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Bei ZDF-Talker Markus Lanz: "Es ist ein Albtraum. Wann hört das endlich auf?" Bewegender TV-Auftritt von Rebeccas Schwester

Mit emotionalen Worten schilderte die Schwester der vermissten Rebecca aus Berlin bei Markus Lanz, was ihre Familie seit dem Verschwinden vor fast vier Monaten durchmacht. Sie hofft weiter auf ein glückliches Ende des Falls.

die vermisste Rebecca aus Berlin und ihre Schwester Vivien

Vivien R., Schwester der seit fast vier Monaten vermissten Rebecca aus Berlin, kritisierte bei ZDF-Talker Markus Lanz unter anderem die Auswahl der Fahndungsfotos seitens der Polizei

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"Es ist ein Albtraum, es ist von Anfang an ein Albtraum. Und man denkt sich: Wann hört das endlich auf?" Der Albtraum dauert inzwischen fast vier Monate. Am 18. Februar verschwand die Schülerin Rebecca aus Berlin spurlos. In der ZDF-Sendung von Markus Lanz sprach nun ihre Schwester Vivien über das, wofür es eigentlich keine Worte gibt. Über das Leben ihrer Familie seit dem 18. Februar. Über ihre Verzweiflung. Über die Festnahme ihres Schwagers in dem Fall. Und über ihren Glauben daran, dass ihre "Becci" noch lebt – entgegen der Überzeugung der Ermittler.

Rückblick: In der Nacht auf den 18. Februar, einem Montag, übernachtete Rebecca im Haus ihrer ältesten Schwester Jessica und ihres Schwagers Florian in Berlin-Britz. In der Schule kam sie an dem Morgen nie an. Die eingeschaltete Polizei ging schnell davon aus, dass die 15-Jährige das Haus nicht bei Bewusstsein oder sogar tot verlassen hat. In Verdacht geriet Schwager Florian, er saß zwischenzeitlich unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft, ist aber wieder frei. Mehrere groß angelegte Suchaktionen nach dem vermissten Mädchen blieben ohne Ergebnis.

Polizei geht davon aus, dass vermisste Rebecca tot ist

Für Rebeccas Schwester Vivien ist die Ungewissheit eine unerträgliche Situation. "Ich persönlich kann mir nicht ausmalen, ich kann es mir nicht vorstellen, dass sie tot ist. Und jedesmal zu lesen, dass sie nach einer Leiche suchen, das schmerzt ungemein", sagte sie bei Markus Lanz. Sie wisse nach wie vor nicht, warum die Polizei von einem Tötungsdelikt ausgehe.

+++ Die gesamte "Markus Lanz"-Sendung können Sie hier in der ZDF-Mediathek nachsehen. +++

Das erklärte der Leiter der zuständigen Mordkommission bereits kurz nach dem Verschwinden Rebeccas in der Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Der Schluss habe sich "aus dem Telefonverhalten Rebeccas und der Auswertung der Routerdaten aus dem Haus des Schwagers" ergeben. Zur fraglichen Tatzeit sei der Schwager mit Rebecca alleine in dem Haus gewesen. Zudem habe der 27-Jährige am Morgen des 18. Februar und in der Nacht vom 19. auf den 20. Februar zwei verdächtige Autofahrten in Richtung Polen unternommen. "Zu beiden Fahrten kann er keine Angaben machen, die Fahrten passen aber überhaupt nicht zu der Version, die er erzählt hat", so der Kripobeamte seinerzeit. (Lesen Sie dazu: "Führen dieses Auto und die Fleecedecke zur vermissten Rebecca?")

Trotzdem: Die Familie von Rebecca hält zu dem Verdächtigen. "Wie gestalten wir unseren Alltag so, dass wir überleben. Dass wir als Familie zusammenhalten und es schaffen", sagte Schwester Vivien.

Und sie äußerte Kritik an der Berliner Polizei. Diese habe erst etwa drei Tage nach dem Verschwinden Rebeccas ernsthaft mit der Suche begonnen. In der Tat begannen die Ermittler am 21. Februar mit der Öffentlichkeitsfahndung. Allerdings ist es üblich, dass die Polizei nicht unmittelbar nach einer Vermisstenmeldung mit einem Foto an die Öffentlichkeit geht. Zunächst kümmern sich die Beamten in der Regel um die Auswertung vorhandener Spuren, Zeugenbefragungen und weitere polizeiliche Ermittlungsmaßnahmen, wie das Bundeskriminalamt erklärt. "Erst wenn diese Maßnahmen erfolglos bleiben oder absehbar keinen Erfolg versprechen, wendet sich die Polizei an die allgemeine Öffentlichkeit."

Kritik an Fotoauswahl der Berliner Polizei

Zwei Fotos der Gesuchten veröffentlichte die Berliner Polizei am 23. Februar, fünf Tage nach dem Verschwinden Rebeccas. Darunter das inzwischen deutschlandweit bekannte Bild, das die Schülerin geschminkt, mit vollen Lippen, großen Augen und sorgfältig gestylten Haaren zeigt. Dazu liegt offenbar ein Filter über dem Bild. Auf anderen Aufnahmen sehe die 15-Jährige deutlich natürlicher aus, so Schwester Vivien bei Markus Lanz: "Meine Familie hat der Polizei auch andere Fotos zugespielt, wo Rebecca mehr nach Rebecca aussieht." Doch: "Die Polizei hat dieses Bild ausgewählt." Warum, könne sie nicht sagen. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Ermittler bereits davon aus, dass die 15-Jährige einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Viele Internetnutzer vermuteten, dass das Fahndungsbild nach Attraktivitätsgesichtspunkten ausgewählt wurde. Im Gespräch mit dem stern sagte Dirk Peglow, stellvertretender Vorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter bereits im März dazu: "Polizeibeamte werden sich darüber keine Gedanken machen. Es geht allein darum, dass die gesuchte Person möglichst gut zu erkennen ist." (Mehr zu den Hintergründen der Fotoauswahl lesen Sie hier: "Warum sucht die Polizei mit diesem Foto nach Rebecca? Ein Kripo-Beamter klärt auf")

Parallel zu den Bemühungen der Polizei geht auch Rebeccas Schwester Vivien immer wieder an die Öffentlichkeit. Neben dem jüngsten Auftritt in dem ZDF-Talk veröffentlicht sie nahezu im Tagesrhythmus Suchaufrufe und Fotos von Rebecca auf ihrem Instagram-Profil mit inzwischen fast 65.000 Abonnenten. "Ich hoffe, dass unsere kleine Becci endlich gefunden wird! Lebendig!", schrieb sie unter anderem.

Den Fahndungsaufruf der Berliner Polizei sehen Sie hier.

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Quellen: ZDF, Bundeskriminalamt, Polizei Berlin