HOME

Todestag: Millionen gedenken Johannes Paul II.

Vor einem Jahr verstarb Papst Johannes Paul II. Zu seinem ersten Todestag haben sich Millionen Pilger nach Rom aufgemacht, um des Heiligen Vaters zu gedenken. Derweil rückt die Seligsprechung des Toten immer näher.

Millionen Gläubige auf der ganzen Welt gedenken an diesem Sonntag des vor einem Jahr gestorbenen Papstes Johannes Paul II. Allein nach Rom sind mehrere Hunderttausend Pilger gereist, um an den Feiern teilzunehmen. Höhepunkt ist eine Gebetswache am Abend auf dem Petersplatz. Zur Todesstunde um 21.37 Uhr wird Papst Benedikt XVI. gemeinsam mit den Gläubigen auf dem Petersplatz einen Rosenkranz beten und zu den Menschen sprechen. Auch in der polnischen Heimat Johannes Pauls gibt es zahlreiche Feierlichkeiten.

Johannes Paul II. hatte die Katholische Kirche über 25 Jahre lang geführt und gilt als einer der wichtigsten Päpste der Geschichte. Besonders mit seinen über 100 Reisen in alle Welt hatte er Schlagzeilen gemacht. Sein konservativer Kurs in Fragen der Empfängnisverhütung und der Sexualmoral wurde aber auch von vielen Gläubigen kritisiert.

"Nach unserer Überzeugung ist er bereits ein Heiliger"

Eine Kanonisierung (Heiligsprechung) von Papst Johannes Paul II. ist nach Auffassung des römischen Prälats Mauro Parmiggiani bereits bei einer Seligsprechung theoretisch denkbar. "Als Gesetzgeber der Kirche hat der Papst natürlich das Recht (den Prozess zu verkürzen)", sagte Parmiggiani im südpolnischen Krakau (Krakow). In der Kathedrale der einstigen Bischofsstadt von Karol Wojtyla ging am Samstag das polnische Teilverfahren des Seligsprechungsprozesses nach fünf Monaten zu Ende. "Dieser Prozess betrifft einen Menschen, der nach unserer Überzeugung bereits ein Heiliger ist", fügte der Prälat hinzu.

Die kirchlichen Richter bemühten sich, die Vorschriften des Kirchenrechtes einzuhalten und erst ein anerkanntes Wunder für eine Seligsprechung zu finden, ehe ein für eine Heiligsprechung erforderliches weiteres Wunder geprüft werde, sagte Parmiggiani. "Aber dem Papst steht es frei, Entscheidungen zu treffen, die das kanonische Recht überschreiten", meinte er angesichts der "ungewöhnlichen Umstände". Den Seligsprechungsprozess begleite ein bisher nicht gekanntes Interesse der Gläubigen.

"Er diente nur einer Sache: dass jeder Mensch Christus finden könne."

Der Druck der Gläubigen habe aber keinen Einfluss auf die Arbeit des Tribunals gehabt, sagte Stanislaw Oder, der als so genannter Postulator das Verfahren geleitet hatte. Oder schloss nicht aus, dass nach einer Selig- oder Heiligsprechung Reliquien von Johannes Paul II. in der Kathedrale auf dem Wawel-Hügel aufbewahrt werden. "Polen und Krakau sind Orte, an die die Reliquien gelangen sollten", sagte er.

Nach dem Tod von Johannes Paul II. hatte es zunächst Gerüchte gegeben, das Herz des polnischen Papstes solle in Krakau seine letzte Ruhestätte finden. In einer feierlichen Messe in der Kathedrale betete der Krakauer Erzbischof, Kardinal Stanislaw Dziwisz, für eine schnelle Seligsprechung von Johannes Paul II. Er habe mit seinem Leben ein überzeugendes Zeugnis der Liebe zu Christus abgelegt, sagte Dziwisz, der langjährige persönliche Sekretär des Papstes, in seiner Predigt. "Er diente nur einer Sache: dass jeder Mensch Christus finden könne."

Neue kirchliche Monatszeitschrift

Oder kehrt mit zwei Bänden mit Aussagen des Krakauer Verfahrens nach Rom zurück. Vor dem geheim arbeitenden kirchlichen Tribunal waren mehr als 100 Zeugen vernommen worden, die über das Leben und die Person Karol Wojtylas Auskunft geben sollten. Durch Indiskretionen wurde bekannt, dass auch die ehemaligen Präsidenten General Wojciech Jaruzelski und Aleksander Kwasniewski vor dem Tribunal aussagten.

Wegen des großen öffentlichen Interesses soll eine neue kirchliche Monatszeitschrift mit dem Titel "Totus Tuus" (Ganz Dein, der Wahlspruch von Johannes Paul II.) den weiteren Verlauf des Seligsprechungsprozesses begleiten. Eine polnische und italienische Version gibt es bereits, Ausgaben in englischer und spanischer Sprache werden derzeit vorbereitet, sagte Oder.

DPA/DPA