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Colorado, USA Einäscherungswünsche ignoriert: Bestatterin verkaufte illegal Leichenteile

Eine Urne als Symbolfoto für Handel einer Bestattungsunternehmerin mit Leichenteilen
Häufig übergab sie kremierte Überreste an Familien mit dem Hinweis, dass es sich um die Überreste ihrer Verwandten handelte, obwohl dies in Wirklichkeit nicht der Fall war (Symbolfoto)
© Getty Images
In den USA soll die Inhaberin eines Bestattungsunternehmen jahrelang illegal Leichenteile verkauft haben. Jetzt bekannte sich die 45-Jährige vor einem Bundesgericht schuldig.

Im US-Bundesstaat Colorado hat eine Bestattungsunternehmerin vor einem Gericht zugegeben, jahrelang illegal mit Leichenteilen gehandelt zu haben. Der 45-Jährigen droht jetzt eine mehrjährige Haftstrafe.

Zusammen mit ihrer Mutter betrieb sie von 2010 bis 2018 das Sunset Mesa Funeral Home in Montrose, einer Kleinstadt in Colorado. Dort boten die Damen Bestattungs- und Einäscherungsdienste an. Für die Einäscherung verlangten sie 1000 Dollar und mehr. Aber viele Einäscherungen fanden laut Staatsanwaltschaft nie statt.

2009 gründete Hess außerdem die gemeinnützige Sunset Mesa Funeral Foundation, Donor Services, einen Leichenvermittlungsdienst, der im selben Gebäude betrieben wurde. Als die Nachrichtenagentur Reuters 2016 über ihr Unternehmen berichtete, beschrieb sie es damals als kleines Familienunternehmen, in dem ihr Vater das Krematorium leitete. Damals erklärte sie, dass der Spenderdienst nur etwa 15 Prozent ihres Gesamtgeschäftes ausmache, er jedoch "einen wichtigen, öffentlichen Dienst erbringe". Doch in Wahrheit soll sie mit dem Verkauf von Leichenteilen mehrere Hunderttausend Dollar verdient haben. 

Bestatterin soll Hunderte Leichen oder Leichenteile verkauft haben

Den Gerichtsdokumenten zufolge nutzte das Unternehmen die niedrigen Preise seiner Bestattungsdienste, um sich einen ständigen Nachschub an zu verkaufenden Leichenteilen zu sichern.

Sie soll die Wünsche der Familien ignoriert und keine Genehmigung eingeholt haben, die Körper oder Körperteile der Verstorbenen an Dritte zu übertragen. Unterschriften auf Einverständniserklärungen wurden gefälscht und Familien darüber getäuscht, wie die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen behandelt werden würden.

Manchmal erhielt sie die Zustimmung von Familien, um kleine Gewebeproben oder Tumore ihrer verstorbenen Verwandten zu spenden, so die Anklageschrift. Bei anderen Gelegenheiten wurde ihre Bitte abgelehnt und manchmal brachte sie das Thema überhaupt nicht zur Sprache. Viele Familien erhielten Asche, die mit den Überresten verschiedener Leichen vermischt war, so die Staatsanwaltschaft. Ein Kunde erhielt statt der sterblichen Überreste seines Angehörigen eine Betonmischung.

In jedem Fall, so heißt es in den Dokumenten, verkaufte sie Köpfe, Torsi, Arme, Beine oder ganze menschliche Körper zu Forschungszwecken oder für chirurgische Schulungen weiter. Häufig lieferte sie kremierte Überreste an Familien mit dem Hinweis, dass es sich um die Überreste ihrer Verwandten handelte, obwohl dies in Wirklichkeit nicht der Fall war. Einige dieser Körperteile gehörten auch Menschen mit ansteckenden Krankheiten wie HIV und Hepatitis – Informationen, die sie den Käufern vorenthalten haben soll.

Bestatterin soll sogar Zähne gezogen und das Gold verkauft haben

Auch soll sie einigen Leichen sogar noch die Zähne gezogen haben, um das Gold aus Kronen oder Füllungen zu gewinnen, wie eine ehemalige Mitarbeiterin laut Nachrichtenagentur Reuters dem FBI berichtete. Mit dem Geld, dass sie durch den Goldverkauf erzielte, soll sie ihrer Familie unter anderem einen Ausflug nach Disneyland finanziert haben.

Am Dienstag bekannte sich die Bestatterin vor dem Bundesgerichtshof in Grand Juntion, Colorado, schuldig, mindestens ein Dutzend Familien betrogen zu haben, die eine Einäscherung für verstorbene Angehörige suchten. "Ich habe den Rahmen der Zustimmung überschritten und versuche, es wieder gut zu machen", wird sie vom "Daily Sentinel" zitiert. "Ich übernehme die Verantwortung". Die Unternehmerin soll voraussichtlich im Januar verurteilt werden. Ihr drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Links sitzen zwei Erwachsene Söhne bei einer Trauerfeier direkt neben ihrer Mutter, rechts kommt von hinten ein Mann angerannt

Sehen Sie im Video: In Großbritannien wollen zwei Söhne bei der Beerdigung ihres Vaters ihre Mutter, also die Ehefrau des Verstorbenen, trösten. Weil sie dabei aber gegen die Coronaregeln verstoßen, sorgt ein Mann rüde für Abstand.

Quellen: US Attorney's Office Colorado ,"The Daily Sentinel", Reuters

jek

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