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Kontroverser Roman "Unterwerfung": Michel Houellebecq stoppt Werbung für sein neues Buch

"Charlie Hebdo" hatte seine Titelseite mit dem neuen Skandal-Roman von Michel Houellebecq aufgemacht. Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin zeigt sich der Autor tief betroffen.

Der französische Autor Michel Houellebecq brachte gerade den islamkritischen Roman "Soumission" (dt. Unterwerfung) heraus

Der französische Autor Michel Houellebecq brachte gerade den islamkritischen Roman "Soumission" (dt. Unterwerfung) heraus

Der französische Skandal-Autor Michel Houellebecq setzt wegen des Anschlags auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" die Werbemaßnahmen für sein neues Buch aus. Er ziehe sich vorübergehend zurück, weil er um seinen getöteten Freund Bernard Maris trauere, teilte der Agent des 56-Jährigen mit. Der bekannte Wirtschaftsjournalist Maris war wie elf weitere Menschen bei dem Attentat am Mittwoch in Paris erschossen worden.

Michel Houellebecqs islamkritisches Buch "Soumission" (dt. "Unterwerfung") wurde am Mittwoch in Frankreich veröffentlicht

Michel Houellebecqs islamkritisches Buch "Soumission" (dt. "Unterwerfung") wurde am Mittwoch in Frankreich veröffentlicht

Nach Angaben seines Verlags sprach Houellebecq vor seiner Abreise aus Paris mit dem französischen Privatsender Canal+. Das Interview, in dem sich der Autor über sein Buch und das Attentat äußert, soll am Freitag ausgestrahlt werden.

Houellebecq hatte in den vergangenen Tagen die Werbetrommel für seinen neuen Roman "Soumission" ("Unterwerfung") gerührt. Darin entwirft Houellebecq ein Bild von Frankreich im Jahr 2022, in dem ein muslimischer Präsident die Macht übernommen hat. Das Buch, das am Mittwoch in Frankreich veröffentlicht wurde und nächste Woche in Deutschland in die Buchläden kommt, löste eine heftige politische Kontroverse aus. "Charlie Hebdo" hatte mit dem Houellebecq-Buch seine Titelseite aufgemacht.

Houellebecq ist Frankreichs "böser Bube"

Huoellebecq wurde am 26. Februar 1958 (nach anderen Quellen: 1956) als Michel Thomas auf der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean geboren. Seine Großmutter zog ihn auf, er nahm ihren Namen als Pseudonym an. 1980 bekam er sein Diplom als Agraringenieur und arbeitete als Informatiker. Wegen Depressionen suchte Houellebecq mehrmals psychiatrische Kliniken auf. Ab Anfang der 90er Jahre widmete er sich dem Schreiben.

Sterbehilfe, Genforschung, Sextourismus und Islamisierung des Abendlandes - Michel Houellebecq trifft in seinen Büchern den Nerv der Zeit. Politische Korrektheit ist für den Autor ein Fremdwort. Mit seinen provokanten Thesen gilt er als Frankreichs "enfant terrible".

In "Plattform" etwa schockierte er Feministinnen und Gegner der Prostitution. In dem 2001 veröffentlichten Roman schickte er seinen sexuell frustrierten Protagonisten nach Thailand und feierte den Sextourismus. Dafür, dass das Buch mit einem Anschlag von islamischen Fundamentalisten auf ein Feriendorf endet, erkoren einige Literaturkritiker ihn zum Visionär.

Denn kurz nach der Veröffentlichung verübten Terroristen am 11. September 2001 Anschläge auf das World Trade Center in New York, ein Jahr später auf Bali-Urlauber. Seinen Ruf als Islamfeind verfestigte Houellebecq in einem Interview, in dem er den Islam als die "dümmste" unter den Religionen bezeichnete.

kis/AFP/DPA / DPA
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