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Umfrage unter Franzosen: Deutsche sind streng und diszipliniert

Ernst, streng, fleißig - diese Attribute fallen Franzosen ein, wenn sie an Deutsche denken. Ansonsten ist das Deutschlandbild unserer Nachbarn wenig schmeichelhaft: Deutsche werden als Rivalen wahrgenommen und sind eher Partner als Freunde, ergab eine Umfrage.

Für die Franzosen ist der Nachbar Deutschland wie Angela Merkel. Fleißig, ernst, diszipliniert bei der Arbeit und rechtschaffen seien die Nachbarn im Osten, ergab eine Studie zum Deutschlandbild der Franzosen. Der Bundeskanzlerin bescheinigt die am Montag in Paris vorgestellte repräsentative Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstituts IFOP (Institut français d'opinion publique) einen Symbolcharakter.

"Angesichts der hohen Anzahl der Nennungen von Angela Merkel scheint sie diese Werte gut zu verkörpern", schreiben die Autoren. Auf die Frage nach einem spontanen Gedanken beim Wort Deutschland nannten die Befragten den Namen "Merkel" am zweithäufigsten. Auf Platz eins standen die Begriffe "ernst" und "streng". Abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landeten Wörter wie "Krieg" und "Hitler", aber auch "Europa", "Verbündeter", "Freund", "Bier" oder "Sauerkraut".

Bei allen Meinungsverschiedenheiten in der EU-Politik werten die Befragten die deutsch-französische Partnerschaft als solide. Allerdings stuft eine große Mehrheit der Franzosen ihre Entwicklung als "eher positiv" und nicht als "sehr positiv" ein. Das Ereignis der jüngeren Geschichte, das ihr Deutschlandbild am meisten prägt, ist der Fall der Mauer. Die Kriegszeit spielt lediglich bei der älteren Generation noch eine Rolle. Ängste löse bei vielen Franzosen die Frage aus, wie sich das Modell der traditionell starken französischen Sozialversicherung mit den sozialen Einschnitten in Deutschland zugunsten der aufstrebenden Wirtschaft vereinbaren lässt.

"Partnerschaft" statt "Freundschaft"

Eine klare Mehrheit spricht sich für eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit und Harmonisierung der Arbeits- und Steuersysteme beider Länder aus. Gemeinsamkeiten in Kultur und Werten sehen gerade einmal drei Prozent der Befragten. Ungeachtet der Differenzen überwiege aber bei den Franzosen der Wunsch, gemeinsam mit den Deutschen als wichtigster Pfeiler der Europäischen Union Akzente zu setzen.

Auf die Frage, welcher Begriff die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich charakterisiere, sagten die Befragten am häufigsten "Partnerschaft". Diese Antwort legte im Vergleich zu einer früheren Umfrage aus dem Jahr 2003 um beachtliche zehn Prozentpunkte zu - "Freundschaft" sank im gleichen Maße. Abgenommen hat aber offenbar auch das Vertrauen in die Deutschen: Während 2003 noch 35 Prozent von Vertrauen sprachen, nannten den Begriff jetzt nur noch 19 Prozent.

Öfter taucht unter den Antworten der Begriff "Rivalität" auf - dem wirtschaftlich stärkeren Deutschland bescheinigt man an der Seine wachsenden internationalen Einfluss. Positiv in diesem Zusammenhang: Der Anteil der Franzosen, die den Deutschen misstrauen, ist ebenfalls deutlich gesunken. Immerhin rund zwei Drittel der Befragten war mindestens einmal im Nachbarland zu Gast - die meisten davon als Touristen. Ein Viertel der befragten Franzosen gab an, Deutsch sprechen zu können.

Die repräsentative Umfrage unter 1005 Befragten hatte die Deutsche Botschaft in Paris bestellt. Der Hintergrund ist der 50. Jahrestag der deutsch-französischen Elysée-Verträge am 22. Januar 2013.

mlr/DPA / DPA
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