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Afghanistan-Einsatz: Wie Stefan Deuschl seine Beine verlor

Wenn das Wetter wechselt, sind die Schmerzen in den Füßen stark - auch wenn die Beine nicht mehr existieren. Stefan Deuschl verlor sie bei einem Bomben-Attantat in Afghanistan. stern TV berichtet über den Preis des Krieges.

Von Tom Kühn und Zacharias Zacharakis

Vier Wochen erst ist Stefan Deuschl in Afghanistan stationiert. Es ist der 14. November 2005, als das geschieht, was für jeden Soldaten ein Albtraum ist. Mit einem Geländewagen fährt der damals 38-jährige Oberstabsfeldwebel zusammen mit zwei Kameraden auf einer Hauptverbindungsstraße in Richtung Kabul. Plötzlich wird der Wagen der deutschen Soldaten von einem entgegenkommenden Toyota gerammt. Der Geländewagen prallt an einen Betonpfeiler und ist fahruntüchtig.

Zwölf Kilo Sprengstoff

Im ersten Moment denken die Männer an einen Unfall, denn immer wieder versuchen Einheimische, auf diese Weise Schadensersatz herauszuschlagen. Die Soldaten steigen aus - ein verhängnisvoller Fehler. Sie sehen nur noch, wie der Toyota direkt auf sie zufährt. Eine Bombe wird gezündet und zwölf Kilo Sprengstoff detonieren zwei Meter vor den Deutschen. Einer der beiden Kameraden ist sofort tot, der andere verliert einen Unterschenkel.

Als Stefan Deuschl aus dem Koma aufwacht, kann er sich an nichts mehr erinnern. "Ich hatte das Gefühl, dass noch alles da ist. Dann habe ich gefragt, ob mir nicht mal jemand die Beine hochlegen kann und die Schuhe auszieht." Doch seine Beine sind da schon amputiert. Bereits einen Tag nach dem Anschlag war Deuschl in das Bundeswehr-Zentralkrankenhaus nach Koblenz ausgeflogen worden. Seine Frau Violetta erfährt aus den Nachrichten von dem Anschlag, weiß aber zunächst nicht, dass ihr Mann betroffen ist. Wenige Stunden später hat sie Gewissheit: Zwei Feldjäger informieren sie persönlich über das Unglück.

Leben mit Prothesen

Besonders am Anfang war es für Stefan Deuschl ein Schock, sich auf ein Leben ohne Beine einzustellen. Er war immer sehr aktiv, hat viel Sport getrieben, und das auch gerne mit seiner Familie, mit den beiden Söhnen Henry und Robin. Jetzt ist der Mann auf seine Prothesen angewiesen, mit denen er sich dennoch relativ frei bewegen kann. Kleinere Hindernisse und Stufen bewältigt er mit Hilfe von Gehhilfen. Auch Autofahren ist wieder möglich.

Eineinhalb Jahre nach dem Anschlag verspürt Stefan Deuschl noch immer starke Phantomschmerzen: "Auf einmal hat man das Gefühl, als wenn man jetzt ein Messer in der Wade hätte. Da verkrampft der ganze Körper. Das sind richtige Schmerzen, und manchmal muss ich sogar aufschreien." Doch Stefan Deuschl hat einen Weg gefunden, wieder neuen Lebensmut zu gewinnen: Sport. Der passionierte Skifahrer von früher hat Kurse im Monoskifahren belegt und wagt sich nun wieder auf die Piste. Für den Sommer hat Deuschl noch einen anderen Sport. Dann fährt er gerne mit seinem "Handbike", einem speziellen Fahrrad, das per Armkraft betrieben wird.

Mit Unterstützung seiner Familie und mit dem Sport möchte Deuschl wieder ins Leben zurück finden: "Ich möchte so gut es geht mein Leben barrierefrei weiterführen, das ist mein Ziel. Ich weiß aber noch nicht, an welche Grenzen ich tatsächlich stoße."