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  • Sturmflut 1962: Als in Hamburg die Deiche brachen

Sturmflut 1962
Als in Hamburg die Deiche brachen und die Elbe die Stadt verschlang

  • 16. Februar 2022
  • 06:21 Uhr
Hamburg Sturmflut
Die Sturmflut von 1962 hat sich tief ins Hamburger Stadtgedächtnis eingegraben. In der Nacht vom Freitag, den 16. auf Samstag, den 17. Februar 1962 starben in der Hansestadt 315 Menschen, davon alleine 200 in dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Zigtausende wurden Obdachlos.
© dpa/ / Picture Alliance
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Hamburg Sturmflut
Sturmflut 1962
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Helmut Schmidt
Auch der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke (Mitte) reiste am Samstag nach Hamburg, um sich vor Ort ein Bild zu machen
Sturmflut
Sturmflut 1962

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Vor 60 Jahren wurde Hamburg von einer Sturmflut überschwemmt. Mehr als 300 Menschen starben, zigtausende wurden obdachlos. Historische Bilder der Katastrophe

Die Sturmflut kam nicht aus heiterem Himmel, aber für viele Menschen ohne Vorwarnung. Bereits am Freitag, den 16. Februar 1962 war das Wasser über die Kaimauern geschwappt und hatte Straßen am Hafenrand überschwemmt. Sturmwarnungen vor dem von Nordwesten heranziehenden Orkan "Vincinette" wurden jedoch nicht auf das Stadtgebiet bezogen. 

In der Nacht zum Samstag presste "Vincinette" das Wasser der Nordsee jedoch mit enormer Kraft in die Mündungen von Weser und Elbe. Mit der Rekordhöhe von 5,70 Meter über Normal Null (NN) zerstörte die Flut die Hamburger Deiche an rund 60 Stellen. "Mitten in der Nacht, zwischen 00.14 und 2.05 Uhr brachen die Deiche in Neuenfelde, Harburg und Wilhelmsburg. Das alte Land, Harburg,  Allermöhe, Finkenwerder, Neugraben, Billwerder wurden weitreichend überschwemmt", heißt es dazu im offiziellen Geschichtsportal der Stadt Hamburg. 

Innerhalb kurzer Zeit stand ein Sechstel der Stadt unter Wasser, besonders betroffen war der Stadtteil Wilhelmsburg. Wilhelmsburg wird von den beiden Elbarmen Norderelbe und Süderelbe umschlossen, in der Sturmflutnacht kam dies eher einer tödlichen Umklammerung gleich. 

Sturmflut 1962: Helmut Schmidt wird zum Krisenmanager

Strom-, Telefon- und Gasnetze fielen in der Folge aus. Die Hamburger Rettungskräfte waren überfordert. Bürgermeister Paul Nevermann befand sich auf einer Kur in Österreich. Also musste der erst zwei Monate zuvor ernannte Polizeisenator Helmut Schmidt ran. Schmidt war selbst erst gegen Mitternacht mit dem Auto aus Berlin gekommen und hatte sich schlafen gelegt Am frühen Morgen, gegen 6.20 Uhr, wurde er über die Lage informiert. Schmidt warf dem Hamburger Geschichtsportal zufolge ein paar Sachen über und raste mit seinem Dienstwagen in die Polizeizentrale. Dort gründete er einen Notstandsstab und übernimmt das Kommando - mit "anpackender Kaltschnäuzigkeit", Instinkt und Chuzpe trifft er dem Portal zufolge seine Entscheidungen. Ohne über Befugnisse, Kompentenzen oder Gesetze nachzugrübeln. 

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Dank seiner guten Kontakte zur Bundeswehr und zur Nato trafen umgehend Soldaten mit Hubschraubern ein. "Ich hab' mich um die Gesetze nicht gekümmert. Ich hab' auch nicht erst die Juristen gefragt, ob ich das darf", sagte Schmidt später, wie aus einer Tonaufzeichnung hervorgeht, die die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung in einer Twitter-Chronik verbreitete. Schmidts Krisenmanagement in der Flutkatastrophe gilt in Hamburg bis heute als legendär. Schmidt persönlich wiegelte stets ab, wollte den Einsatz als gemeinsame hanseatische Leistung verstanden wissen. 

Der Senator war sich der grundsätzlichen Flutgefahr durchaus bewusst gewesen. Wochen vor der Katastrophe habe er in einem Brief an einen SPD-Bundestagsabgeordneten die unzureichende Vorbereitung Hamburgs erläutert, erklärte der Sprecher der Stiftung, Ulfert Kaphengst. Er habe ein Planspiel als Katastrophenschutzübung vorgeschlagen und die Bildung einer Innenbehörde angeregt. Am 14. Februar 1962 hatte der Senat daraufhin die Errichtung einer solchen Behörde beschlossen. In der Nacht zum 17. Februar unterstanden Polizei, Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen aber noch verschiedenen Behörden.

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Ein Zeitzeuge erinnert sich

Ein Ort, von dem aus die Militärhubschrauber zu Rettungs- und Versorgungsflügen starteten, war der Jenischpark in Othmarschen. Klaus-Peter Leiste half damals, die Maschinen zu beladen und Hilfsgüter zu verteilen. Als Mitglied der Blankeneser Jugendrotkreuz-Gruppe habe er das freiwillig gemacht, sagt der heute 76-Jährige. Am 17. Februar 1962 sei er das erste Mal in seinem Leben geflogen. Aus der Luft blickte er auf das Katastrophengebiet südlich der Elbe. "Ich habe mit Schrecken gesehen, dass nur noch die Häuser als Inseln aus dem Wasser herausragten", sagt Leiste.

Der Hubschrauber landete auf einem Deich. Er und die anderen Helfer hätten Wolldecken, Mineralwasser, Kartoffeln, Spirituskocher und andere Hilfsgüter verteilt. Die Anwohner hätten die Sachen mit Booten abgeholt. "Die waren so dankbar, manche haben einen umarmt." Die ländlich geprägten Stadtteile Cranz und Neuenfelde waren anders betroffen als Wilhelmsburg: "Was mich unheimlich fertig gemacht hat, war das tote Vieh, Berge von totem Vieh", sagt Leiste. Die Erfahrung als jugendlicher Katastrophenhelfer habe ihn für sein ganzes Leben geprägt. Als Navigator sei er später zur Wasserschutzpolizei gegangen. Stets habe er sich ehrenamtlich engagiert.

An einem Mahnmal in Wilhelmsburg gedenken die Hamburger jedes Jahr der Katastrophe. In diesem Jahr soll Bürgermeister Peter Tschentscher am 16. Februar das Wort ergreifen. Abgesehen von dem in die Jahre gekommenen Denkmal gibt es nur wenige Hinweise auf die Flut von 1962. Eine Dauerausstellung soll mit Unterstützung des Senats im Museum Elbinsel Wilhelmsburg entstehen. Es soll nach Angaben der Finanzbehörde im Jahr 2025 eröffnet werden. 

Die Hamburger Deiche sind seit der Flutkatastrophe 1962 immer wieder erhöht und verstärkt worden.

Quellen: "Digitales Geschichtsbuch Hamburg", DPA

DPA
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