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Über den Zaun gereicht Baby ging am Flughafen Kabul verloren – und ist nun wieder bei seiner Familie

Kabul, Afghanistan: Ein US-Soldat bekommt während des Chaos am Flughafen ein Baby in die Arme gedrückt.
Kabul, Afghanistan: Ein US-Soldat bekommt während des Chaos am Flughafen ein Baby in die Arme gedrückt.
© Lance CPL. Nicholas Guevara / Picture Alliance
In Afghanistan spitzt sich die Lage im vergangenen Sommer dramatisch zu. Mitten in dem Chaos geht ein kleiner Junge am Kabuler Flughafen verloren. Nach mehreren Monaten ist er nun wieder mit seiner Familie vereint.

Kabul im August 2021. Die afghanische Hauptstadt befindet sich im Ausnahmezustand. Die Taliban haben die Stadt eingenommen und damit das Land endgültig wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Tausende Menschen versuchen verzweifelt zu fliehen und machen sich auf den Weg zum Hamid Karzai International Airport. Dort herrscht dichtes Gedränge.

Mitten in dem Chaos wird der zwei Monate alte Sohail Ahmadi einem US-Soldaten über einen Zaun hinweg in die Arme gedrückt, um ihn vor dem Gedränge zu schützen. Doch sobald Sohails Eltern innerhalb des Flughafengeländes sind, können sie ihren kleinen Sohn nicht mehr finden.

Nach einer vergeblichen Suche nehmen der Vater, der als Wachmann in der US-Botschaft gearbeitet hatte, seine Frau und ihre vier weiteren Kinder einen der letzten Evakuierungsflüge in die USA. Mehrere Monate lang wissen sie nicht, wo ihr kleiner Sohn sich befindet – und ob er überhaupt noch am Leben ist.

Afghanistan: Taxifahrer nimmt Baby bei sich auf

Ein Reuters-Bericht über die Suche der Familie bringt schließlich Licht ins Dunkle. Die Spur führt im November in das Haus eines 29-jährigen Taxifahrers in Kabul. Der Mann berichtet der Nachrichtenagentur, er habe Sohail Ahmadi weinend alleine auf dem Boden des Flughafens gefunden. Nachdem er vergeblich versucht habe, die Familie des Babys zu finden, beschloss er ihn mit nach Hause zu seiner Frau zu nehmen und ihn als seinen eigenen Sohn aufzuziehen. Die beiden nennen den Säugling Mohammad Abed.

Als der Aufenthaltsort des verlorenen Babys bestätigt wird, macht sich der Großvater von Sohail Ahmadi auf den Weg nach Kabul, um die Rückgabe seines Enkelkindes zu erbitten. Doch der Taxifahrer weigert sich zunächst, wie Reuters berichtet. Stattdessen will er die Garantie, dass er und seine Familie ebenfalls in die USA evakuiert werden.

Familie überglücklich: "Es wird gefeiert, getanzt, gesungen"

Die Verhandlungen ziehen sich über sieben Wochen – zwischenzeitlich wird der Taxifahrer festgenommen. Doch am Ende arrangiert die Taliban-Polizei eine Einigung zwischen den beiden Familien. Am Samstag wurde das Baby schließlich seinem Großvater übergeben.

Die Eltern, die inzwischen im US-Bundesstaat Michigan leben, seien überglücklich, nachdem sie das Wiedersehen per Videochat gesehen haben. "Es wird gefeiert, getanzt, gesungen", sagte der Großvater der Nachrichtenagentur. "Es ist wirklich wie eine Hochzeit."

Die Familie hofft nun, dass schnell Vorkehrungen getroffen werden, damit Sohail zu ihnen in die USA gebracht werden kann und sie wieder vereint sind.

Quellen: "Reuters", "BBC"

les

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