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Detonation in Euskirchen: Zweiter Weltkrieg fordert immer noch Opfer

Tausende Blindgänger aus dem Krieg liegen in der Erde. Meistens werden sie rechtzeitig entdeckt. Doch auch fast 70 Jahre nach seinem Ende forderte der Zweite Weltkrieg nun ein neues Todesopfer.

Ein Baggerfahrer ist in Euskirchen bei der Explosion eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen. 13 Menschen wurden in dem Ort bei Bonn verletzt, zwei davon schwer, wie die Polizei am Freitag mitteilte. "Das war eine gewaltige Druckwelle", sagte Polizeisprecher Norbert Hardt. Im weiten Umkreis wurden Autos demoliert und Gebäude beschädigt, Scheiben zersplitterten. Bei der Bombe handelte es sich vermutlich um eine Luftmine, deren Zündung vor Jahrzehnten versagt hatte. Bis in die Nacht hinein wurden keine weiteren Schäden durch die Explosion bekannt.

Der 50 Jahre alte Baggerfahrer arbeitete für eine Firma aus Euskirchen, die das Gelände zur Lagerung und zum Recyceln von Bauschutt angemietet hatte. Er war am Mittag gerade damit beschäftigt, solchen Schutt zu einer Zerkleinerungsanlage zu transportieren, als sich die Explosion um 13:27 Uhr ereignete. Ob die Munition mit dem angefahrenen Bauschutt auf das Gelände gelangt war oder dort im Boden lag, konnte zunächst nicht geklärt werden. Sprengstoffexperten ermitteln.

Schäden im Umkreis von 400 Metern

Der schwere Bagger wurde erheblich beschädigt, Autos in der näheren Umgebung demoliert. Dachziegel wurden weggefegt, selbst Garagentore wurden verbogen. Im Kurzmitteilungsdienst Twitter wurde von einer Druckwelle berichtet, die noch in großer Entfernung zu spüren gewesen sei. Noch 400 Meter weit habe es Schäden gegeben, sagte Hardt.

Die Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes gehen davon aus, dass es sich bei der Munition um eine Bombe oder Mine aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. Luftminen werden als Blindgänger wesentlich seltener entdeckt als die häufigeren Fünf- oder Zehn-Zentner-Bomben, von denen allein in Nordrhein-Westfalen in jedem Jahr Hunderte gefunden und entschärft werden. Zuletzt wurde eine nicht gezündete, 1,8 Tonnen schwere Luftmine im November in Dortmund entschärft.

Alltägliches Problem

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sprach den Angehörigen des getöteten Baggerfahrers sein Mitgefühl aus. "Das Unglück zeigt, dass Bomben auch fast 70 Jahre nach Kriegsende noch eine große Gefahr sind", sagte er in Düsseldorf.

Dass nicht explodierte Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden, gehört auch an Rhein und Ruhr zum Alltag. In der Regel werden die Blindgänger aber bei systematischen Suchen rechtzeitig entdeckt, vor allem durch die Auswertung von Luftbildern. Im Jahr 2012 machte der Kampfmittelräumdienst 706 Bomben unschädlich.

Fast immer geht es dabei glimpflich ab. Allerdings hat es auch bei diesen gefährlichen Einsätzen schon Zwischenfälle gegeben, zumal wenn die Experten die Bomben nicht entschärfen können, sondern kontrolliert sprengen müssen. Bei solchen riskanten Aktionen hatte es 2012 in München und in Viersen am Niederrhein erhebliche Verwüstungen gegeben.

ivi/DPA / DPA