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Busunglück auf der Autobahn 7: "Der Bus stand ganz schnell in Flammen"

Nur ein paar Minuten länger und die Fahrt einer niedersächsischen Jugendgruppe auf dem Heimweg von Schweden wäre wohl in einer Katastrophe geendet. Nur weil der Fahrer den brennenden Bus rechtzeitig anhielt, blieben die mehr als 60 Insassen unversehrt.

Vom hinteren Teil des Reisebusses ist nicht mehr viel zu erkennen. Nur vorne blieben einige Sitze und ein paar Teile aus dem Handgepäck der Jugendlichen von den Flammen verschont. Flip-Flops, ein Kartenspiel und Süßigkeiten-Verpackungen zeugen von der unbeschwerten Urlaubsfahrt, die durch den Brand bei Berkhof in der Nähe von Hannover beendet wurde. Alle 60 Insassen und der Fahrer konnten sich in der Nacht zum Sonntag gerade noch rechtzeitig vor den Flammen ins Freie retten. Als Ursache für den Brand vermutet die Polizei einen technischen Defekt.

Im Inneren des Busses roch es während der Fahrt in der Nacht zu Sonntag plötzlich nach Öl. "Der Fahrer dachte zunächst, die Klimaanlage sei defekt", erinnert sich Timo Brokmann, der Leiter der evangelischen Reisegruppe. Doch als dann erster Qualm von hinten aus dem Fahrzeug kommt, fährt der 46-Jährige Fahrer schnell von der Autobahn 7 ab. Zufällig kommt er gerade an der Abfahrt Berkhof vorbei. An einem Waldweg kurz hinter der Abfahrt stoppt er den Bus. "Als der Fahrer dann an die Seite zog und wir alle raus sind, war schon der Feuerschein zu sehen", berichtet ein 16-Jähriger Teilnehmer am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Alle seien sofort auf ein Feld gerannt. "Der Bus stand dann ganz schnell in Flammen."

Laut Polizei waren außer dem Busfahrer 60 Menschen an Bord. Zunächst waren die Beamten von 61 Passagieren ausgegangen. Die jungen Leute im Alter von 12 bis 16 Jahren aus der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Garbsen waren zusammen mit ihren Betreuern auf der Rückreise von einer Ferienfreizeit in Schweden.

Die Betreuer haben nach Angaben des 16-Jährigen vorbildlich reagiert und Ruhe bewahrt. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr brachten später Decken und Jacken und kümmerten sich um die jungen Menschen. Ein von der Feuerwehr organisierter Bus brachte sie dann auch in der Nacht noch nach Hause.

Der Vorfall weckt Erinnerungen an den schweren Brand eines Busses vor drei Jahren bei Garbsen in der Nähe von Hannover, der allerdings nicht so glimpflich ausging. Damals waren 20 Menschen ums Leben gekommen. Ursache für das verheerende Feuer war ein Kurzschluss in einem Kabelbaum des Fahrzeugs.

Warum der Reisebus am Sonntag Feuer fing, lässt sich nach Angaben einer Polizeisprecherin noch nicht sagen. Um dies zu untersuchen, soll das Fahrzeugwrack in den kommenden Tagen genau untersucht werden. Der Ölgeruch und das Entstehen des Feuers im Motorraum sprächen aber für einen technischen Defekt, sagte die Polizeisprecherin. Der Sachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf rund 800 000 Euro.

Die Nachricht von dem Brand sei für die Eltern zunächst ein Schock gewesen, schreibt Pastor Burkhard Grahe auf der Internet-Seite der Gemeinde: "Umso größer war dann die Erleichterung, zu hören, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist." Das alles glimpflich ablief, ist nach Meinung von Brokmann auch dem umsichtigen Verhalten des Busfahrers zu verdanken. "Der hat sehr geistesgegenwärtig reagiert."

Etwa fünf Teilnehmer der Fahrt hätten einen leichten Schock erlitten, berichtet Brokmann. Vergessen wird die Fahrt wohl keiner der Jugendlichen und ihrer Begleiter so schnell. So ist auch der 16-Jährige immer noch ergriffen von der Rettung in der Nacht: "Ich feiere ab heute zweimal Geburtstag."

Sebastian Knoppik,DPA / DPA