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Brandbekämpfung fürs eigene Image: Putin und Medwedew inszenieren sich als oberste Feuerwehrmänner

Die beiden russischen Spitzenpolitiker Wladimir Putin und Dmitri Medwedew wissen die katastrophalen Waldbrände für ihr Image zu nutzen.

Der eine schwingt sich zur Brandbekämpfung höchstselbst in die Lüfte, der andere feuert kleine Sündenböcke: Damit den seit Wochen in Russland wütenden Feuersbrünsten nicht auch die eigene Popularität zum Opfer fällt, inszenieren sich Regierungschef Wladimir Putin und Präsident Dmitri Medwedew medienwirksam als oberste Feuerwehrmänner der Nation. Vor allem Putin will ein PR-Desaster wie beim Untergang der "Kursk" mit 118 Toten vor genau zehn Jahren verhindern - damals hatten Kritiker dem im Urlaub weilenden Präsidenten prophezeit, dass seine Karriere mit dem U-Boot gesunken sei. Doch auch die nun inszenierte übereifrige Imagepflege stößt in Russland auf Kritik.

Bevor die verheerendsten Brände seit Jahrzehnten - bei denen bislang mindestens 10 Millionen Hektar Land zerstört und mehr als 50 Menschen getötet wurden - Russland verwüsteten, sollte es für das Führungsduo des Landes ein entspannter Sommer werden. Noch im vergangenen Jahr hatte sich Putin zur Urlaubszeit mit nacktem Oberkörper hoch zu Pferde in Sibirien ablichten lassen, Medwedew posierte im Neoprenanzug beim Tauchen an der Wolga. Auf in diesem Sommer haben es der Regierungschef und der Präsident nötig, sich ins rechte Licht zu rücken - allerdings auf eine andere Art und Weise.

Putin eilte bereits kurz nach Ausbruch der Brände in das zerstörte Dorf Werchnjaja Wereja in Nischni-Nowgorod und versprach inmitten der rauchenden Trümmer den betroffenen Anwohnern großzügige Entschädigungen. In dieser Woche zeigte er sich mit Pilotenkopfhörern am Steuerknüppel eines Löschflugzeuges und ließ höchstpersönlich Wasserladungen über mehreren Brandherden ab. Auch Medwedew bedient sich starker Posen: In einer außerordentlichen Sitzung wegen der Brandschäden an einem Marine-Nachschubzentrum entließ der Staatschef in der vergangenen Woche innerhalb von 30 Sekunden gleich fünf Offiziere.

"Die beiden haben einen starken Drang zur Öffentlichkeitsarbeit", analysiert Lew Gudkow, Direktor des Instituts Lewada, einem der führenden Meinungsforscherungszentren des Landes. "Putin steigt ins Flugzeug und löscht Feuer, Medwedew schmeißt kleine Prügelknaben raus. Sie verteilen Geld und die Öffentlichkeit mag es", sagte Gudkow der Nachrichtenagentur AFP.

Vor allem Putin will ein ähnliches PR-Desaster wie beim Untergang der "Kursk" vermeiden. Am 12. August 2000 kamen bei der Havarie des Atom-U-Bootes in der Barentsee 118 Seeleute ums Leben. Der Schock des "Kursk"-Untergangs sitzt in Russland bis heute tief. Das U-Boot war einst der Stolz der russischen Marine. Putin - der damals gerade erst ein paar Monate als Präsident an der Spitze des Staates stand - geriet heftig in die Kritik, weil er seinen Urlaub im Ferienort Sotschi am Schwarze Meer unbeirrt fortsetzte.

Doch auch die demonstrative Imagepflege inmitten der Waldbrände ruft in Russland ätzende Kritik hervor. "Das ist der Tunnelblick von PR-Strategen, die glauben, dass Fernsehbilder von Putin hinter dem Steuer von irgendwas ein ewiges Allheilmittel gegen sinkende Umfragewerte sind", urteilte die Wirtschaftszeitung "Wedomosti".

Meinungsforscher Gudkow zufolge lässt sich hingegen noch nicht abschätzen, ob die Popularität des Führungsduos langfristigen Schaden nehmen könnte. "Die totale Kontrolle des Fernsehens ist wichtig. In den größten Sendern ist keine Kritik erlaubt und die Reichweite der Zeitungen, die Putin und Medwedew kritisieren, ist begrenzt", sagte Gudkow.

Spekuliert wird indes auch darüber, ob Putin und Medwedew bereits fest die im Jahr 2012 anstehenden Wahlen im Blick haben. 2008 hatte Putin nach seiner zweiten Amtszeit die Macht des Präsidentenamtes an Medwedew abgetreten. Bislang hat er nicht ausgeschlossen, bei den anstehenden Wahlen erneut als Präsidentschaftskandidat anzutreten.

Stuart Williams, DPA / DPA