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Tuğçe-Prozess: Freund des Angeklagten: "Ich wäre auch ausgerastet"

Ein Zeuge berichtet in seiner Aussage von Tuğçes Beleidigungen. "Komm doch her, du kleiner Hurensohn", soll sie gesagt haben. Er habe Sanel M. zurückhalten wollen, verstehe aber auch dessen Zorn.

Sanel M. (links) versteckt sein Gesicht vor Gericht. Zurzeit sagen seine Freunde als Zeugen aus.

Sanel M. (links) versteckt sein Gesicht vor Gericht. Zurzeit sagen seine Freunde als Zeugen aus.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin Tuğçe Albayrak hat ein Freund des Angeklagten ausgesagt, die 22-Jährige habe ihren Angreifer kurz vor dem Schlag beleidigt. Sie sei auf dem Parkplatz in Offenbach zwei, drei Meter weit schnell auf Sanel M. zugelaufen, sagte der 18 Jahre alte Zeuge vor dem Landgericht Darmstadt. Außerdem habe sie Sanel M. mit den Worten provoziert: "Komm doch her, Du kleiner Hurensohn".

Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung zeigte der Zeuge Verständnis für die Reaktion seines Kumpels - und holte etwas weiter aus: "Seine Mutter hatte vor ein paar Jahren Probleme. Seither lässt er nichts mehr über sie sagen. Wenn jemand über sie redet, tut es ihm mehr weh, als wenn über ihn geredet wird. Und ganz ehrlich: Bei den Beleidigungen wäre ich auch ausgerastet", sagte er dem Bericht zufolge.

Der 18 Jahre alte Sanel M. habe Tuğçe daraufhin mit der rechten Hand auf die linke Kopfseite geschlagen. Tuğçe sei direkt umgefallen. Er habe angenommen, sie sei ohnmächtig. "Ich habe nicht gedacht, dass es eine so schwere Kopfverletzung ist", sagte der Schüler vor Gericht. "Es war ein Schlag mit der flachen Hand, da konnte nicht viel passiert sein."

Es sei ihm zunächst gelungen, seinen Freund, der "ordentlich getrunken" habe, ein paar Mal zurückzuhalten, sagte der Zeuge. Sanel M. ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Am vierten Verhandlungstag sollten noch drei andere Freunde des Angeklagten gehört werden.

tim/DPA / DPA