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Dahab: Festnahmen, aber keine heiße Spur

Bei dem Anschlag im ägyptischen Badeort Dahab sind mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen, darunter ein deutscher Junge. 87 Menschen wurden verletzt, in den Krankenhäusern werden auch Deutsche behandelt. Die Polizei hat jetzt zehn Verdächtige festgenommen.

Einen Tag nach den Terroranschlägen im ägyptischen Badeort Dahab hat die Polizei insgesamt zehn Menschen festgenommen. Drei der Verdächtigen hätten versucht, kurz nach den Explosionen aus Dahab zu fliehen, heißt es aus Sicherheitskreisen. Eine heiße Spur zu den Tätern gab es jedoch nicht. Die Zufahrtsstraßen nach Dahab wurden gesperrt. Die Polizei verstärkte die Sicherheitsvorkehrungen an allen Häfen und Flughäfen des Landes.

Die Polizei erklärte, sie wisse noch nicht, ob die Sprengsätze von Selbstmordattentätern oder aus der Ferne gezündet worden seien. Über die Zahl der Opfer herrscht noch Unklarheit, je nach Quelle sollen zwischen 22 und 24 Menschen ums Leben gekommen sein. Darunter auch ein zehnjähriger Junge aus Baden-Württemberg, wie das Auswärtige Amt bestätigt hat.

Bei den anderen Todesopfern handelt es sich nach ägyptischen Angaben um Ägypter sowie jeweils einen Urlauber aus Russland und der Schweiz. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena, am Dienstag seien in der Nähe des Tatortes Leichenteile aus dem Roten Meer gefischt worden.

Bei der Detonation von drei Sprengsätzen in einem belebten Restaurant- und Geschäftsviertel des Touristenortes auf der Sinai- Halbinsel waren am Montagabend laut Gesundheitsministerium weitere 87 Menschen verletzt worden, unter ihnen 29 Ausländer.

Drei Detonationen im Restaurant- und Geschäftsviertel

Mitarbeiter des Internationalen Krankenhauses von Scharm al Scheich sagten, in der Klinik würden derzeit zwei deutsche Patienten behandelt, ein Mann sowie die ebenfalls verletzte Mutter des getöteten Jungen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die Anschläge. "Die schrecklichen Bilder aus Dahab erfüllen uns alle mit Entsetzen und mit großer Trauer", sagte er in Berlin. "Die Anschläge der letzten Nacht machen erneut auf schreckliche Weise deutlich, dass Terroristen in ihrem blinden Hass vor nichts zurückschrecken."

Die deutsche Botschaft in Kairo entsandte ein Team von Konsularbeamten in den Ferienort sowie einen Dolmetscher und eine Vertrauensärztin. Sie sollen weitere Informationen einholen und deutschen Touristen bei Bedarf behilflich sein.

Nach ägyptischen Angaben sind unter den Verletzten auch drei Amerikaner, zwei Briten, zwei Franzosen, zwei Dänen, zwei Australier, ein Russe und eine Touristin aus der Schweiz sowie drei ägyptische Polizisten. Einige müssten operiert werden. Im Krankenhaus von Scharm al Scheich reichten dafür aber nicht die Kapazitäten. 31 Verletzte wurden daher mit einer Militärmaschine nach Kairo geflogen. Gesundheitsminister Hatem al Gabali sagte, alle Verletzten hätten das Krankenhaus von Dahab inzwischen verlassen. Sie wurden entweder entlassen oder in besser ausgestattete Kliniken verlegt.

"Terrorbekämpfung funktioniert nur, wenn alle zusammenstehen"

Innenminister Habib al Adli sagte im ägyptischen Fernsehen: "Die Terrorbekämpfung funktioniert nur, wenn alle zusammenstehen." Er versprach, die Schuldigen aufzuspüren. Die Extremisten suchten sich für ihre Anschläge touristische Ziele aus, weil dies Ägypten aus wirtschaftlichen Gründen besonders hart treffe, fügte der Minister hinzu.

Keine Bestätigung gab es zunächst für Medienberichte, wonach zwei der insgesamt drei Sprengsätze von Selbstmordattentätern gezündet wurden. Augenzeugen vermuteten, die Täter hätten die Sprengsätze in Plastiktüten deponiert und seien dann verschwunden. Ein Augenzeuge sagte, einer der Terroristen habe den Sack mit der Bombe möglicherweise vom Dach eines zweistöckigen Hauses auf einen Gewürzladen geworfen.

Rund 300 Touristen in Dahab

Nach Angaben des Deutschen Reisebüroverbandes sind derzeit rund 300 deutsche Touristen in Dahab. Einzelne von ihnen hätten um eine sofortige Rückreise in die Heimat gebeten, sagte ein Verbandssprecher am Dienstag in Berlin. Bei den Reiseveranstaltern werde jetzt darüber beraten, wie mit bestehenden Buchungen für den Urlaubsort auf der Sinai-Halbinsel verfahren werde.

Unterdessen stoppte der Reisekonzern TUI alle Ausflüge auf der Sinai-Halbinsel. Zurzeit befänden sich 200 deutsche Urlauber der TUI in der Region, teilte der Reiseveranstalter in Hannover mit. Nach den bisher vorliegenden Informationen seien alle TUI-Gäste am Ort unverletzt.

DPA / DPA