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Prozess geplatzt: Student zwei Jahre der Vergewaltigung beschuldigt - und die Polizei sitzt auf entlastenden Beweisen

Ein 22-jähriger Brite wird von seiner Ex der Vergewaltigung bezichtigt. Er beteuert seine Unschuld, doch zwei Jahre schweben die Anschuldigungen über ihm. Dabei befanden sich Beweise für seine Version die ganze Zeit in Polizeigewahrsam.

Auch die BBC berichtet über den Fall von Liam Allan, der zwei Jahre lang zu Unrecht beschuldigt wurde, eine Vergewaltiger zu sein

"Es ist das erste, woran du nach dem Aufstehen denkst und dein letzter Gedanke, wenn du abends einschläfst", berichtet Liam Allan der britischen BBC von seiner zweijährigen Tortur, an deren Ende er sein altes Leben zurückbekommt. 2015 wurde der Student von einer jungen Frau, mit der er eine Beziehung hatte, der Vergewaltigung beschuldigt. Die Polizei nahm ihn fest, er kam auf Kaution frei, Anklage wurde erhoben.

Sechsfache Vergewaltigung und sechs sexuelle Übergriffe habe es gegeben, so die Frau. Zwölf Jahre Haft und ein lebenslanger Eintrag auf der Liste der registrierten Sexualstraftäter drohten dem 22-Jährigen. Zwei Jahre befand sich Allan auf Kaution - wegen eines Verbrechens, das er nicht begangen hat. Der zuständige Richter stellte den Prozess gegen ihn unter der Woche am dritten Prozesstag ein, wie mehrere britische Medien berichten - unter anderem "The Guardian" und "The Daily Mail".

Beweise in Polizeigewahrsam entlasten Liam Allan

Dem kurzen und für ihn erfreulichen Prozess ging eine quälend lange Phase der Ungewissheit voraus. Allan hatte den Medienberichten zufolge von Anfang an seine Unschuld beteuert - und die war offenbar die ganze Zeit im Besitz von Beweisen, die den Fall früh hätten klären können.

Auf einer Festplatte in Polizeigewahrsam befanden sich rund 40.000 Kurznachrichten, heruntergeladen vom Smartphone des angeblichen Opfers. Darunter laut der BBC Nachrichten an Allan, in denen sie ihn "bedrängte", Sex mit ihr zu haben. In anderen soll sie ihren Freundinnen vom Sex mit Allan berichtet haben. Laut "The Independent" geht aus den Nachrichten klar hervor, dass das die junge Frau den Sex "wollte und genossen hat", obwohl sie später der Polizei gegenüber behauptete, Allan habe sie vergewaltigt.

Polizei: Nachrichten "nicht relevant"

Die Verteidigung des Studenten hatte den Berichten zufolge mehrfach eine Offenlegung der heruntergeladenen Nachrichten beantragt. Die Polizei habe zunächst abgeblockt, die Inhalte seien "nicht relevant". Später rechtfertigte der leitende Polizist sich dann Allans Anwalt zufolge damit, die Nachrichten "können nicht offengelegt werden", da es sich um "sehr private Inhalte" handle. Laut der BBC wurden die Nachrichten erst im November 2017 an die britische Staatsanwaltschaft weitergegeben, woraufhin diese "keine Chance mehr für eine Verurteilung" von Allan sah.

Den Berichten zufolge musste die Polizei dennoch am ersten Prozesstag von einem Richter per Verfügung gezwungen werden, die Daten auch der Verteidigung zugänglich zu machen. Wenig später wurde der Prozess eingestellt und alle Anklagen gegen Allan fallengelassen. Der Student zeigt sich im Gespräch mit der BBC zwar sichtlich erleichtert, erhebt aber schwere Vorwürfe gegen die Ermittler: "In diesem Fall haben sie nicht versucht, meine zu beweisen. Es ging nur darum, zu beweisen, dass ich schuldig bin." Sowohl die zuständige Polizeibehörde als auch die Staatsanwaltschaft haben bereits angekündigt, den Fall einer "dringenden Untersuchung" zu unterziehen.

Auch die BBC berichtet über den Fall von Liam Allan, der zwei Jahre lang zu Unrecht beschuldigt wurde, eine Vergewaltiger zu sein