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Erdbeben: Neue Schreckensnacht in Japan

Japan kommt nicht zur Ruhe: Nach einer Serie heftiger Taifune erschütterte am Samstagabend ein schweres Erdbeben mit der Stärke 6,8 auf der Richteskala die nordwestliche Provinz Niigata.

Mindestens vier Menschen kamen ums Leben, mehr als 300 wurden verletzt, berichteten japanische Medien. Kurz nach dem Hauptbeben um 18.00 Uhr erschütterten mehrere schwere Nachbeben die Region. Wohnhäuser wurden zerstört und Straßen aufgerissen.

In einigen Regionen lösten die Beben Erdrutsche aus, einige Menschen sollen nach unbestätigten Informationen verschüttet worden sein. Die Bürger der Erdbebenprovinz verließen aus Furcht vor den noch am späten Abend andauernden Nachbeben ihre Häuser und harrten in Decken gehüllt mit ihren Nachbarn auf der Straße aus oder suchten eine der Notunterkünfte auf.

In der Stadt Ojiya stürzten mehrere Wohnhäuser ein. Viele der Verletzten erlitten Schnittwunden durch Glassplitter. Auch in anderen Teilen der 350 Kilometer nordwestlich von Tokio gelegenen Provinz Niigata entstanden Schäden. Stellenweise brachen Brände aus, Wasser- und Gasleitungen barsten. In 250 000 Haushalten fiel der Strom aus.

Der Sender NHK zeigte Bilder von umgestürzten Mauern, schiefen Strommasten, aufgerissenen Straßen und verwüsteten Geschäften. "Es herrscht im Haus totales Chaos. Alles ist umgefallen", schilderte ein Bewohner. Ein Halbleiterwerk des Elektronikkonzerns Matsushita musste vorübergehend den Betrieb einstellen.

Erdbeben kurz nach dem schlimmsten Taifun seit 25 Jahren

Das erste Beben der Stärke 6,8 auf der Richterskala ereignete sich kurz vor 18.00 Uhr Ortszeit. Das Erdbebenzentrum lag in 20 Kilometer Tiefe. Daraufhin kam es kurz darauf zu weiteren schweren Nachbeben der Stärke 6,2 und 6,3 auf der Richterskala, die auch noch im Raum Tokio zu spüren waren und Häuser wanken ließen.

Eines der Todesopfer starb beim Einsturz eines Hauses. Zwei Waggons eines Hochgeschwindigkeitszuges entgleisten, fielen aber nicht um. Verletzt wurde niemand. Die Behörden mahnten aber zu Vorsicht vor Erdrutschen, da die Erde durch die starken Regenfälle in Folge eines Taifuns aufgeweicht sei. Die Regierung richtete einen Krisenstab ein.

Die Erdbeben suchten die Menschen nur wenige Tage nach dem schlimmsten Taifun seit 25 Jahren heim, bei dem nach neuesten Angaben 80 Menschen ums Leben gekommen waren. Zwölf Menschen werden noch immer vermisst. Zehn Taifune haben in diesem Jahr schon den japanischen Archipel direkt getroffen, so viele wie nie zuvor binnen eines Jahres. In Medien des von Naturgewalten geprüften Landes war schon spekuliert worden, dass die vielen Taifune Vorboten eines schweren Erdbebens sein könnten.

Jedes Jahr bebt in Japan, das eines der am meisten erdbebengefährdeten Länder der Welt ist, mehrfach die Erde, meist aber mit keinen oder relativ geringen Folgen. Bei dem schweren Erdbeben der Stärke 7,2 im Raum der Hafenstadt Kobe waren 1995 mehr als 6000 Menschen ums Leben gekommen.

Von Lars Nicolaysen/DPA

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