VG-Wort Pixel

Umweltverschmutzung "Ocean Cleanup" will mit Müllfänger jetzt auch Plastik aus Flüssen holen

Geboren aus der Idee eines 18-jährigen, ist die Vision eines gigantischer Wasserfilters nun Wirklichkeit geworden. Kürzlich hat die Firma Ocean Cleanup ein 120 Meter langes Stück ihres Filters in die Bucht von San Francisco geschleppt. Der Prototyp soll hier ein letztes Mal getestet werden, bevor das System den sogenannten "Great Pacific Garbage Patch" von Plastik befreien soll.
Der Filter besteht aus verschweißten Kunststoffrohren, an denen ein feines Netz drei Meter in die Tiefe hängt. Durch die U-Form sollen sich die Plastikteile in der Mitte konzentrieren und von einem Wartungsschiff abgeschöpft werden.
Die Idee dazu hatte er: Boyan Slat. 2012 stellte er seine Idee erstmalig vor, sammelte anschließend durch Crowdfunding 35 Millionen Dollar und gewann große Mäzenen für sein Projekt. Nun ist sein Plastikfänger nahezu fertig. Insgesamt will Ocean Cleanup 60 dieser Filter zu Wasser lassen, dann jedoch mit einer Länge von mindestens 600 Metern.

Viele Experten zweifeln jedoch an deren Nutzen, denn einen geschlossenen Müllteppich gebe es so nicht, wie die National Oceanic and Atmospheric Administration erklärt. Die größte Gefahr gehe vielmehr von sogenanntem Mikroplastik aus, weil sie in die Nahrungskette gelangen können. Doch genau diese winzigen Fragmente kann Slats Filter bislang nicht herausfischen.  
Mehr
Ein junger Niederländer will die Ozeane vom Plastikmüll befreien. Mit einer riesigen Fanganlage im Pazifik vermeldete sein Team kürzlich erste Erfolge. Nun soll das Problem an der Wurzel gepackt werden.

Der Großteil des Plastikmülls in den Meeren wird über Flüsse eingetragen. Mit einer neuentwickelten Abfangvorrichtung will die Organisation "The Ocean Cleanup" diesen Zustrom nun auf ein Minimum begrenzen. "Wir haben jetzt ein System, das Plastik in den Flüssen einfangen kann", sagte der Leiter der Organisation, der Niederländer Boyan Slat, am Samstagabend im Hafen von Rotterdam bei der Vorstellung des Müllfängers mit der Bezeichnung "Ocean Cleanup Interceptor".

Die 1000 größten Flüsse transportieren 80 Prozent des Plastikmülls

Den Leitgedanken für das neue System beschrieb der 25-jährige Öko-Unternehmer bei der aufwendig inszenierten und weltweit über Youtube gestreamten Präsentation so: 80 Prozent des Plastikmülls in den Weltmeeren würden über die rund 1000 größten Flüsse dorthin gelangen. Dieser Müllnachschub könne und müsse gestoppt werden. "Wir drehen diesen Hahn zu."

Nach vierjähriger Entwicklungszeit stünden die ersten vier "Interceptor"-Müllfänger bereit. Zwei sammelten bereits Plastikmüll in Flüssen in Indonesien und Malaysia ein, der dritte werde für den Einsatz im Mekongdelta in Vietnam und der vierte für einen Einsatz im Río Ozama in der Dominikanischen Republik vorbereitet. Geplant sind "Interceptor"-Einsätze vor allem in ärmeren Regionen der Erde, wo Millionen von Menschen an den Ufern großer Flüsse wohnen, ohne dass es dort eine ordentliche Müllentsorgung gibt.

Riesige Siebe, betrieben mit Sonnenenergie

Die mit Sonnenergie betriebenen Vorrichtungen erinnern an riesige Siebe in Form eines Katamarans, also eines Schiffes mit zwei Rümpfen. Der Abfall wird herausgefischt und über Laufbänder in Container transportiert. Online-Sensoren melden, wenn sie voll sind. Tiere können den Angaben zufolge leicht an den Müllfängern vorbeischwimmen. 

Jede einzelne dieser Vorrichtungen könne pro Tag etwa 50 000 Kilogramm Müll abfangen, was rund einer Million Plastikflaschen entspreche, erklärte Slat. Die Organisation hoffe, die Technik innerhalb von fünf Jahren auf 1000 Flüssen einsetzen zu können. "Wenn wir das schaffen, können wir unsere Ozeane wieder sauber bekommen."

"Der Weg zur Lösung des Problems führt flussaufwärts"

Völlig neu sei die "Interceptor"-Technologie allerdings nicht, hieß es nach der Präsentation im US-Technikmagazin "Wired". Ähnliche Müllfänger-Vorrichtungen seien bereits jahrelang im Hafen von Baltimore eingesetzt worden. "Wissenschaftler sagen schon seit Jahren, dass der richtige Weg zur Lösung dieses Problems flussaufwärts führt", zitierte "Wired" den Direktor der Kampagne "Healthy Harbor" (Gesunder Hafen) in Baltimore, Adam Lindquist. "Und Nachahmung ist die schönste Form des Kompliments." 

Anfang Oktober hatte "Ocean Cleanup" erste Erfolge mit einem Plastikmüllfänger im Pazifik gemeldet. Das dortige System treibe nach der Überwindung technischer Probleme nun Meeresmüll mit einem riesigen Fangarm zusammen. Vor rund einem Jahr war diese Anlage von San Francisco aus zum sogenannten Great Pacific Garbage Patch (etwa: Großer Pazifischer Müllteppich) geschleppt worden, der zwischen Kalifornien und Hawaii liegt. In diesem Strömungswirbel sollen sich nach Schätzungen von Wissenschaftlern 1,8 Billionen Plastikteile aufgestaut haben.

mis dpa

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker