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Kontaktverbot wegen Corona: Kinder müssen sich per Walkie-Talkie von ihrer sterbenden Mutter verabschieden

Sundee Rutter hatte gerade eine Krebserkrankung überstanden, als sie sich mit dem Coronavirus infizierte. Ihr geschwächter Körper war dem Erreger nicht gewachsen. Als sie starb, durften ihre sechs Kinder nur hinter Glas bei ihr sein.

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Das Coronavirus kennt keine Gnade. Auch nicht bei Menschen wie Sundee Rutter. Die alleinerziehende sechsfache Mutter aus dem US-Bundesstaat Washington erholte sich gerade von einem jahrelangen Kampf gegen den Brustkrebs, als bei ihr Anfang des vergangenen Monats Covid-19 diagnostiziert wurde. Am 16. März erlag sie der Krankheit, und ihre Kinder im Alter von 13 bis 24 Jahren verloren acht Jahre nach dem Tod ihres Vater auch ihren zweiten Elternteil.

Anfang März habe Rutter sich plötzlich krank gefühlt, berichten "die US-Nachrichtenseite "Buzzfeed" und der Sender CNN jetzt. Sie sei schwach gewesen, habe Schwierigkeiten beim Atmen gehabt und Kopfschmerzen bekommen. "Sie dachte, sie hätte wahrscheinlich eine Grippe", sagte Rutters 20 Jahre alter Sohn Elijah Ross-Rutter "Buzzfeed". "Aber das Coronavirus? Es war irgendwie schwer für uns zu verstehen, wie sie sich anstecken konnte, weil nicht so viele Leute hier die Krankheit hatten." Damals gab es der Nachrichtenseite zufolge nur 27 gemeldete Infektionen und neun Todesfälle im Bundesstaat Washington, mittlerweile haben sich dort Tausende mit dem Virus angesteckt.

Kinder versammelten sich vor einem Glasfenster

Im Krankenhaus sei dann später eine Infektion mit Sars-CoV-2 festgestellt worden, erzählte Ross-Rutter weiter. Zuerst hätten er und seine Geschwister ihre Mutter noch mit einer Gesichtsmaske besuchen dürfen. Aber dann sei sie vom Krankenhaus völlig isoliert worden und die Kinder hätten sie nur noch durch eine Glasscheibe sehen und per Handy mit ihr kommunizieren können.

"Eine Zeit lang konnte sie Textnachrichten verschicken", schilderte Ross-Rutter die letzten Tage seiner Mutter. Dann seien daraus Emojis geworden. "Sie schickte mir Herzen auf die Nachrichten, aber sie antwortete nicht." Am 16. März hätten die Ärzte angerufen und gesagt, die Familie solle ins Krankenhaus kommen.

Alle Kinder hätten sich vor einem kleinen Glasfenster in ihrem Krankenhauszimmer versammelt und das Personal habe es ihnen ermöglicht, Abschiedsworte an die 42-Jährige zu richten. "Sie nahmen ein Walkie-Talkie und legten es direkt neben ihr Bett auf das Kissen", erinnerte sich Elijah Ross-Rutter in einem CNN-Interview. "Ich konnte ihr sagen, dass ich sie liebe. Es ist irgendwie schwer. In diesem Moment weiß man wirklich nicht, was man sagen soll." Er habe seiner Mutter versichert, dass die älteren Geschwister dafür sorgen würden, "dass mit den Jüngeren alles in Ordnung ist und dass sie zu den Erwachsenen heranwachsen, die meine Mutter sich wünschen würde".

Elijas ältester Bruder, der 24-jährige Tyree Ross-Rutter, beabsichtigt demnach, das Sorgerecht für die  jüngeren Geschwister im Alter von 13, 14 und 15 Jahren zu übernehmen.

Spenden sichern Zukunft der Familie

Zumindest finanziell ist die Familie nach dem schweren Schicksalsschlag abgesichert. Auf einer "Gofundme"-Seite im Internet ist bereits fast eine halbe Million Dollar gespendet worden. Tyree Rutter will das Geld den Berichten zufolge verwenden, um sich und seinen jüngeren Geschwistern eine gemeinsame Unterkunft zu sichern, während er sein letztes Jahr an der Central Washington University absolviert.

"Es ist verrückt, wie viel Liebe und Unterstützung wir von der Gemeinschaft erhalten haben", zitiert "Buzzfeed" Elijah Ross-Rutter. Das zeige irgendwie, wie groß der Einfluss seiner Mutter auf ihre Gemeinde gewesen sei. "Sie war eine Supermutter, wissen Sie?"

Quellen: "Buzzfeed"CNN

mad

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