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Video Dammbruch-Katastrophe wird in München verhandelt

Seit Dienstag wird am Münchner Landgericht über eine Katastrophe mit 270 Todesopfern verhandelt. Ereignet hatte sie sich im Januar 2019 in Brasilien, wo sich eine giftige Schlammlawine aus einem gebrochenen Damm des Eisenerz-Riesen Vale über die Kleinstadt Brumadinho ergoss und dem Erdboden gleichmachte. Nun fordern Angehörige eines der zahlreichen Todesopfer Schadenersatz vom Münchner Prüfkonzern TÜV Süd. Die Begründung: Ihr Tochter-Unternehmen in Brasilien habe nur vier Monate vor der Katastrophe bestätigt, dass der aufgeweichte Damm sicher sei. Der Minenbetrieb sei wegen falschen Einschätzung fortgeführt worden, weswegen der Damm schließlich gebrochen sei, so die zuständige Anwaltskanzlei. Es handle sich um eine abscheuliche Kombination aus Unternehmenskorruption und vorsätzlicher Fahrlässigkeit. Der TÜV Süd sieht sich zu Unrecht verklagt. Pressesprecher Thomas Oberst sagte am Dienstag: "Die Ursachen für den Dammbruch sind bis heute ungeklärt. Es gibt eine ganze Reihe von Untersuchungen, auch Untersuchungsberichten, mit Ergebnissen, die sich zum Teil auch widersprechen. Wir sind davon überzeugt, dass TÜV-Süd keine rechtliche Verantwortung trägt und dass die Stabilitätserklärung nach den geltenden brasilianischen Gesetzen, Regelungen und technischen Standards erstellt wurden." Die Anwälte haben die Klage in München eingereicht, weil sie die Justiz in Brasilien für langsam und ineffizient halten. Außerdem können sie von einem Milliardenkonzern wie der TÜV Süd AG wohl mehr Geld erwarten als von einer winzigen Tochterfirma in Brasilien. Zunächst muss jedoch geklärt werden, ob der TÜV Süd der richtige Beklagte ist, und nach welcher Rechtsordnung verhandelt wird. Der Bürgermeister der betroffenen Kleinstadt Brumadinho erklärte zum Auftakt des Prozesses, dass die Stadt seit zwei Jahren versuche, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen und sich von dem Verfahren in Deutschland Gerechtigkeit für ihre Einwohner erhoffe.
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2019 starben 270 Menschen weil sich eine giftige Schlammlawine über eine Kleinstadt ergoss. Hinterbliebene klagen nun gegen die TÜV Süd wegen "fahrlässiger" Wartung.

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