Unfall Zug zerfetzt deutschen Reisebus


Beim Zusammenstoß eines deutschen Reisebusses mit einem Zug in Ungarn sind am Donnerstag mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen.

Tödliches Ende einer Urlaubsfahrt: Beim Zusammenstoß eines deutschen Reisebusses mit einem Zug in Ungarn sind am Donnerstag mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen. Der Bus musste auf einem unbeschrankten Bahnübergang nahe Siófok am Plattensee wegen einer Verkehrsbehinderung stoppen und wurde von einem heranrasenden Zug zerfetzt. Rund 50 Menschen wurden verletzt, 5 davon schwer. Die Toten stammen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Noch Stunden nach dem Unglück konnten sie nicht identifiziert werden. Der ungarische Ministerpräsident Peter Medgyessy zeigte sich geschockt und sprach Bundeskanzler Gerhard Schröder sein Beileid aus.

Ungeklärte Schuldfrage

Der vom Reiseveranstalter Maxim aus dem niedersächsischen Emstek bei Cloppenburg gecharterte Bus fuhr nahe dem Fremdenverkehrsort Siófok nach Augenzeugenberichten bei Grün auf die Gleise. Wegen eines Staus musste der Fahrer stoppen, als die Ampel auf Rot schaltete, berichtete ein Reporter der ungarischen Nachrichtenagentur Havaria- Press vor Ort der dpa. Die Ungarische Eisenbahngesellschaft MAV erklärte dagegen, der Busfahrer habe am Bahnübergang die rote Ampel missachtet. Der Zug raste nach Angaben der Nachrichtenagentur MTI mit schätzungsweise 100 Stundenkilometern heran, konnte nicht mehr bremsen und rammte den Bus. Der Bus fing Feuer, wurde in in zwei Teile zerrissen und rund 150 Meter weit mitgeschleift.

"Es ist ein trauriges Bild"

Helfern boten sich Szenen des Schreckens. Einsatzkräfte bargen noch Stunden nach dem Unglück die Leichen und reihten sie auf der Erde auf. "Es ist ein trauriges Bild", sagte ein Augenzeuge. Dutzende Helfer, Hubschrauber und mehr als 30 Fahrzeuge der Feuerwehr waren am Unglücksort im Einsatz. Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht, drei der Opfer starben noch im Krankenwagen. Mehrere Mitglieder der ungarischen Regierung und der deutsche Botschafter Wilfried Gruber reisten zum Unglücksort, die Behörden bereiteten sich auf die Ankunft deutscher Angehöriger vor. Der ungarische Luftwaffenstützpunkt Taszar in den Nähe des Unglücksorts will nach Angaben von MTI möglicherweise aus Deutschland kommenden Flugzeugen Landeerlaubnis erteilen.

Nur fünf Überlebende?

Die meisten Opfer kommen aus Schleswig-Holstein, einige auch aus Niedersachsen. Der Reiseveranstalter Maxim hatte den Bus nach Informationen aus Polizeikreisen in Löhne bei Herford in Nordrhein- Westfalen von "Ursel-Reisen" gemietet. Bei allen 32 Toten handelte es sich um Insassen des Busses, in dem nach MTI-Angaben 37 Passagiere saßen. Im Zug erlitt unter anderem der Lokführer Verletzungen. "Die Identifizierung der Leichen ist sehr schwierig", sagte ein Polizeisprecher in Hannover. Die deutschen Behörden warteten auf eine Liste der Opfer, um die Angehörigen zu benachrichtigen. Im Unternehmen Maxim kümmern sich psychologisch geschulte Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) telefonisch um Angehörige.

Krisenstab der deutschen Botschaft

Die deutsche Botschaft in Budapest richtete sofort einen Krisenstab ein. Botschafter Wilfried Gruber sei mit zwei Mitarbeitern auf dem Weg zu der Unglücksstelle, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Es werde ständig Kontakt zu den ungarischen Behörden und dem Lagezentrum des Auswärtigen Amts in Berlin gehalten. Ungarns Staatspräsident Ferenc Madl schickte ein Beileidstelegramm an Bundespräsident Johannes Rau. Als erstes Regierungsmitglied fuhr die ungarische Sozial- und Gesundheitsministerin Judith Csehak zum Unfallort.

Risiko Bahnübergang

Ministerpräsident Medgyessy sprach sich für sicherere Bahnübergänge aus. In Ungarn gibt es 1.479 Bahnübergänge ohne mechanische Schranke. Die Regierung plant, davon 250 mit Schranken zu versehen und somit sicherer zu machen, sagte Gabor Szalay, Staatssekretär im Wirtschafts- und Verkehrsministerium in Budapest, nach Angaben von MTI.

Bereits 1980 war in Siófok auf einem unbeschrankten Bahnübergang ein Bus von einer rangierenden Lokomotive gerammt worden. 19 Menschen kamen ums Leben. Am 26. September 1992 starben 16 meist ältere Urlauber aus Bayern, als ihr Bus auf einem Bahnübergang in Agard bei Budapest von einer 80 Tonnen schweren Lok zerquetscht wurde.

Der Plattensee in Ungarn ist seit vielen Jahren ein beliebtes Urlaubsziel und zieht jährlich Hunderttausende von Touristen, darunter viele Deutsche, an. Mit einer Oberfläche von fast 600 Quadratkilometern ist der Plattensee einer der größten Binnenseen Europas. Siófok liegt an seinem Südufer. Das Auswärtige Amt hat eine Hotline für die Angehörigen der Opfer des Busunglücks eingerichtet. Die Telefonnummer lautet: 030 - 5000 - 1000.

DPA

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