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UN-Tribunal gegen Ratko Mladic in Den Haag "Nein, nein, ich höre nicht zu!"


Die Verhandlung gegen den "Schlächter vom Balkan" vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag setzt sich fort. Ex-General Ratko Mladic will von den Vorwürfen gegen ihn nichts wissen. Vor Gericht erschien er dennoch. Lange blieb er allerdings nicht.

8000 Menschen sollen bei dem Massaker von Srebrenica von seinen Truppen massakriert worden sein. Und laut Anklageschrift war dies nicht der einzige Ort, an dem Ex-General Ratko Mladic während des Bosnien-Krieges Tod und Verwüstung hinterlassen hat. Elf Anklagepunkte zählt die 37 Seiten lange Schrift.

Doch Ratko Mladic will von alledem nichts wissen. Als der Richter zur zweiten Anhörung von Mladic am Internationalen Gerichtshof in Den Haag die Anklageschrift vorträgt, stört dieser ihn mit Zwischenrufen. "Nein, nein, ich höre nicht zu", ruft der Angeklagte. Der Vorsitzende Richter, der Niederländer Alphons Orie, verweist den 69-Jährigen nach ständigen Unterbrechungen des Saales.

Mladic sollte zu seiner zweiten Anhörung erklären, ob er sich schuldig oder nicht schuldig bekennt. Doch bereits zum Verhandlungsauftakt verlangte Mladic von dem Gericht eine Verschiebung des Termins sowie die Erlaubnis, den Gerichtssaal zu verlassen. Beide Anträge wurden vom Vorsitzenden Richter abgewiesen.

Der "Schlächter" verweigert sich

Mit diesem Verhalten setzt Mladic seine Verweigerungstaktik fort. Bereits bei seinem ersten Erscheinen vor dem Haager Gerichtshof am 3. Juni hatte sich der Angeklagte geweigert, eine Stellungnahme zur Anklage abzugeben. Sollte er weiterhin keine Angaben dazu machen, wie er plädiert, können die Richter nach den Verfahrensregeln für den Angeklagten ein Plädoyer auf unschuldig festlegen.

Ein Belgrader Anwalt von Mladic hatte am Sonntag erklärt, der Angeklagte werde nicht vor dem Tribunal erscheinen. Er wolle so dagegen protestieren, dass das von ihm gewünschte Verteidigerteam bislang nicht vom Gericht bestätigt wurde. Das Tribunal hatte dafür organisatorische Gründe angegeben. Mladic habe seine Wunsch-Anwälte erst kurz zuvor namentlich benannt. Die Prüfung, ob sie zugelassen werden könnten, laufe noch.

liri/DPA DPA

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