstranten Rede und Antwort und führte sie in seinem Lokal herum.

Polizei: Anschuldigungen sind falsch

Die Polizei erklärte die Behauptungen für falsch. Es gebe nicht einen Beweis, kein Opfer habe sich bei ihnen gemeldet habe und es würden daher auch keine Ermittlungen gegen den Eigentümer geführt. Auch die Verschwörer im Netz bleiben jedwede Beweise schuldig.

Der Besitzer von "Comet Ping Pong" zeigte sich nach dem gewalttätigen Angriff am Sonntag erschüttert. "Was heute passiert ist, zeigt, dass die Verbreitung von falschen und waghalsigen Verschwörungstheorien Konsequenzen hat", erklärte er in einer Stellungnahme. 

fin/DPA / DPA