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Bombenanschlag in Bagdad: Tod auf dem Markt

Mindestens 60 Menschen hat eine Autobombe in Bagdad in den Tod gerissen. Hinter dem schweren Anschlag steckt der sogenannte Islamische Staat. Die Terrormiliz hat im Irak bereits mehrere Anschläge dieser Art verübt.

Bei einem Bombenanschlag in einem mehrheitlich von Schiiten bewohnten Stadtteil der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Donnerstag mindestens 38 Menschen getötet worden. Mindestens 200 weitere wurden nach Angaben von Rettungs- und Sicherheitskräften bei dem Anschlag verletzt, zu dem sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte.  Unterdessen berichtete die Bundeswehr von einem Chemiewaffenangriff auf kurdische Peschmerga-Kämpfer im Nordirak.

Bei dem Anschlag in Bagdad explodierte gegen sechs Uhr Ortszeit (fünf Uhr MESZ) ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen auf einem Gemüsemarkt im Stadtteil Sadr City im Norden Bagdads. Dies ist eine Stoßzeit für Ladeninhaber, die Gemüse für den Tag einkaufen. Durch die Explosion wurde der Markt verwüstet: Pferde zum Transport der Waren wurden getötet, Autos wurden verbrannt, Produkte lagen verstreut umher. Rettungskräfte bargen am Anschlagsort menschliche Überreste, wie ein AFP-Fotograf berichtete.

Ein weiterer Anschlag des IS auf ein Schiiten-Gebiet

Zu der Tat bekannte sich der sunnitische IS. In einer im Internet veröffentlichten Erklärung sprach die Miliz von einer "gesegneten Operation". Die Gruppe verübt regelmäßig Anschläge auf Schiiten, die sie als Ketzer bezeichnet. Häufig richten sich die Attacken gegen belebte Gegenden wie Märkte oder Cafés, um möglichst viele Menschen zu treffen. Der IS hatte sich bereits in den vergangenen Tagen zu mehreren Anschlägen mit zahlreichen Toten im Irak bekannt. Der Anschlag vom Donnerstag in Sadr City war einer der blutigsten einzelnen Angriffe der vergangenen Monate.

Derweil berichtete die Bundeswehr am Donnerstag, die von ihr ausgebildeten Kurden-Kämpfer im Nordirak seien zum Ziel eines Chemiewaffenangriffs geworden. Kurdische Peschmerga-Kämpfer hätten Reizungen der Atemwege durch das Giftgas davongetragen, deutsche Soldaten in der Region seien hingegen "nicht betroffen und nicht gefährdet" gewesen, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin.

Nach Erkenntnissen der Bundeswehr ereignete sich der Angriff südwestlich der Kurdenmetropole Erbil. Ausgeführt wurde er demnach mit Mörser- oder Artilleriegranaten. Aus Bagdad seien irakische und US-Spezialisten zum Einsatzort unterwegs, um die genauen Umstände zu prüfen.

Bundeswehreinsatz im Irak

Deutschland unterstützt seit September vergangenen Jahres den Kampf der nordirakischen Peschmergaverbände gegen den IS mit Waffen und Schulungen. Derzeit sind 89 Bundeswehrangehörige für die Ausbildungsmission im Nordirak. Konkrete Konsequenzen für den Fortgang des Bundeswehreinsatzes werde der Chemiewaffenangriff nicht haben, hieß es aus dem Bundesverteidigungsministerium.

Die IS-Miliz hatte im Juni 2014 weite Teile des Irak überrannt. Mit Unterstützung einer von den USA angeführten Militärkoalition sowie des Iran kämpfen die irakischen Streitkräfte darum, die Dschihadisten zurückzudrängen.

Im Irak leben drei große Volksgruppen, die Kurden, die sunnitischen Araber und die schiitische Araber. Vor allem Sunniten und Schiiten liefern sich seit Jahren schwere Auseinandersetzungen. Auf dem Höhepunkt der Gewalt in den Jahren 2006 und 2007 gab es zehntausende Opfer.

Angesichts der schwierigen Beziehungen von Sunniten und Schiiten hatte der scheidende Generalstabschef des US-Heeres, General Raymond Odierno, eine Teilung des Landes am Mittwoch nicht mehr ausgeschlossen. Die Aufspaltung des Irak "könnte die einzige Lösung sein", sagte Odierno in seiner letzten Pressekonferenz im Pentagon. Eine Aussöhnung der beiden Bevölkerungsgruppen werde "jeden Tag schwieriger". Odierno hatte von 2008 bis 2010 den Oberbefehl über die US-Truppen im Irak.

jen / AFP
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