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Explosion in U-Bahn von Minsk: Behörden gehen von Terroranschlag aus

Blutbad in der U-Bahn von Minsk: Vermutlich elf Menschen sterben, bis zu 100 weitere werden verletzt, als in einer Station offenbar eine Bombe detoniert. Die Behörden gehen von einem Terrorakt aus.

Bei einer Explosion in einer U-Bahnstation in der weißrussischen Hauptstadt Minsk sind am Montag mindestens elf Menschen getötet worden. Es habe sich um einen Anschlag gehandelt, zitierte die Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Abend die Staatsanwaltschaft. Bei dem Vorfall nahe des Hauptbüros von Präsident Alexander Lukaschenko wurden laut dem Gesundheitsministerium mindestens elf Menschen getötet und 126 verletzt.

Lukaschenko sprach laut Interfax bei einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitskabinetts von etwa hundert Verletzten. Die Nachrichtenagentur Belta meldete, rund 35 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht und Dutzende weitere vor Ort versorgt worden. Das weißrussische Staatsfernsehen sprach wie Belta von sieben Toten sowie von etwa 90 Verletzten. Die Art der Verletzungen der Opfer deuteten auf einen Terroranschlag hin, zitierte Interfax eine Polizeiquelle. Weißrussland gilt als relativ sicheres Land. Zuletzt hatte es im Sommer 2008 ein Bombenattentat mit vielen Verletzten gegeben.

Explosion im letzten Waggon eines einfahrenden Zuges

Nach Angaben von Belta ereignete sich die Explosion im letzten Wagen eines in die Station Oktjabrskaja einfahrenden Zugs. Augenzeugen zufolge stieg schwarzer Rauch aus der Metrostation auf. Der Nachrichtenagentur RIA Nowosti zufolge drohte zudem die Decke der Station einzustürzen. Viele Menschen liefen blutüberströmt und mit zerfetzter Kleidung aus der Station. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, einem Menschen seien beide Beine abgerissen worden.

Der Ausgang der Metrostation Oktjabrskaja führt sowohl zum Hauptbüro von Präsident Lukaschenko als auch zu seiner Residenz. Das Gebäude des Nationalen Sicherheitsrats liegt ebenfalls dort. Die Station verbindet die beiden Hauptmetrolinien der Stadt miteinander. Die Explosion ereignete sich um 18 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MESZ) und damit mitten im abendlichen Berufsverkehr.

Regimekritiker ziehen offizielle Version in Zweifel

Regierungskritische Beobachter haben allerdings Zweifel an der offiziellen Version. Sie sehen in dem Anschlag ein mögliches Manöver des "diktatorischen Regimes" von Staatschef Alexander Lukaschenko, um von der Krise im Land abzulenken. Von "internen Machtspielen" schreiben anonyme Blogger etwa bei livejournal.ru. Oder der russische Geheimdienst FSB habe die Finger im Spiel, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren, wie der Blogger nanoagent meint.

Minsk war zuletzt im Juli 2008 Schauplatz eines Bombenanschlags mit dutzenden Verletzten gewesen. Damals explodierte während eines Open-Air-Konzerts zum Nationalfeiertag ein mit Schrauben gespickter Sprengsatz. Unter den zehntausenden Besuchern der Veranstaltung in der Innenstadt befand sich auch Lukaschenko, der sich allerdings weit entfernt vom Anschlagsort aufhielt.

Lukaschenko war erst im Dezember wiedergewählt worden, die Wahlen waren jedoch umstritten. Nach dem Urnengang gab es Massenproteste gegen den Staatschef. Dabei wurden hunderte Menschen festgenommen, von denen die meisten wieder frei kamen. Mehr als 40 Menschen wurden angeklagt, darunter fünf Oppositionskandidaten. Mehrere Angeklagte wurden zu Haftstrafen von bis zu vier Jahren verurteilt.

kng/AFP/DPA / DPA