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BKA-Identifizierungsteam: Experten des Grauens

Wenn sie zum Einsatz kommen, bringen sie keine gute Kunde. Das Identifizierungsteam des Bundeskriminalamtes steht vor der schwierigen Aufgabe, die deutschen Todesopfer zweifelsfrei zu identifizieren.

Die Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes (BKA) ist bei großen Katastrophen und Unglücksfällen gefragt. Nun sind die Spezialisten wieder unterwegs - diesmal nach Thailand in den Badeort Khao Lak. Dort werden deutsche Urlauber nach der riesigen Flutwelle vermisst. Aufgabe der Experten ist es, mögliche Todesopfer zweifelsfrei zu identifizieren.

Persönliche Merkmale wichtig

Eine schwierige Aufgabe steht den Mitgliedern der Kommission (IDKO) bevor, zu denen auch Rechtsmediziner und Zahnärzte gehören. Die Touristen, die zwischen Weihnachten und Neujahr Sonne, Strand und Palmenidyll in Thailand genießen wollten, wurden vielfach beim Baden vom Unglück überrascht und trugen keine Papiere bei sich. "Die Experten werden sich in einem solchen Fall die Opfer anschauen und auf persönliche Merkmale achten", erklärt eine BKA-Sprecherin die Arbeit der Kommission.

Schmuck am Körper der Verunglückten oder der "Zahnstatus" könnten wichtige Hinweise über die Identität liefern. In Deutschland könnten dann Verwandte oder Freunde befragt und Vergleichsmaterial gesammelt werden, mit denen die Informationen dann abgeglichen würden. Auch bestehe die Möglichkeit, über eine Erbgut-Untersuchung Sicherheit zu bekommen, wer die Opfer seien.

Wie lang die Experten im Einsatz sein werden, kann die Sprecherin noch nicht sagen: "Das hängt völlig davon ab, wie viele Opfer es sind, und welche Arbeitsbedingungen die Beamten vorfinden. Ich kann nicht sagen, ob das zwei Wochen oder einen Monat dauern wird."

Auch psychisch fordern die Einsätze den Fachleuten viel ab. Die Mitglieder würden nach solchen Katastropheneinsätzen psychologisch betreut und würden auch danach weiter begleitet, erläutert die Sprecherin.

Register des Schreckens

Kein Wunder, denn wie ein Register des Schreckens liest sich die Liste der bisherigen Einsätze: Der bekannteste war das ICE-Zugunglück 1998 in Eschede, bei dem 101 Menschen ums Leben kamen. In 24 größeren Einsätzen im In- und Ausland hat die Kommission bislang mehr als 1.300 Opfer identifiziert. Der Großteil der Unglücksfälle waren Flugzeugabstürze. Die IDKO identifizierte beispielsweise die 71 Opfer, die beim Absturz einer Passagiermaschine in Überlingen am Bodensee ums Leben kamen. Ein Großteil der Identifizierung geschah damals über den Vergleich von Zahnschemata und Fingerabdrücken.

Auch beim Flugzeugunglück am Annapurna-Massiv in Nepal 2002, bei dem 18 Menschen - darunter 13 deutsche Touristen - starben, war die IDKO im Einsatz. Und auch 1988, als bei einer Flugschau in Rammstein ein brennender Jet auf die Zuschauertribüne stürzte und 70 Menschen in den Tod riss, untersuchte die IDKO die Opfer.

Die 1972 gegründete Kommission besteht zurzeit aus etwa 115 BKA-Beamten, die sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet haben. Daneben arbeiten noch etwa 35 externe Fachleute aus dem Bundesgebiet mit. Die Gründung der IDKO geht auf einen Flugzeugabsturz 1972 in Teneriffa zurück. Damals kamen 155 Menschen ums Leben.

Agnes Tandler/AP / AP