Air-France-Absturz Sicherheitsmängel bedrohen alle Jets


Die Probleme mit den Geschwindigkeitssensoren, die möglicherweise zum Absturz des Air-France-Airbus im Juni 2009 geführt haben, können nach "Spiegel"-Informationen bei allen heutigen Verkehrsflugzeugen auftreten. Experten warnen vor dem nächsten Absturz.

Es war eines der fürchterlichsten Unglücke der zivilen Luftfahrt: Über 200 Menschen kamen ums Leben, als im Juni vergangenen Jahres ein Airbus 330 der französischen Fluggesellschaft Air France auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris plötzlich von den Radarschirmen verschwand. Die Untersuchungen zur Absturzursache brachten jetzt nach Informationen des "Spiegel" eine gefährliche Sicherheitslücke bei allen derzeit eingesetzten Verkehrsflugzeugen zutage.

Demnach entsprechen die Geschwindigkeitssensoren heutiger Flugzeuge veralteten Spezifizierungen aus dem Jahr 1947. Die Sensoren, deren Vereisung möglicherweise zum Absturz des A330 geführt habe, müssten nur bis minus 40 Grad Celsius funktionieren. Die heutigen Passagiermaschinen flögen aber fast immer in Höhen mit niedrigeren Temperaturen. "So ein Unfall wie dieser könnte jederzeit wieder passieren", sagte Gérard Arnoux von der französischen Pilotengewerkschaft SPAF dem "Spiegel".

Auch Boeing-Flugzeuge seien vom möglichen Ausfall der Geschwindigkeitssensoren betroffen. Die für Boeing zuständige US-Zulassungsbehörde FAA bestätigte acht solcher Zwischenfälle bei der 777, drei bei der 767 und jeweils einen bei der 757 und dem Jumbojet. "Boeing studiert derzeit die Auswirkung von Vereisungen von Geschwindigkeitsmessern in großer Höhe", sagte FAA-Sprecherin Alison Duquette dem Nachrichtenmagazin.

Wie es in dem Bericht weiter heißt, entwickelt Airbus bereits Techniken, die den Ausfall von Temposensoren erkennen und beherrschen helfen sollen. Am 3. Dezember 2009 habe Airbus in den USA ein entsprechendes Patent angemeldet mit der Begründung, Fehler in der Geschwindigkeitsmessung könnten "katastrophale Folgen haben". Eine andere Technik kann bereits seit einigen Jahren als Sonderausstattung für Airbus-Maschinen bestellt werden. Nach Spiegel-Informationen lehnt es Air France bislang jedoch ab, das 300.000 Euro teure System namens "Buss" nachzurüsten.

rk

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