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Mann von Pariser Terror-Opfer: "Meinen Hass bekommt Ihr nicht"

Seine Frau starb bei den blutigen Anschlägen des IS in Paris: In einer rührenden Facebook-Nachricht erklärt der Franzose Antoine Leiris, dass alle Mühen des IS, Angst und Wut zu sähen, vergebens waren - denn er weigert sich, dem blinden Hass zu verfallen.

Trauernder Mann in Paris

Trauer in Paris: In einem herzergreifenden Schreiben weigert sich der Ehemann eines der Opfer, dem Hass zu verfallen.

Die Anschläge vom Freitag in Paris sind die schlimmsten, die Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat - 132 Menschen verloren durch die sinnlosen Attacken ihr Leben. Auch die Frau des Parisers Antoine Leiris ist unter den Opfern. Der Vater eines 17-Monate alten Jungen hat nun seine Gedanken bei Facebook geteilt und schafft es, trotz des größten Verlustes seines Lebens nicht der Wut und dem Hass zu verfallen - denn er weiß, dass dies das Ziel der Terroristen ist. Sein Beitrag wurde bereits über 75.000 Mal bei Facebook geteilt.

Leiris schreibt: "Meinen Hass bekommt ihr nicht. Freitagabend habt ihr das Leben einer außergewöhnlichen Person geraubt, sie war die Liebe meines Lebens, die Mutter meines Sohnes, aber ihr werdet meinen Hass trotzdem nicht bekommen. Ich weiß nicht, wer ihr seid, und ich will es auch nicht wissen. Ihr seid tote Seelen. Wenn dieser Gott, für den ihr blind tötet, uns nach seinem Ebenbild erschaffen hat, war jede Kugel, die den Körper meiner Frau traf auch eine Kugel in sein Herz.

"Ich werde so weitermachen, wie zuvor"

Also, nein, ich werde euch nicht den Gefallen tun, euch zu hassen. Auch wenn ihr es wirklich versucht habt - euren Hass mit Wut zu beantworten, würde bedeuten, sich der gleichen Ignoranz wie der euren hinzugeben. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meinen Mitbürgern misstraue, dass ich meine Freiheit für Sicherheit opfere. Verloren. Ich werde so weitermachen, wie zuvor. 

Ich habe sie heute Morgen gesehen. Nach Tagen und Nächten des Wartens. Sie war so hübsch, wie an dem Freitagabend, an dem sie ging, so hübsch wie sie war, als ich mich vor 12 Jahren hoffnungslos in sie verliebt habe. Natürlich macht mich die Trauer fertig, diesen kleinen Sieg lasse ich euch, aber er wird von kurzer Dauer sein. Ich weiß, dass sie uns jeden Tag begleiten wird und das wir uns im Paradies der freien Seelen wiedersehen werden, zu dem ihr niemals Zutritt erlangen werdet.

Wir sind Zwei, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen dieser Welt. Leider kann ich euch nicht noch mehr Zeit widmen, ich muss zu Melvil zurück, er wacht gerade von seinem Mittagsschlaf auf. Er ist 17 Monate alt, er wird essen, wie an jedem Tag, er wird spielen, wie an jedem Tag und sein ganzes Leben wird dieser kleine Junge euch trotzen, indem er glücklich und frei sein wird. Weil ihr auch seinen Hass nicht bekommen werdet."

Bei Facebook haben ihm viele Freunde und Bekannte ihre Anteilnahme versichert - und sprachen ihm für seine reflektierte Reaktion auf die tragischen Ereignisse viel Respekt aus. Leiris trifft es mit seinem Schreiben auf den Punkt - der IS versucht mit all seinen Anschlägen, einen Keil zwischen die Menschen zu treiben, insbesondere zwischen Muslimen im Allgemeinen und dem Westen. Auch der Bericht des australischen Moderators Waleed Aly, der zurzeit bei Facebook überaus erfolgreich ist, betont genau diesen Punkt - eigentlich ist der IS nämlich schwach.

amt