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Turkish-Airlines-Absturz: Drei Crewmitglieder unter den Toten

Am Amsterdamer Flughafen Schiphol ist ein Flugzeug der Turkish Airlines in der Nähe der Landebahn abgestürzt und in mehrere Teile zerbrochen. An Bord der Maschine waren 134 Menschen. Das Unglück forderte neun Todesopfer, darunter auch drei Mitglieder der Besatzung. Der inzwischen gefundene Flugschreiber soll nun Auskunft über die Ursache des Absturzes bringen.

Bei dem Absturz einer türkischen Passagiermaschine in den Niederlanden sind am Mittwoch nach offiziellen Angaben neun Menschen getötet worden. "Mindestens neun Menschen haben das Unglück nicht überlebt", teilte der zuständige Bürgermeister der Flughafengemeinde Haarlemmermeer, Michel Bezuijen, mit. 86 der insgesamt 134 Menschen an Bord seien verletzt worden, wird später ergänzt. Sechs von ihnen lebensbedrohlich, 25 wurden als schwer verletzt, aber außer Lebensgefahr bezeichnet. An Bord der Maschine waren 127 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder. Die Maschine war neben der Landebahn in ein Feld gestürzt und in drei Teile zerbrochen. Die Triebwerke lagen etwa hundert Meter vom Wrack entfernt.

Die Rettungskräfte seien "sehr schnell bei der Unglücksmaschine" gewesen, die um 10.31 Uhr auf einen Acker in der Gemeinde Haarlemmermeer stürzte, sagte der Bürgermeister. Der gesamte Flugverkehr sei gestoppt worden. Viele Flugzeuge hätten am Himmel kreisen müssen, inzwischen aber sicher landen können. Die Autobahn A9 und andere Straßen seien im Umfeld des Absturzstelle gesperrt worden.

Am Nachmittag wurde bekannt, dass sich unter den Toten auch drei Mitglieder der Besatzung befinden. Dass auch die Piloten unter ihnen sind, bestätigten die niederländischen Behörden zunächst nicht. Die toten Besatzungsmitglieder seien zunächst noch zur weiteren Aufklärung der Unglücksursache an Bord gelassen worden, teilte ein Sprecher der Rettungsdienste bei einer Pressekonferenz lediglich mit.

Türkei bestätigt: drei Piloten tot

Aus der Türkei kam am Abend dann die Bestätigung: Der Kapitän der Maschine, sein Kopilot und ein Pilot in der Ausbildung hätten das Unglück nicht überlebt, sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara. I

Den ganzen Tag wurde von allen Seiten heftig über die Unglücksursache spekuliert: Von Vogelschlag wie beim Airbus auf dem Hudson River im Januar war in Medien die Rede. Aber auch davon, dass der Boeing der Treibstoff ausgegangen sein könnte, schließlich habe sie ja nicht gebrannt - ein Grund immerhin dafür, dass sich doch so viele Menschen retten konnten.

Inzwischen sind die Datenschreiber der Unglücksmaschine geborgen worden. Die Black Box werde zur Auswertung nach Paris geschickt, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Fred Sanders.

In Schilderungen von Passagieren ist die Rede davon, dass die Boeing 737-800 kurz vor der Landung fast wie ein Stein vom Himmel gefallen sein. Und zwar ohne dass es vorher Hinweise auf Schwierigkeiten gab. "Wir gingen plötzlich in den freien Fall über", sagt Mustafa Atman Reportern.

Der Kapitän habe noch über Lautsprecher auf die bevorstehende Landung hingewiesen, berichten Mustafa Bahcecioglu und andere Überlebende. Minuten später sei die Maschine plötzlich abgesackt. "Es gab Turbulenzen und nach nur einem Moment sind wir auf dem Boden aufgeprallt", sagt Huseyin Sümer am Telefon. "Das Flugzeug ist in drei Stücke zerbrochen. Ich fand eine Stelle, an der ich herausspringen konnte." Ein anderer Überlebender sagte: "Es gab so etwas wie ein Luftloch. Die Maschine geriet außer Kontrolle. Alles passierte in Sekunden."

Vorschnelle Meldungen aus der Türkei

Der türkische Verkehrsminister Binali Yildirim und die Fluggesellschaft Turkish Airlines (THY) hatten in Istanbul zunächst mitgeteilt, es gebe keine Toten, aber mehrere Verletzte. Während einer Pressekonferenz fuhr THY-Chef Candan Karlitekin einem Journalisten in die Parade, der von einem "Absturz" sprach. Die Maschine sei 500 Meter vor der Landebahn auf einem Feld "gelandet". Nur das Heck sei beschädigt, im vorderen Teil des Flugzeuges sei alles in Ordnung. Ausdrücklich lobte er den Flugzeugführer.

Die Bilder, die da bereits um die Welt gehen, sprechen eine andere Sprache. So ist es kaum verwunderlich, dass Fragen nach der Vertrauenswürdigkeit der betroffenen Airline gestellt werden. Der Ex-Pilot Gündüz Akarcay jedenfalls widerspricht den Angaben von Turkish Airlines. Es habe sich fast mit Sicherheit um einen Fehler des Piloten gehandelt, sagt er im türkischen Fernsehen. Weil das Heck zuerst aufgeschlagen sei, war die Maschine offenbar nicht schnell genug und habe dann nicht mehr genug Auftrieb gehabt.

Unglücksmaschine sei regelmäßig gewartet worden

Die Unglücksstelle liegt mehrere hundert Meter von der Landebahn entfernt auf einem Feld in der Nähe von Wohnhäusern. Nach Angaben des türkischen Verkehrsministeriums wurde das Flugzeug 2003 gebaut. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Turkish Airlines, Candan Karlitekin, sagte zum Unglückszeitpunkt sei die Sicht gut gewesen. Eine erste Durchsicht der Unterlagen habe ergeben, dass die Maschine ordnungemäß gewartet worden sei. Vorstandsvorsitzender Temel Kotil sagte, der Pilot Hasan Tahsin habe über viel Erfahrung verfügt.

Die Maschine mit der Flugnummer TK 1951 war am Morgen kurz nach 8 Uhr in Istanbul gestartet und sollte um 10.40 Uhr in Amsterdam landen. Laut Anzeige am Flughafen und im Internet sollte sie neun Minuten früher eintreffen.

Turkish Airlines hat eine Hotline eingerichtet, die von außerhalb der Türkei unter +90 - 212 - 463 63 63 - 4312 zu erreichen ist. Weitere Informationen gibt es auch auf der Internetseite der Fluglinie. Allerdings ist Webseite zeitweise schlecht zu erreichen.

DPA/AP/web / AP / DPA