Anschläge in London Bombenterror zur Rushhour


Mehr als 30 Menschen sind bei Bombenanschlägen auf die Londoner U-Bahn ums Leben gekommen. Kurz nach den Attentaten glaubt der britische Premierminister Tony Blair zu wissen, wer für das Blutbad verantwortlich ist.

Innerhalb einer knappen Stunde ist London am frühen Morgen gleich von einer ganzen Serie von Bombenattacken heimgesucht worden. Die vorläufige Schreckensbilanz der heimtückischen Anschläge auf einen Bus und mehrere U-Bahnen: 33 Tote und 45 Schwerverletzte. Nach Angaben der Polizei wurden außerdem 300 weitere leichter verletzt. Mittlerweile musste sie die furchtbare Bilanz allerdings nach oben korrigieren. Im Laufe des Abends stieg die Zahl auf 37 Tote und mehr als 700 Verletzte. Nach unbestätigten Angaben des französischen Innenministers Nicolas Sarkozy seien sogar 50 Menschen ums Leben gekommen. Sarkozy sagte dem Sender France 2 unter Berufung auf seinen britischen Kollegen Charles Clarke: "Ich habe heute zwei Mal mit dem britischen Innenminister gesprochen, das letzte Mal vor einer halben Stunde. Er hat mir gesagt, dass die vorläufige Zahl der Todesopfer bei 50 liegt, 300 Verletzten, darunter 50 Schwerverletzte".

Die Attentäter hatten offenbar größtmöglichen Schaden in der Bevölkerung anrichten wollen, denn die Explosionen ereigneten sich zu einer Zeit, in der die öffentlichen Verkehrsmittel am meisten frequentiert sind. Es war Rushhour, die Zeit, in der viele der Commuters - Berufspendler - die Londoner Tube nehmen, um zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen, als die erste Bombe explodiert. Genau um 8.51 Uhr Ortszeit (9.51 Mitteleuropäische Sommerzeit) wurde sie in einem Zug in einem Tunnel nahe der Liverpool Street Station gezündet. Dabei wurden sieben Menschen getötet.

Vier Minuten später ging eine Bombe in einem Zug nahe der King’s Cross Station hoch. 21 Menschen starben hier. Um 9.15 Uhr ereignete sich eine Explosion in einem Zug an der Edgware Road. Es gab fünf Todesopfer. Um 9.47 Uhr gab es eine Explosion in einem Doppeldeckerbus am Tavistock Square. Das Dach wurde abgerissen. Sechs Stunden nach dem Ereignis konnte die Polizei immer noch nicht sagen, wie viel Menschen hier ums Leben kamen. Sie bestätigte lediglich, dass es Todesopfer zu beklagen gäbe.

Rettungsdienste waren vorbereitet

Wie die Rettungsdienste mitteilten, waren mehr als 100 Krankenwagen und 40 Feuerwehrzüge im Einsatz. Ein Polizeisprecher sagte, man sei seit langem auf ein solches Großereignis im Detail vorbereitet. Man wisse, dass London ein Ziel von Terrororganisationen sei und sei deshalb nicht überrascht gewesen.

Zu der Frage, ob das Terrornetzwerk al Kaida hinter den Attentaten stecke, erklärte die Polizei, sie gehe den Hinweisen nach, könne aber bisher nichts bestätigen. Mehrere Medien hatte aber von einem Bekennerschreiben einer bislang unbekannten Untergruppe der al Kaida berichtet, die bereits für die Anschläge in den USA im September 2001 und in Madrid im März 2004 verantwortlich ist. Experten sagten, das Muster der Anschläge entspreche dem Vorgehen der radikal-moslemischen al-Kaida-Organisation.

"Attentäter handelten im Namen des Islams"

Der britische Premier, Tony Blair, war sogar sicher, dass die Anschläge von Terroristen verübt worden seien, "die im Namen des Islams handeln." Blair versprach in einer Fernsehansprache, alles zu tun, um die Urheber der Anschläge zu fassen. "Wir werden uns nicht einschüchtern lassen", sagte er. Gleichzeitig versicherte er, er wisse, dass Muslime weltweit "diesen Akt des Terrorismus beklagen". Dem Muslimischen Rat Großbritanniens dankte er ausdrücklich für eine entsprechende Erklärung. Auch der britische Außenminister Straw sagte am Rande des G-8-Gipfels, die Bombenserie trage die Handschrift des Terrornetzwerks Al Kaida.

Blair hatte das G-8-Gipfeltreffen im schottischen Gleneagles zuvor kurzfristig verlassen, um sich vor Ort in London persönlich ein Bild von der Situation zu machen. Es sei "ziemlich deutlich", dass es terroristische Anschläge gewesen seien, hatte er sichtlich geschockt, bereits in Gleneagles der Presse gesagt. Blair vermutete zudem einen Zusammenhang mit dem G-8-Gipfel und nannte es ganz besonders grausam, dass die Anschläge an einem Tag verübt wurden, "an dem wir uns treffen, um etwas gegen die Probleme der Armut in Afrika zu unternehmen." Zum Zeichen, dass die Terroristen die Demokratie nicht bedrohen können ging der Gipfel seinen geplanten Gang weiter.

Al Kaida bekennt sich zu Anschlägen

Eine "Geheimgruppe des Dschihads der al Kaida in Europa" hat sich unterdessen im Internet für die Anschläge verantwortlich erklärt. Die Echtheit der Erklärung konnte zunächst nicht überprüft werden. "Spiegel Online" zufolge stellte die Gruppe in ihrem Bekennerschreiben einen Zusammenhang zum Krieg in Afghanistan her, das Ende 2001 als Unterschlupf für die al Kaida unter Führung der USA angegriffen worden war. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldete, die Gruppe bedrohe zudem Italien und Dänemark, sollten sie ihre Truppen nicht aus den Konfliktgebieten Irak und Afghanistan abziehen.

Mit Material von DPA/Reuters Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker