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Busunglück bei Dresden: Die Unfallstelle ist noch Stunden später ein Trümmerfeld

Bei dem Busunglück auf der A4 nahe Dresden könnte die Zahl der Todesopfer noch deutlich steigen. Zehn der 40 Schwerverletzten schweben in Lebensgefahr. Den Helfern bot sich ein trauriges Bild.

Das Spiel Domino-Tornado, ein Mini-Polizeiauto und Legosteine: "Das sind wohl Mitbringsel für die Familie", sagt Polizeihauptmeister Sven Korzus. Noch zehn Stunden nach dem schweren Busunglück ist die Unfallstelle auf der A4 rund 500 Meter vor der Abfahrt Dresden-Neustadt ein Trümmerfeld. Zwischen den auf mehreren Metern zerstörten Leitplanken steht das Wrack eines Kleinbusses.

Auf der Fahrbahn verteilt liegen - neben den Spielsachen - Trolleys, Taschen und Kartons zwischen Autositzen und -resten, Glassplittern, Nudeln, CDs mit polnischen Schlagern und Zeitschriften auf der Fahrbahn. An die Mittelleitplanke gelehnt ist ein verbeultes Fahrrad, aus einem von Helfern zusammengetragenen Berg Habseligkeiten auf dem Standstreifen ragen die Lenksäule und ein zertrümmerter Motor heraus.

Reisebus stürzte sechs Meter tief ab

Sieben der neun Insassen des polnischen Transporters hatten auf dem Weg in die Heimat keine Überlebenschance. Sie starben auf tragische Weise bei Dresden, als kurz vor 2 Uhr am Samstagfrüh auf der Autobahn ein aus der Gegenrichtung kommender Reisebus die Mittelleitplanke durchbrach und frontal in ihr Fahrzeug raste. Der Kleinbus war wohl ein Fahrservice, wie er von Zeitarbeitern genutzt wird, mutmaßt ein Beamter. Auch diesmal waren die neun Insassen zum Wochenende gen Osten unterwegs.

Am Morgen danach ist es an der Unfallstelle gespenstisch still, nur die Abschleppwagen brummen. Am Rande der Fahrbahn ist das Gras platt gedrückt, ein langes Stück Leitplanke liegt abgerissen dazwischen. Am Fuße der Böschung dahinter, sechs Meter tiefer, hat die Feuerwehr in der aufkommenden Hitze mit einem Kran den silbergrauen Reisebus aufgerichtet, der nach der Kollision hinuntergestürzt war. Die Gepäckbox ist vom Heck abgerissen und liegt daneben. Alle Scheiben der linken Seite sind geborsten, Dach und Fahrgastraum auf voller Länge eingedrückt.

Enorme Belastung für die Retter

Zwischen den Sitzlehnen steckt Gestrüpp, blaue Gardinen hängen aus dunklen Fensterlöchern, Handgepäck ragt heraus. Rund um das Fahrzeug des polnischen Unternehmens Sindbad bietet sich ein ähnliches Bild wie auf der Autobahn: Habseligkeiten und Gepäck von Fahrgästen, die auf dem Weg gen Westen waren. "Der Linienbus pendelt regelmäßig quer durch ganz Europa", sagt Korzus. Zwei der Passagiere gehören zu den insgesamt bisher zehn Toten des Busunfalls. Zehn Menschen schweben in Lebensgefahr.

Viele der Überlebenden werden auch psychologisch betreut, in einer Feuerwache in Sichtweite des Schauplatzes der Tragödie steht ein Kriseninterventionsteam bereit. Viele von ihnen hatte der Horror-Crash aus dem Schlaf gerissen. "Alle stehen unter Schock", sagt der Amtsleiter der Dresdner Feuerwehr, Andreas Rümpel. Auch für die Ersthelfer in der Nacht war der dramatische Einsatz eine enorme physische und psychische Belastung.

Im Kleinbus überleben nur zwei Insassen

Aus dem Transporter konnten nur zwei der neun Insassen lebend geborgen werden. 40 der Buspassagiere krochen selbstständig aus dem Reisebus, blutüberströmt und verletzt, wie Rümpel berichtet. Die anderen waren eingeschlossen und von Rettungskräften herausgeholt worden - zwei davon nur noch tot. Viele Fahrgäste hatten geschlafen, als es krachte. Der Notruf ging um 1.50 Uhr ein. 27 Rettungswagen rasten zur Autobahnbrücke über die Elbe, die Alt- und Neustadt verbindet.

Bis zum Morgengrauen waren 150 Feuerwehrleute und Rettungskräfte vor Ort, um Opfer zu bergen und Überlebenden zu helfen. Auch für die Helfer sei es eine Ausnahmesituation gewesen, wie Feuerwehrchef Rümpel gegenüber Radio Dresden erklärte: "Die Bergungsarbeiten sind abgeschlossen. Verletzte, Angehörige und auch Einsatzkräfte werden von Kriseninterventionsteams und Notfallseelsorgern betreut. Solche grausigen Bilder vergisst man sein Leben lang nicht mehr."

tkr/Simona Block/DPA / DPA