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Volkstum: Die Bedeutung der Walpurgisnacht

Die Volksfeste am Brocken lassen heutzutage kaum noch die Furcht erahnen, die einst die wilden Fantasien über den Hexensabbat auf dem Blocksberg verbreiteten.

Die Volksfeste am Brocken lassen heutzutage kaum noch die Furcht erahnen, die einst die wilden Fantasien über den Hexensabbat auf dem Blocksberg verbreiteten. Am Freitag tummeln sich wieder Tausende zur Walpurgisnacht in Schierke und anderen Orten rund um den größten Berg im Harz. Die Tradition wird jetzt 101 Jahre alt, unterbrochen durch die DDR-Jahre, in denen der Brocken als Horchposten gesperrt war.

Goethe machte sie bekannt

Es war Goethe, der dem Massiv zu Weltruhm verhalf: "Die Hexen nach dem Blocksberg ziehn, die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün. Zum Brocken zieht der wilde Hauf, Herr Urian sitzt obenauf", dichtete der Klassiker im "Faust".

Lange bevor man von der Walpurgisnacht sprach, ging bereits die Sage von den Hexen um, die auf Besen tanzen und auf Katzen oder Ziegenböcken zum Hexensabbat auf den Blocksberg reiten, um mit dem Teufel zu tanzen. Man glaubte, in der Nacht zum 1. Mai seien alle Zaubermächte losgebunden, man könne Menschen verwandeln, Pflanzen am Wachsen hindern und Wasser in Wein verzaubern. Nach den langen Wintern feierten die Menschen aber auch einfach den Sommeranfang.

In ländlichen Gebieten wurde alles, was nicht aufgeräumt oder eingeschlossen ist, weggeschleppt. Ausgehängte Gartentore, Leitern, Wagen oder Landmaschinen findet der Besitzer oft erst nach längerem Suchen wieder. Wenn in der Gemeinde heimliche Liebschaften bekannt sind, wird mancherorts zwischen den betreffenden Häusern eine Spur mit Kalk oder Sägespänen gezogen.

Früher war Musterung

Volkskundler erklären diesen Spaß damit, dass seit dem 8. Jahrhundert am 1. Mai die Musterung der Wehrfähigen stattfand und deswegen erlaubt war, vor dem Eintritt in den Militärdienst noch einmal ausgiebig Streiche zu spielen.

Um die heidnischen Bräuche zu überwinden, widmete die katholische Kirche den Tag der heiligen Walburga, die unter anderem als Schützerin von Wöchnerinnen vor Hexen galt. Die Benediktinerin wurde um 710 im angelsächischen Wessex geboren und betätigte sich wie ihr Verwandter Bonifatius als Missionarin: 761 wurde sie Äbtissin des Klosters Heidenheim.

AP / AP / DPA
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