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Während Ausflug verschwunden "Wir haben unseren Augen nicht getraut": Förster berichtet, wie er Julia gefunden hat

Bayern, Furth im Wald: Einsatzkräfte mit einem Suchhund stehen auf einem Parkplatz an der deutsch-tschechischen Grenze
Bayern, Furth im Wald: Einsatzkräfte mit einem Suchhund stehen auf einem Parkplatz an der deutsch-tschechischen Grenze. Bei einer Wanderung am tschechischen Berg Cerchov war am Sonntag die achtjährige Julia aus Berlin verschwunden. 
© Armin Weigel / DPA
Es sollte ein schöner Wanderausflug werden, doch dann verschwindet die achtjährige Julia zwischen Bayern und Tschechien spurlos. Den Rettungskräften läuft die Zeit davon – bis ein Förster das Mädchen entdeckt.

Vielleicht haben sie ein Spiel gespielt. Sind in einen Streit geraten. Womöglich war es auch nur ein Moment der Unachtsamkeit. Aber am Sonntagnachmittag trennen sich ihre Wege – und die achtjährige Julia aus Berlin verschwindet spurlos.

Es sollte ein schöner Wanderausflug mit ihrer Familie im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet werden. Doch die Eltern verlieren das Mädchen, den sechsjährigen Bruder und einen neunjährigen Cousin unterhalb des Berges Cerchov aus den Augen. Sie rufen die Rettungskräfte. Diese finden zunächst nur den Bruder und den Cousin. Warum die Kinder sich getrennt haben? Dazu will die Polizei zunächst nichts sagen.

Es ist der Beginn eines Wettlaufs gegen die Zeit. Zwei Tage und zwei Nächte sind die Helfer im Einsatz. Bei eisigen Temperaturen, die sich nachts dem Gefrierpunkt nähern. Die Polizei geht von einer "lebensbedrohlichen und ernstzunehmenden Gefahr" für Julia aus. Noch am Dienstagmorgen heißt es, die Chancen des Mädchens würden von Stunde zu Stunde sinken.

Dann, gegen 13.35 Uhr, die erlösende Nachricht: Julia wurde gefunden.

Der tschechische Wildhüter Martin Semecký, 31, entdeckt die Achtjährige "sehr geschwächt" an einer Waldhütte. Sie habe in einem Gebüsch gehockt, auf sich aufmerksam gemacht, zitierte die "Bild"-Zeitung den Retter. "Ich habe ihre blonden Haare gesehen, Jacke und Schuhe erkannt. Ich habe 'Julia' gerufen. Als sie genickt hat, wusste ich: Wir haben das Kind." 

Aufatmen bei der Familie, bei den Rettungskräften. Der Moment markiert das Ende einer nervenaufreibenden Suche zwischen den Städten Waldmünchen, Furth im Wald und Domazlice. Gerade rechtzeitig, so scheint es.

"Als wir sie gesehen haben, haben wir unseren Augen nicht getraut" 

Julia sei "völlig erschöpft" gewesen, erläutert später ein Polizeisprecher. "Die Auffindeörtlichkeit lag in entgegengesetzter Richtung zum Ort ihres Verschwindens." Man gehe davon aus, dass die Achtjährige "immer wieder in Bewegung war und dabei mehrere Kilometer zu Fuß" im Wald zurücklegte.

Bis schließlich Förster Semecký auf sie trifft. In Absprache mit der Einsatzleitung habe er mit vier Kollegen einen Teil des Waldes durchkämmt, der noch nicht durchsucht worden war. "Als wir sie gesehen haben, haben wir unseren eigenen Augen nicht getraut", sagte er der tschechischen Zeitung "Denik". Wie er sich kurz nach dem Fund fühlte, beschrieb er der Zeitung "iDnes": "Ich bin wackelig auf den Beinen, meine Stimme zittert, aber ich bin glücklich", sagte er dem Blatt. "Es sind erstaunliche Neuigkeiten, auf die wir drei Tage gewartet haben."

"Das hat Trauma-Potenzial"

Rund 1400 Rettungskräfte aus Bayern und Tschechien haben nach Julia gesucht. Laut Polizeipräsidium Oberpfalz sind 115 Suchhunde, Polizeihubschrauber und Drohnen mit Wärmebildkameras im Einsatz gewesen. Neben der Polizei sind auch Feuerwehr, Bergwacht, Förster und Mitarbeiter des tschechischen Nationalparks Böhmischer Wald, die sich in dem Gebiet auskennen, an der Suche beteiligt. Aus dem südlichen Oberbayern ist sogar eine Alpine Einsatzgruppe der Polizei angereist.

Das Bayerische Rote Kreuz in Cham sprach auf Facebook gar von der größten grenzüberschreitenden Suchaktion, die in der Region je stattgefunden habe. "Dass es gelungen ist, das Kind zu finden, kommt einem Wunder gleich", heißt es dort.

Während Ausflug verschwunden : "Wir haben unseren Augen nicht getraut": Förster berichtet, wie er Julia gefunden hat

Ein Wunder zwar, aber vermutlich auch ein traumatisches Erlebnis für Julia: "Kinder sind in dem Alter abhängig von ihren Eltern", so der Psychologe Stefan Rücker im Gespräch mit n-tv. "Kinder die dann noch übernachten im Wald, ohne Schutz, ohne Kontaktperson, erleben hier sicherlich fundamental Einschneidendes. Und das ist etwas, das hat Trauma-Potenzial."

Doch: Julia lebt. Wo sie nun medizinisch betreut wird, wollten die Behörden unter Verweis auf die Privatsphäre nicht sagen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dankte nach dem Erfolg allen Helfern: "Wir haben alles mobilisiert, Bereitschaftspolizei, Hundestaffeln, Hubschrauber mit Wärmebildkameras, Drohnen und Suchtrupps der Alpinen Einsatzgruppe. Letztlich war es dann ein Quäntchen Glück, dass ein in die Suchaktion eingebundener tschechischer Förster das Mädchen gefunden hat."

Quellen:n-tv, RTL, "Bild", mit Material der Nachrichtenagentur DPA

fs

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