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Tote Millionärin Eva Rausing: Zu high für die High Society

Eva Rausing lebte zwei Leben: eins als Wohltäterin für die Londoner High Society, eins als Junkie in einem Drogen-Loch. Sie konnte sich alles leisten - und das war vermutlich ihr Unglück.

Von Katharina Miklis

Fast eine Woche lang soll der tote Körper seiner Frau in der Villa gelegen haben. Eine Woche, in der Tetra-Pak-Erbe Hans Kristian Rausing in dem gleichen Anwesen lebte, in dem die Leiche seiner Frau lag - bis die Polizei ihn orientierungslos im Londoner Süden aufgriff und die grausame Entdeckung in dem Nobelviertel Chelsea machte.

Die Tragödie des vermögenden Paares aus dem Londoner Nobelviertel gibt Scotland Yard Rätsel auf. Noch ist die Todesursache der 48-jährigen Eva Rausing unklar und wenig Details über das Leben des Paares bekannt, das als eines der reichsten Großbritanniens gilt. Dabei war die Milliardärsgattin auf ihrer MySpace-Seite nicht gerade zurückhaltend mit Informationen. Dort zeigte sie sich gerne im knappen Bikini oder edler Abendrobe. Es sind verstörende Bilder. Sie zeigen einen mageren Körper und ein verhärmtes Gesicht mit leerem Blick. Dicke Klunker hängen an den dürren Ärmchen und dem knochigen Dekolletee der drogenkranken Frau. In den letzten Jahren sind keine neuen Bilder dazugekommen. In der britischen Presse tauchen nun dafür umso mehr auf. Sie zeigen Aufnahmen des Ehepaares aus den letzten Wochen: aufgedunsen, ungepflegt. Aber der leere Blick ist der gleiche wie damals.

Vom Partygirl zum "langweiligen Mädchen"

Schon während ihrer Studienzeit in Kalifornien soll die Blondine, die nun vermutlich an einer Überdosis starb, mit Drogen in Kontakt gekommen sein. Auf ihrer MySpace-Seite schrieb die Frau, die mit Prinz Charles befreundet war, zwar nicht, dass ihr Mann der milliardenschwere Erbe des Tetra-Pak-Firmengründers ist, dafür - so zitiert es die "Daily Mail" aus Eva Rausings Online-Einträgen - sei sie nach ihrer wilden Studienzeit ein "braves und auch ein bisschen langweiliges Mädchen" geworden.

Zwischen den Zeilen kann man eine gewisse Unzufriedenheit lesen. Alles sei sehr vorhersehbar für die nächsten Jahre, schrieb die Mutter nach der Geburt ihrer vier Kinder. Ein Hinweis, dass die Hausfrau ihrer wilden Zeit hinterhertrauerte und das behütete Leben in der High Society satt hatte. Auch beklagte sie, dass sie immer weniger Freunde in ihrem Leben habe. Das Jetset-Leben zwischen Londoner Herrenhaus, Anwesen auf Barbados und ihrem Apartment auf einem Luxus-Kreuzfahrtschiff konnte die Leere, die sich im Leben der Rausings breitgemacht hatte, nicht stopfen.

Bekannt ist, dass Hans Kristian und Eva Rausing seit Jahren gegen ihre Drogensucht ankämpften, die sie vor vielen Jahren zusammengebracht hatte. In einer Entzugsklinik in den USA sollen die beiden sich in den 80er Jahren kennengelernt haben. Die geborene Kemeny stammt aus einer wohlhabenden Familie aus den USA. Ihr Vater ist ein ehemaliger Top-Manager des Getränkeherstellers Pepsi Cola, ihre Eltern leben mittlerweile auf einer abgelegenen Insel im US-Bundesstaat South Carolina. Schon lange soll Eva Rausing nach einem Sinn in ihrem Leben gesucht haben. "Ich sollte vermutlich mal arbeiten", postete sie mal im Internet. Und dachte offen darüber nach, ihre Zeit "konstruktiv zu nutzen", um endlich ihr "Leben zu bereichern".

Ein Leben ohne Arbeit, ohne Sinn, ohne Ziel

Der Reichtum der beiden Erben schien wie ein schwerer Druck auf dem Ehepaar zu lasten. Sie gaben viel Geld für wohltätige Organisationen aus - auch für Drogenprojekte. Wirklich erfüllen konnte es sie wohl nicht. Der 49-jährige Hans Kristian Rausing soll orientierungslos und ohne Bestimmung durchs Leben geschlittert sein und stets darunter gelitten haben, im Schatten des tatkräftigen, aus Schweden stammenden Vaters und Großvaters aufgewachsen zu sein. Die beiden Schwestern des schwerreichen Erben haben sich als bedeutende Philanthropen einen Namen gemacht. Doch Hans Kristian, der nicht am operativen Geschäft seiner Familie beteiligt war, hat es nie geschafft, Karriere zu machen. Zumindest finanziell hatte er es auch nicht nötig. Das Vermögen der Tetra-Pak-Dynastie wird laut "Sunday Times" auf 5,4 Milliarden Euro geschätzt.

Bereits 2008 wurde das milliardenschwere Paar verwarnt, nachdem Eva Rausing versucht hatte, Crack und Kokain auf eine Party in der US-Botschaft zu schmuggeln und die Polizei Drogen in dem Anwesen am Cadogan Place gefunden hatte. Doch offenbar kam der Warnschuss zu spät. Die Rausings schafften es längst nicht mehr, sich alleine aus ihrer Sucht zu befreien. Etliche Reha-Aufenthalte halfen nicht. Sobald die Rausings wieder sich selbst überlassen waren, wussten sie scheinbar nichts mit sich anzufangen - außer sich in Drogenwelten zu flüchten.

"Jeder wusste, dass es eines Tages passieren würde"

Bis vor ein paar Jahren soll sich das Paar Rausing noch gerne auf Londoner Schickeria-Events gezeigt haben. In letzter Zeit ging das Paar, dessen vier Kinder im Teenageralter auf ein Internat gingen, jedoch kaum noch aus dem Haus. Wie die britische "Daily Mail" von einem Freund des Paares erfahren haben will, lebte es in den vergangenen Jahren zunehmend zurückgezogen. Die meisten Zimmer des riesigen 15-Millionen-Pfund-Herrenhaus am Cadogan Place sollen unbewohnt gewesen sein. Das mondäne Anwesen mit den weiß getünchten Säulen im Eingangsbereich dürfte damit die perfekte Fassade eines Lebens gewesen sein, das vor langer Zeit zerbrochen war. Nur zwei Zimmer soll das Paar zuletzt in der sechsstöckigen weitläufigen Villa bewohnt haben, die seit 13 Jahren im Besitz der Familie ist. Und die Zimmer sollen sich in einem ärmlichen und chaotischen Zustand befunden haben. Der Freund spricht gar von einem "Drogen-Loch", in dem das Paar gehaust hatte.

"Sie konnten sich weder um sich selbst noch um ihr Haus kümmern", verrät der Freund. "Es ist sehr traurig". Immer wieder soll die Mutter versucht haben, von den Drogen loszukommen. Doch der Missbrauch hatte Spuren an der wohlhabenden Frau hinterlassen. Eine andere Freundin, die mit der Familie seit 15 Jahren in Kontakt steht, berichtete der Zeitung, dass Rausing seit längerer Zeit auf einen Herzschrittmacher angewiesen sein soll. Ihr Tod soll nur eine Frage der Zeit gewesen sein. "Jeder wusste, dass es eines Tages passieren würde", sagt die Freundin.

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