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Guerilla-Kunst in der Hansestadt Das Rätselraten um den Banksy aus Bremen

Eine Bronzefigur mit einem Einkaufswagen in den Händen steht in den Wallanlagen im Zentrum Bremens
Eine Bronzefigur mit einem Einkaufswagen in den Händen steht in den Wallanlagen im Zentrum Bremens
© Hauke-Christian Dittrich / DPA
Die illegal aufgestellte Bronzeskulptur eines anonymen Künstlers sorgt in Bremen für Rätselraten und Begeisterung. Nach der anarchischen Aktion stellt sich die Frage: Wird die Statue stehen bleiben?

Gebeugt schiebt ein alter Mann einen leeren Einkaufswagen – seit Tagen rätselt Bremen über diesen Anblick, der Fragezeichen und Begeisterung hervorruft. Die Bronzeskulptur war vor rund zwei Wochen heimlich in den denkmalgeschützten Wallanlagen im Zentrum der Hansestadt illegal aufgestellt worden. Experten schätzen den Bronzemann als ernstzunehmendes Kunstwerk ein. Die Identität des Urhebers ist nach wie vor unbekannt.

"Das ist halt auch Bremen"

Vorerst hat die fachmännisch verankerte Skulptur Bleiberecht bekommen, sagte Heiner Stahn von der Bremer Kulturbehörde der Deutschen Presse-Agentur. Es sei zwar nicht ganz richtig gewesen, die Statue klammheimlich nachts aufzustellen. Doch Stahn sagte auch: "Das ist aus unserer Sicht eine ernstzunehmende künstlerische Arbeit."

Auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) ist dem Charme der unerwarteten Bereicherung für die Stadt schon erlegen. So eine anarchische Aktion – "das ist halt auch Bremen", sagte er dem Regionalprogramm "Buten un binnen"

Beim britischen Streetart-Künstler Banksy gehört es zum Konzept, unerkannt seine sozialkritischen Wandgemälde zu hinterlassen. In Bremen ist so etwas noch nicht passiert. Passanten stoppen an der Figur, lachen, fotografieren und versuchen sich an einer Erklärung. Ein "Statement in Zeiten von Corona", meint eine Frau. "Es könnte jemand sein, der obdachlos ist oder Flaschen sammelt", sagt auch Stahn.

Der Bronzemann in Bremen ist zu einem beliebten Fotomotiv geworden
Der Bronzemann in Bremen ist zu einem beliebten Fotomotiv geworden
© Hauke-Christian Dittrich / DPA

Ohne den modernen Einkaufswagen wirkt die Bronzefigur wie die Darstellung eines Fabrikarbeiters, Seemannes oder Fischers. Es sei eindeutig ein Werk des Bremer Stils der figürlichen Bildhauerei, sagt der Sprecher der Kulturbehörde. Nur habe alles Nachfragen bei Künstlern, Experten und Verbänden bislang keinen Hinweis gebracht. Niemand kenne die Identität des Urhebers.

"Ich bin kein Künstler, der genügend Geld hat, um solche Aktionen zu verwirklichen"

An diesem Umstand scheint sich zunächst nichts zu ändern. Das Regionalprogramm "Buten un binnen" zitierte den Schöpfer des Bronzemannes mit den Worten, dass er seine "wahre Identität geheim halten" werde. Grund sei vor allem die Sorge, für das illegale Aufstellen der Skulptur belangt werden zu können.

Darüber hinaus sagte er "Buten un binnen": "Ich bin kein Künstler, der genügend Geld hat, um solche Aktionen zu verwirklichen. Ganz im Gegenteil." Er habe "viel Schweiß und Tränen" lassen müssen. Die Skulptur sei nach dessen Angaben bereits gegossen worden, als die Corona-Pandemie noch nicht ausgebrochen war. Jedoch sei gerade jetzt ein idealer Zeitpunkt, um der Figur neue Interpretationsebenen zu geben.

Eine Möglichkeit liefert demnach ein auf dem Einkaufswagen aufgedruckter Barcode, über den auch die "Süddeutsche Zeitung" berichtete. Wer diesen einscanne, erhalte folgende Botschaft: "Emptiness", also "Leere".

Der rätselhafte Aufsteller der Bronzefigur hat sich allerdings erstmals bei der Stadt Bremen gemeldet – und der Umweltbehörde eine Art technischer Dokumentation zur Standsicherheit der Figur gemailt. Erneut anonym. Das sagte eine Sprecherin des Umweltbetriebs Bremen schon am Dienstag. Zuvor hatte die Zeitung "Weser-Report" berichtet. Es sei darum gegangen, "wie tief die Löcher sind, welcher Kleber verwendet wurde". Die Angaben in der Mail würden als authentisch eingestuft.

Quellen: Nachrichtenagentur DPA, "Süddeutsche Zeitung", "Buten un binnen"

fs

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