Airbus-Absturz Luftwaffe findet weitere Wrackteile


Neue Spuren von Air-France-Flug 447: Suchflugzeuge der brasilianischen Luftwaffe haben im Atlantik weitere Wrackteile entdeckt, darunter ein etwa sieben Meter großes Objekt. Ein mittlerweile im Absturzgebiet eingetroffenes Marineschiff versucht, die georteten Flugzeugtrümmer zu finden.

Die brasilianische Luftwaffe hat im Atlantik weitere Wrackteile des abgestürzten Air-France-Flugzeugs entdeckt. Unter den rund zehn gesichteten Objekten befinde sich auch ein Teil mit einem Durchmesser von etwa sieben Metern, teilte ein Militärsprecher am Mittwoch in Brasília mit. Zudem seien auf einer Strecke von 20 Kilometern Öl- und Kerosinspuren festgestellt worden. Leichen seien nicht gefunden worden. Die neu entdeckten Hinweise befinden sich 90 Kilometer südlich der Zone, in der am Dienstag erste Trümmer der verschollenen Maschine gesichtet wurden, 640 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Inselkette Fernando de Noronha.

Ein erstes Schiff der brasilianischen Marine hat mittlerweile die Absturzstelle erreicht. Das Patrouillenboot "Grajaú" sei bereits in der Region, sagte Konteradmiral Sàvio Nogueira. Jetzt gehe es in erster Linie darum, die von der Luftwaffe georteten Wrackteile im dem großen Seegebiet zu finden. Insgesamt seien fünf Schiffe der Marine auf dem Weg zum Absturzort, wo sich auch drei Handelsschiffe aufhalten. Das Wasser ist in der Region etwa 28 Grad warm, doch Experten zufolge ist es praktisch ausgeschlossen, dass von den 228 Flugzeuginsassen jemand den Absturz überlebt haben könnte.

Die französischen Unfallermittler haben unterdessen die Hoffnung auf eine schnelle Aufklärung des mysteriösen Absturzes des Air-France-Fluges 447 am frühen Montagmorgen gedämpft. "Diese Luftfahrt-Katastrophe ist die schlimmste, die dieses Land je erlitten hat", sagte der Direktor des Amtes für Unfallanalysen BEA, Paul-Louis Arslanian, in Paris. "Wir können uns nicht erlauben zu spekulieren. Wir müssen alles verifizieren." Nach Einschätzung der Experten muss das Unglück sehr plötzlich eingetreten sein, da die Besatzung keinen Notruf mehr abgeschickt hat. Doch: "Wir wissen noch nicht mal den genauen Unglückszeitpunkt."

Die letzte automatische Nachricht lautete, dass Messinstrumente am Cockpit vereist seien, berichtete die Zeitung "Le Parisien". Das könne dazu geführt haben, dass der Pilot falsche Informationen am Bordcomputer erhalten habe. Es werde auch nicht ausgeschlossen, dass die Maschine in der Luft explodiert sei. Dafür spreche die Tatsache, dass das Notfallsignal nicht funktioniert habe und die Trümmerteile weit verteilt seien.

BEA-Direktor Arslanian sagte lediglich, der Absturz habe sich "mitten im Atlantik ereignet", wo das Wasser sehr tief sei. Dort gebe es unterirdische Gebirge. Man könne das Wrack nicht auf 100 Meter genau orten. "Wir müssen die Flugschreiber finden", nannte Arslanian das vorrangige Ziel der Ermittler. Es sei zu befürchten, dass die Box in bis zu 4000 Metern Tiefe liege - und angesichts der großen Tiefe sei er "nicht optimistisch". Er fügte hinzu: "Ich weiß nicht, was wir finden werden. Doch wir werden alles, was wir erfahren, unverzüglich mitteilen, sobald es klar ist."

Vier Expertenteams analysieren das Unglück

Der BEA-Ermittler Alain Bouillard erklärte, vier Ermittlungsteams hätten die Arbeit aufgenommen. Eine Gruppe suche im Meer nach Trümmern. Die zweite analysiere die "Wartung und Geschichte des Flugzeugs". Das dritte Team überprüfe Einsatz und Nutzung des Flugzeugs und das vierte die Systeme und die Ausrüstung der Maschine. 20 Mitarbeiter der BEA und 30 Experten der Air France sowie des Flugzeug-Herstellers Airbus seien am Werk. Die Experten von Airbus und Air France würden mehrere Tage lang in Brasilien die Funkgespräche und Radarbilder auswerten. "Die Arbeit ist intensiv. Wir sammeln alle Informationen, die uns helfen können", sagte Bouillard.

Ein französischer Militärsprecher erklärte, es sei der Einsatz eines U-Bootes geplant, um die Blackbox zu bergen. Die Box sendet 30 Tage lang ein automatisches Ortungssignal.

Keine Probleme beim Start

Aufgrund der Fundstelle der Wrackteile sei es denkbar, dass der Air-France-Pilot angesichts einer Schlechtwetterfront noch versucht habe umzudrehen. Die Unfall-Ermittler führen die Unglücksursache bisher auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurück. Vor dem Start von Air-France-Flug 447 gab es den französischer Ermittlern zufolge jedenfalls keinerlei Hinweise auf irgendwelche Probleme. Dies habe eine erste Überpüfung aller Wartungsunterlagen zu der Airbus-Maschine ergeben, so der oberste Unfall-Ermittler Arslanian.

Unterdessen gedenken Menschen auf der ganzen Welt der 228 Opfer. Die brasilianische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. In Paris haben Familien, Politiker und tausende Bürger während einer Trauerfeier in der Kathedrale Notre-Dame der Opfer der Flugzeugkatastrophe gedacht. Auch ohne jede Spur der 228 Vermissten nahmen Angehörige am dritten Tag nach dem Unglück über dem Atlantik Abschied von ihren Lieben. Staatspräsident Nicolas Sarkozy, Premierminister François Fillon sowie Vertreter der katholischen, protestantischen, jüdischen und muslimischen Gemeinden nahmen an der Zeremonie in Paris teil. Auch zahlreiche Piloten, Flugbegleiter und Manager der Gesellschaft Air France trauerten um ihre vermissten Kollegen. Tausende Menschen nahmen hinter den Absperrungen an dem Gottesdienst teil, der über Lautsprecher auf den Vorplatz der Kathedrale übertragen wurde.

DPA/AP/AFP AP DPA

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