HOME

Terroranschläge in London: Bomben zur Rushhour

Am siebten Juli erschütterten vier Explosionen den morgendlichen Berufsverkehr in der Londoner Innenstadt. Vier Selbstmordattentäter sprengten sich in drei U-Bahnen und einem Bus in die Luft.

Zunächst war unklar, was die Ursache für die Explosionen in den U-Bahnzügen war. Es hieß, ein Stromausfall hätte zu Unfällen in der U-Bahn geführt. Als dann ein Bus explodierte, der unabhängig vom Stromnetz ist, war klar: die Theorie vom Stromausfall war nicht länger aufrechtzuerhalten.

London versank danach für Stunden im Chaos. Blutüberströmte Verletzte kamen aus den U-Bahnausgängen, die Polizei versuchte auf den Straßen, Ordnung ins Chaos zu bringen. Sie errichtete Absperrungen, betreute die Verletzten. Die Anschläge lösten in der britischen Hauptstadt nur einen Tag nach dem Jubel über den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012 tiefes Entsetzen aus. 52 Menschen rissen die Selbstmordattentäter mit in den Tod, fast 700 wurden verletzt.

Wie Scottland Yard zügig ermittelte, waren alle vier Attentäter britische Staatsbürger pakistanischer Abstammung, die angepasst und unauffällig lebten. Sie stammten alle vier aus der nordenglischen Stadt Leeds und waren zwischen 18 und 30 Jahre alt. Anfang September strahlte der arabische Sender Al Dschasira ein Video aus, in dem sich das Terrornetzwerk al Kaida zu den Anschlägen bekannte. In dem Video erklärt die Nummer zwei von al Kaida, Ajman al Sawahri, die Anschläge seien eine unmittelbare Reaktion auf die Politik des britischen Premierministers Tony Blair und dessen Weigerung, ein Friedensangebot von al Kaida anzunehmen. Damit sei der Kampf direkt ins Land des Feindes getragen worden. Zu sehen war auch einer der Attentäter, der 30jährige Mohammad Sidique Khan. Er war Lehrer für schwierige Schüler gewesen und galt als beliebt.

Zwei Wochen nach den verheerenden Attentaten kam es erneut zu Bombenanschlägen in der Londoner U-Bahn. Diesmal allerdings gab es keine Verletzten, weil die Sprengsätze nicht zündeten. Die vier Attentäter wurden schnell festgenommen. Nach eigenen Worten hatten sie nicht die Absicht, jemanden zu töten, sondern die Stadt in Schrecken zu versetzen. Tödlich endete dagegen ein Polizeieinsatz in London einen Tag danach. Zivilbeamte erschossen irrtümlich einen jungen Brasilianer. Angeblich hätte er sich verdächtig verhalten. Später wurden Aufnahmen einer Überwachungskamera veröffentlicht, die der Polizei-Version widersprechen. Der Brasilianer wurde wahrscheinlich das Opfer einer Verwechslung.