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Außergewöhnlicher Fund Fast-Food-Stand in versunkener Stadt Pompeji ausgegraben – inklusive Speiseresten in Töpfen

Pompeji, Italien: Die fast intakten Räumlichkeiten eines Thermopoliums, eines Straßenrestaurants. Seine gut erhaltenen, farbenfrohen Fresken zeigen Gänse, einen Hahn, einen Hund an der Leine und mythologische Charaktere.
Pompeji, Italien: Die fast intakten Räumlichkeiten eines Thermopoliums, eines Straßenrestaurants. Seine gut erhaltenen, farbenfrohen Fresken zeigen Gänse, einen Hahn, einen Hund an der Leine und mythologische Charaktere.
© ABACA / Picture Alliance
Auch wenn Pompeji für Besucher derzeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen ist, gehen die Ausgrabungen in der verschütteten antiken Stadt weiter. Nun haben Forscher außergewöhnlich gut erhaltenes Straßenrestaurant freigelegt. 

In Pompeji haben Archäologen ein außergewöhnlich gut erhaltenes antikes Straßenrestaurant mit farbenfrohen Fresken ausgegraben. "Die Analysemöglichkeiten sind außergewöhnlich, weil erstmals auch die gesamte Umgebung ausgegraben wurde", berichtete der Leiter der Ausgrabungen in Pompeji Massimo Osanna. Das sogenannte Thermopolium wurde bereits 2019 entdeckt, aber erst am Samstag enthüllt. Die "Snack Bar", wie sie das Museum bezeichnete, sei eine der ältesten in Pompeji, teilte der Parco Archeologico mit.

In der Nähe wurden zudem Überreste mehrerer Opfer des Vulkanausbruchs vor rund 2000 Jahren gefunden. "Das Lokal scheint hastig geschlossen und von seinen Besitzern verlassen worden zu sein", sagte Osanna der Nachrichtenagentur Ansa. Nach seinen Worten fanden die Forscher die Überreste eines Mannes, der offenbar von den heißen Vulkandämpfen getötet wurde, als er den Deckel von einem der Töpfe hielt - möglicherweise ein Dieb oder ein hungriger Bewohner auf der Flucht vor dem Vulkanausbruch.

Forscher erhoffen Aufschlüsse über Essgewohnheiten

Die Forscher fanden Abdrücke von Speisen, welche Informationen über die Essgewohnheiten im Pompeji zur Zeit der Katastrophe im Jahr 79 n. Chr. liefern könnten. In Tontöpfen fanden die Archäologen zudem Entenknochen und Reste von Schweinen, Ziegen, Fischen und Schnecken, die möglicherweise zusammen gekocht worden waren. 

Derartige Straßenrestaurants, sogenannte Thermopolia (zusammengesetzt aus dem griechischen "thermos" für heiß und "poleo" für verkaufen) waren in der römischen Welt sehr populär. Allein in Pompeji gab es mindestens 80 solcher Lokale.

Der gelb bemalte Tresen ist mit Bildern von Tieren, der Darstellung einer Alltagssituation und dem Abbild einer Nereide, einer Nymphe des Meeres, auf einem Seepferdchen, verziert. Die abgebildeten Enten und ein Hahn waren wohl Tiere, die in der Verkaufsstätte geschlachtet und verkauft wurden. In dem Steintisch sind außerdem Löcher eingekerbt, bei denen die Forscher davon ausgehen, dass darin die Lebensmittel zum Verkauf auslagen. 

Farbefrohe Fresken zieren die Wände des antiken Straßenrestaurants in Pompeji
Farbefrohe Fresken zieren die Wände des antiken Straßenrestaurants in Pompeji
© Luigi Spina / Picture Alliance

Auch ein Witzbold schien sich an dem Tresen seiner Zeit zu schaffen gemacht zu haben. "Nicias schamloser Scheißer" ist wörtlich übersetzt neben einem der Gemälde in Latein eingeritzt. Nicias könnte zum Beispiel der Ladenbesitzer gewesen sein. 

Öffnung für Besucher fürs nächste Jahr geplant 

Pompeji ist heute nach dem Kolosseum von Rom die am zweithäufigsten besuchte Touristenattraktion Italiens. Im vergangenen Jahr besichtigten fast vier Millionen Menschen die archäologische Stätte. Wegen der Corona-Pandemie ist Pompeji für Besucher derzeit geschlossen, doch finden dort weiter Ausgrabungen statt. Die Forscher hoffen nun, dass die neue Entdeckung im kommenden Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. 

ivi AFP DPA

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