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Amoklauf in Serbien: 13 Verwandte und Nachbarn erschossen

13 Menschen mussten wegen ihm sein Leben lassen. Ein Amokläufer tötet in einem serbischen Dorf Nachbarn und Verwandte. Unter den Opfern war sogar ein Kleinkind.

Ein Einschussloch in einem der Häuser zeugt vom Amoklauf, bei dem 13 Menschen getötet wurden

Ein Einschussloch in einem der Häuser zeugt vom Amoklauf, bei dem 13 Menschen getötet wurden

Ein Amokläufer hat in einem serbischen Dorf 13 Verwandte und Nachbarn getötet. Der Mann erschoss in Velika Ivanca südlich von Belgrad sechs Frauen, sechs Männer und ein zweijähriges Kind, wie Serbiens Polizeichef Milorad Veljovic sagte. Nachbarn beschrieben den Schützen, der nach der Bluttat einen Selbstmordversuch unternahm, als freundlich und hilfsbereit.

"Zwölf Menschen wurden auf der Stelle getötet, ein weiterer erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen", sagte Veljovic. Drei weitere Menschen, darunter der Schütze und seine Frau, waren schwer verletzt. Der Leiter des Notfallkrankenhauses in Belgrad, Zlatibor Loncar, sagte, der Zustand des Schützen sei "besonders ernst". Dieser habe sich eine Kopfverletzung zugefügt. Seine Frau befinde sich auf der Intensivstation. Nach Angaben von Nachbarn handelte es sich bei dem getöteten Kleinkind um einen Jungen. Die meisten Opfer seien mit dem Täter verwandt gewesen.

Schüsse in fünf verschiedenen Häusern

Die Bluttat ereignete sich gegen fünf Uhr morgens in fünf verschiedenen Häusern, in denen der Großteil der Familie des Schützen sowie Nachbarn lebten. Alle Opfer hätten zum Zeitpunkt des Angriffs geschlafen. Fast allen habe der Täter in den Kopf geschossen. Polizisten auf Patrouille hörten laut einer Polizeimitteilung die Schüsse und konnten weitere Opfer verhindern. Der Schütze habe sich in den Kopf geschossen, als er die Beamten gesehen habe.

Das Tatmotiv sei unklar, sagte Veljovic. Es gebe fast niemanden mehr, der aussagen könne. Der Mann habe eine Pistole benutzt, die er legal besessen habe. Der Mann soll zuerst auf seinen 42-jährigen Sohn geschossen haben, dann auf seine Mutter. Er habe danach seine Frau verletzt und anschließend in den vier Nachbarhäusern auf die übrigen Opfer geschossen. Nach Informationen des Fernsehsenders RTS ist der mutmaßliche Täter etwa 60 Jahre alt.

Aus Polizeikreisen verlautete, die Ermittler suchten in der Vergangenheit des Mannes nach Hinweisen auf ein Motiv. In seinem Alltag gebe es nichts, was auf ein solches Verbrechen habe hindeuten können.

"Er war der beste Nachbar"

Rund 30 Bewohner des 50 Kilometer südlich von Belgrad gelegenen 1700-Einwohner-Ortes standen fassungslos an der Absperrung, welche die Polizei um den Tatort errichtet hatte. Eine Nachbarin beschrieb den Schützen als freundlich und hilfsbereit. "Er war der beste Nachbar", sagte die etwa 60-jährige Stanica Kostadinovic. "Nichts hat darauf hingedeutet, dass so etwas passieren könnte."

Laut Kostadinovic überlebte ein 20-Jähriger die Bluttat, weil er im oberen Stockwerk seines Hauses schlief. "Er hörte einen Schuss, und als er nach unten kam, war seine Mutter schon tot und der Mörder fort", sagte die Nachbarin. Andere Anwohner berichteten, manche der Opfer hätten ihrem Mörder noch die Tür geöffnet.

Attentäter wuchs ohne Vaterfigur auf

Nach Angaben von Dorfbewohnern verdiente der Mann als ungelernter Arbeiter sein Geld, verlor aber vor einem Jahr seinen Job und verdingte sich in der Landwirtschaft.

Der Nachbar Milovan Kostadinovic sagte, der Vater des Schützen habe sich das Leben genommen, als dieser ein Kind war. "Er wuchs ohne Vater auf. Sein Onkel und sein Cousin waren mit psychischen Problemen im Krankenhaus." Laut der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug kämpfte er 1991 im Krieg zwischen Serbien und Kroatien in der serbischen Armee.

awö/AFP/AFP
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