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9/11-Anschläge Gedenken an getötete Kollegen: Ex-Flugbegleiter schiebt Trolley zu Fuß von Boston nach New York

Paul Veneto auf seinem Weg von Boston nach New York
Paul Veneto auf seinem Weg zum Ground Zero in New York
© Screenshot PauliesPush.com
Paul Venetos Kolleginnen und Kollegen starben in den Flugzeugen, die Terroristen für die Anschläge vom 11. September 2001 benutzten. 20 Jahre später ehrt der ehemalige Flugbegleiter sie mit einer besonderen Aktion.

Als Terroristen am 11. September 2001 zwei entführte Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers und eines ins Pentagon lenkten, und eine vierte Maschine in einem Waldgebiet in Pennsylvania abstürzte, starben fast 3000 Menschen. Unter ihnen waren auch die Besatzungen der Passagiermaschinen. Ein ehemaliger Kollege der Crew-Mitglieder erinnert jetzt angesichts des 20. Jahrestages der Anschläge mit einer ungewöhnlichen an die Opfer.

Paul "Paulie" Veneto schiebt einen Flugzeug-Getränkewagen zu Fuß vom Logan International Airport in Boston zum Ground Zero in New York. Von dem Flughafen aus war der United-Flug 175, der in den Südturm des World Trade Centers einschlug, am Morgen des 11. September 2001 losgeflogen. Mit der Aktion will der 62-Jähirge der getöteten Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen und Cockpit-Crews gedenken und Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln.

"Als ich herausfand, dass es Flug 175 war, wusste ich, dass ich sie kenne"

Veneto war früher selbst Flugbegleiter und ist mittlerweile im Ruhestand, wie US-Medien berichten. Boston war sein Heimatflughafen, doch am 11. September hatte er frei – und musste mit ansehen, wie der United-Flug und American-Airlines Flug-11 in die Hochhäuser rasten.

"Ich stand natürlich unter Schock. Als ich herausfand, dass es Flug 175 war, wusste ich, dass ich sie kenne", schilderte Veneto dem US-Sender CBS News den Tag. "Es war ein surreales Gefühl. Es war eine außerkörperliche Erfahrung, denke ich. Ich wusste, dass mein Leben von diesem Moment an nicht mehr dasselbe sein würde."

Veneto, der mit einigen der bei den Terroranschlägen ums Leben gekommenen Besatzungsmitglieder befreundet war, sagte, er habe seine verstorbenen Kollegen schon immer ehren wollen. Doch nach dem 11. September 2001 verfiel er der Drogensucht. Erst dieses Jahr habe er sich endlich gesund genug gefühlt, um die mehr als 200 Meilen nach New York City zu laufen. "Wenn ich den Wagen zum Ground Zero rolle, werde ich an diesem Tag sechs Jahre von den Opioiden weg sein", erzählte er CBS News.

Er habe etwas Großes machen wollen, damit die Familienangehörigen der Opfer seine Botschaft hören, berichtete Veneto, der sich Paulie nennt, dem Sender. Die Besatzungsmitglieder, die bei den Terroranschlägen ihr Leben verloren, würden manchmal übersehen. "20 Jahre lang sind deren Kinder zur Schule gegangen, und niemand ist zu ihnen gekommen und hat gesagt: 'Deine Mutter ist eine Heldin, oder dein Vater oder dein Bruder, wer auch immer ein Besatzungsmitglied war', niemand hat das je zu ihnen gesagt."

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Die Idee, einen Getränke-Trolley zu schieben, sei ihm einfach so gekommen. "Ich sage immer, ich bin nur ein Typ, der einen Wagen schiebt, das ist alles. Und damit habe ich kein Problem", erzählte er. "Ich schiebe den Wagen, und alle anderen wollen Fotos mit mir machen, und ich weiß, dass sie es mit ihren Familien und Freunden teilen .[..] Und das spricht sich im ganzen Land herum. Und wissen Sie was? Es erreicht die Familien dieser Besatzungsmitglieder, ich weiß es."

Wo Paulie sich derzeit befindet, könne man auf seiner Internetseite herausfinden. Dort kann man auch Spenden. Eine Hälfte des Geldes soll an Stiftungen zu Ehren der getöteten Crewmitglieder gehen, die andere an die Organisation Power Forward, die Menschen bei der Suchterholung hilft. Am Samstag, dem 11. September, will Paulie Ground Zero in New York erreichen.

Quellen: Paulie's PushCBS, "Washington Post"

mad

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