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Nach Anschlägen in Paris: Houellebecq pöbelt gegen Frankreichs Politiker

Präsident Hollande ein "unbedeutender Opportunist", Premier Manuel Valls ein "Geistesschwacher": Der umstrittene Bestsellerautor Michel Houellebecq pöbelt in einem Gastkommentar gegen Frankreichs Politiker.

Bestsellerautor Michel Houellebecq

Bestsellerautor Michel Houellebecq ist aufgrund seiner provokanten Äußerungen und Romane nicht unumstritten

Nach den Anschlägen von Paris wurden schnell auch Stimmen laut, die Frankreichs Regierung und Geheimdiensten vorwarfen, im Vorfeld der terroristischen Attentate versagt zu haben. Der aufgrund provokanter Äußerungen umstrittene Bestsellerautor Michel Houellebecq übt in einem Gastkommentar, der am Donnerstag zunächst in der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" und einen Tag später auch in der "New York Times" erschienen ist, ebenfalls harsche Kritik an Frankreichs Regierung.

Zu Beginn seines Beitrags, der in Italien unter dem Titel "Ich beschuldige Hollande und verteidige die Franzosen" veröffentlicht und in den USA mit "Wie Frankreich seine Bürger im Stich ließ" betitelt wurde, beschreibt Houellebecq zunächst, wie er sich der Berichterstattung über die Pariser Anschläge bewusst entzog. "Nach dem 7. Januar und dem Attentat auf 'Charlie Hebdo' hing ich zwei Tage wie gelähmt vor dem Fernseher. Nach den Attentaten vom 13. November habe ich den Fernseher nicht mal mehr eingeschaltet", schreibt Houellebecq. Stattdessen habe er sich darauf beschränkt, Bekannte anzurufen, die in direkter Nachbarschaft der Anschlagsorte leben. "Man gewöhnt sich an Terroranschläge", beendet er den Absatz.

"Sträflich versagt, die Bevölkerung zu beschützen"

Auch 1986 habe sich Paris nach einer Serie von Bombenattentaten der libanesischen Hisbollah schnell an ein erhöhtes Anschlagsrisiko gewöhnt, erinnert sich der Autor. "Kein menschlicher Antrieb, nicht mal die Angst, ist so stark wie die Gewohnheit", resümiert er. Die Schuld an dieser Haltung gibt er den Politikern.

So hätten die Regierungen der letzten zehn bis dreißig Jahre allesamt "sträflich versagt, und zwar systematisch, die französische Bevölkerung zu schützen", befindet Houellebecq. Lediglich Ex-Premierminister Dominique de Villepin habe es 2003 im Fall des zweiten Irak-Kriegs vermocht, zu verhindern, "dass Frankreich einmal, dieses eine und einzige Mal in seiner jüngsten Geschichte, an einer kriminellen und überdies idiotischen Militärintervention teilnahm". 

Houellebecq nennt Hollande "unbedeutenden Opportunisten"

Unterschiede zwischen den Parteien macht Houellebecq in seiner Kritik keine. Vielmehr sieht er alle Entscheidungsträger verantwortlich, dass sich Frankreich in einer "fatalen Lage" befindet. Entsprechend negativ kommen Präsident Francois Hollande ("unbedeutender Opportunist") und Premierminister Manuel Valls ("Geistesschwacher") im Kommentar weg. Dass französische Volk sei, im Gegensatz zu einer verbreiteten Vorstellung, ganz zahm und leicht zu regieren. Gleichzeitig bestehe es aber eben nicht nur aus "kompletten Vollidioten", schreibt Houellebecq.

Doch während die Bevölkerung "die militärischen Abenteuer, in die sie ihre Regierungen hineingezogen haben, nie ohne Argwohn akzeptiert" habe, achte die Politik bewusst darauf, das Volk nicht zu befragen, so Houellebecq.

Auch deshalb täten sich zwischen beiden Seiten inzwischen Abgründe auf. Der einzige Ausweg aus dieser Situation sei es, sich "der einzigen Form echter Demokratie", der direkten Demokratie zuzuwenden, beendet Houellebecq seinen Kommentar.
 

mod