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Busunglück bei Dresden: Reise in den Tod

Zehn Tote, 39 Schwerverletzte: So das traurige Fazit des Busunfalls auf der A4 nahe Dresden. Nicht auszuschließen ist, dass sich die Opferzahl noch erhöht. Die Ermittlungen laufen.

Beim katastrophalen Unfall zweier Reisebusse und eines Kleinbus' sind in der Nacht auf Samstag nahe Dresden mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Bisher konnten nur sieben der zehn Toten nach dem Unglück auf der A4 identifiziert werden: Die Frauen und Männer waren polnische Staatsbürger. Weitere neun Passagiere schwebten am Abend noch in Lebensgefahr, wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte. In den drei am Unfall beteiligten Fahrzeugen aus Polen und der Ukraine wurden insgesamt 68 Menschen verletzt, 39 von ihnen schwer.

Die Ursache der Tragödie, die gegen zwei Uhr nachts geschah, blieb zunächst unklar. Gegen den Fahrer eines polnischen Reisebusses wurden Ermittlungen wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung aufgenommen. Der 44-Jährige hat überlebt, konnte aber bisher nicht vernommen werden, so ein Polizeisprecher.

Bereits 2012 in Auffahrunfall verwickelt

Ein Bus des Reiseunternehmens Sindbad aus dem südwestpolnischen Opole war auf dem Weg Richtung Westen kurz hinter der Abfahrt Dresden-Neustadt zunächst auf einen ukrainischen Reisebus aufgefahren. Der polnische Reisebus kam ins Schleudern, durchbrach die Mittelleitplanke, raste in den Gegenverkehr und in einen Transporter aus Polen. Sieben der neun Insassen des Kleinbusses starben noch am Unfallort, ein weiterer Stunden später in einer Klinik. Die beiden anderen Todesopfer saßen in dem Reisebus, der sechs Meter tief eine Böschung hinabstürzte und auf der Seite liegenblieb.

Nach der Passagierliste waren 65 Gäste, zwei Fahrer und ein Reiseleiter an Bord des Sindbad-Busses vom Typ Setra 431D, wie die Firma auf ihrer Webseite angab. Das Fahrzeug wurde erst kürzlich technisch gecheckt. Sindbad hat eine Hotline für Angehörige eingerichtet. Bereits 2012 war ein Bus des Unternehmens in einen Auffahrunfall auf der Autobahn bei Dresden verwickelt. Damals kamen die Reisenden aber mit dem Schrecken davon.

Fahrer bisher nicht vernehmungsfähig

Der Unglücksbus vom Samstag war regelmäßig im Linienverkehr zwischen Deutschland und Polen unterwegs, die 48 und 38 Jahre alten Busfahrer seien erfahren, heißt es aus Opole. Berichte laut denen der Fahrer, der zuletzt am Steuer saß, eingeschlafen sei, bestätigte die Polizei nicht.

Rund 150 Mitarbeiter von Feuerwehr und Rettungsdienst waren im Einsatz. Die insgesamt 68 Überlebenden werden in umliegenden Krankenhäusern in Dresden, Pirna und Radebeul versorgt. Viele der Reisenden haben Schürfwunden, Prellungen, Brüche und stehen unter Schock. Unter ihnen sind auch vier Ukrainer, deren Bus nach der Kollision zur nächsten Raststätte weitergefahren war.

Noch am Samstag konnten einige der Betroffenen den Ort des Schreckens verlassen. Die Firma Sindbad hatte zwei Busse geschickt. Nach deren Angaben wollten eine Frau nach Hause, andere reisefähige Passagiere aber zu ihren Zielorten weiterfahren. An diesem Sonntag sollen weitere Betroffene aus den Kliniken entlassen werden, so die Feuerwehr.

Kilometerlange Staus

Die A4, die von Eisenach in Thüringen bis nach Görlitz an der Grenze zu Polen führt, war stundenlang zwischen den Abfahrten Alt- und Neustadt gesperrt, die Bergungs- und Aufräumarbeiten dauerten bis zum Mittag. Zum Sommerferien-Auftakt in Sachsen bildeten sich kilometerlange Staus. Auch Umleitungen und Ausweichrouten in der Innenstadt waren verstopft. lässt sich Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) zitieren. Sein Mitgefühl gelte all denen, die Angehörige und Freunde verloren haben. Seine Gedanken seien auch bei den Verletzten. Auch Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) versicherte ihre Anteilnahme. Beide dankten den Rettungskräften.

mod/DPA / DPA