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Mordprozess in Neubrandenburg: Gewaltsamer Tod der kleinen Leonie vor Gericht: Stiefvater will Aussage der Mutter abwarten

Kurz nach ihrem sechsten Geburtstag starb die kleine Leonie aus Torgelow an schweren Kopfverletzungen. Der Stiefvater steht nun vor Gericht, weil er das Kind schwer misshandelt haben soll. Er spricht von einem Treppensturz.

Der beschuldigte Stiefvater soll Leonie schwer misshandelt und keine medizinische Hilfe geholt haben

Der beschuldigte Stiefvater soll Leonie schwer misshandelt und keine medizinische Hilfe geholt haben, um nicht aufzufliegen. Das Kind starb unter anderem an schweren Kopfverletzungen und war am 12. Januar tot in der Wohnung der Familie gefunden worden

DPA

Im Mord-Prozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow in Vorpommern hat der angeklagte Stiefvater zum Prozessauftakt keine Angaben gemacht. "Mein Mandant soll sich erst an die Verhandlungssituation gewöhnen", begründete Verteidiger Bernd Raitor vor dem Landgericht Neubrandenburg die Entscheidung. Er kündigte an, dass der Angeklagte die Aussagen anderer Zeugen und der Mutter von Leonie abwarten wolle. 

Dem 28-jährigen Stiefvater werden Mord durch Unterlassen und Misshandlung Schutzbefohlener in sieben Fällen vorgeworfen. Der Angeklagte hat das bisher bestritten. Er lebte mit Leonie, ihrem kleineren Bruder, deren Mutter und einem gemeinsamen Baby in der Wohnung in Torgelow. Laut Anklage soll er Leonie seit November 2018 fünfmal schwer misshandelt und nicht rechtzeitig medizinische Hilfe geholt haben. "Damit wollte er die Straftaten verdecken", erklärte Oberstaatsanwalt Bernd Bethge. Leonie starb am 12. Januar unter anderem an schweren Kopfverletzungen. Der zwei Jahre alte Bruder soll zweimal vom Stiefvater misshandelt worden sein.

Leonie soll eine Treppe mit 15 Stufen heruntergefallen sein

Der Angeklagte hatte bei einer Haftprüfung erklärt, dass das Mädchen mit einem Puppenwagen am 12. Januar eine Treppe mit 15 Stufen hinuntergefallen war, erläuterte die damalige Haftrichterin Daniela Lieschke als Zeugin vor dem Landgericht. Danach soll der Angeklagte das Kind hochgetragen und die Mutter, gegen die ebenfalls ermittelt wird, Leonie ins Bett gelegt und ihr wegen Kopfschmerzen und Nasenbluten einen Kühlakku gegeben haben. Danach sei die Frau einkaufen gegangen. Später sei Leonie wieder in der Wohnung "herumgesprungen."

Auf die Frage, warum man sich den Kopf des Kindes nicht genauer auf ernste Verletzungen hin angeschaut und ärztliche Hilfe geholt habe, sei vom Angeklagten der Satz gefallen: "Das sind nicht meine Kinder." "Das hat er öfter gesagt", betonte Lieschke. Gegenüber Mitarbeitern des Jugendamtes habe er aber erklärt, seine Kinder nehme ihm niemand weg. Ihr Eindruck als Haftrichterin war, dass der Mann sich immer wieder in Widersprüche verstrickt habe.

Laut Anklage soll der Stiefvater Leonie schon am 8. Januar geschüttelt, getreten und anderweitig misshandelt haben. Am 12. Januar habe er erst abends die Rettungskräfte angerufen, nachdem das Mädchen auch noch erbrochen hatte. Als die Mediziner kamen, soll das Mädchen bereits tot gewesen sein. Später wurde festgestellt, dass Leonie schwere Kopfverletzungen, mehrere Rippenbrüche sowie Frakturen an Schlüsselbein und Daumen hatte.

vit / DPA