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"Geofencing" Plötzlich Einbrecher: Fitness-App wird leidenschaftlichem Radfahrer zum Verhängnis

Fitness-App macht Radfahrer zu Hauptverdächtigem (Symbolbild)
Eine Fitness-App leitete die Standortdaten des US-Amerikaners an Google weiter. Sein Bewegungsprofil konnten schließlich Polizeibeamte einsehen – und wurde von diesen als verdächtig erklärt (Symbolbild)
© Jens Büttner / DPA
Zachary McCoy fährt gerne mit dem Rad – und ließ seine Fahrten bis dato von einer Fitness-App auswerten. Wo die gesammelten Daten landen können, war ihm allerdings nicht klar: Sein Bewegungsprofil machte ihm zum Hauptverdächtigen in einem Einbruchsfall.

Dass große Unternehmen wie Google Standortdaten ihrer Kunden speichern, ist eigentlich kein Geheimnis. Sobald das GPS-Tracking auf dem Smartphone aktiviert wird, kann zum Beispiel auf Google Maps genau eingesehen werden, wo der Nutzer um welche Uhrzeit war – zumindest sofern die Person das Feature nicht abschaltet. Auch Fitness-Apps nutzen die GPS-Daten, etwa um Bewegungsprofile zu erstellen oder die Kilometerleistung aufzuzeichnen.

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Fitness-App leitete Daten an Google weiter

Alles Funktionen, die auch Zachary McCoy als praktisch empfand: Der US-Amerikaner aus dem Bundesstaat Florida ist begeisterter Radfahrer und nutzte die App "Runkeeper", die seine Fahrten aufzeichnen sollte. Genau diese App handelte ihm aber eine Menge Ärger ein: Sein dort aufgezeichnetes Bewegungsprofil wurde von der Polizei von Gainesville im Rahmen eines Einbruchsfalls ausgewertet, als auffällig befunden und McCoy zum Hauptverdächtigen erklärt.

Wind davon bekam der 30-Jährige erst durch eine E-Mail: Darin teilte Google ihm mit, dass die Polizei Informationen über sein Konto angefordert hätte. Worum es genau ging, teilte das Unternehmen nicht mit – nur die Fallnummer war in der Mail angegeben. Daraufhin recherchierte er bei der Polizeibehörde und fand heraus: Offenbar brachten ihn die Gesetzeshüter in Zusammenhang mit einem Einbruch bei einer älteren Dame – warum war ihm nicht klar. McCoy war sich sicher, niemals in dem Haus der Frau gewesen zu sein und mit dem Einbruch dementsprechend nichts zu tun zu haben.

Mit Anwalt gegen den Verdacht

McCoy schaltete schließlich einen Anwalt ein, um herauszufinden, warum gerade er ins Visier der Beamten gelangte. Offenbar hatte die Polizei eine sogenannte "Geofence"-Berechtigung beantragt. Damit bekamen sie von Google Informationen zu Geräten, die sich während der Tatzeit in der Nähe des Tatortes befunden haben – darunter das Smartphone von McCoy, der am Tag des Einbruchs drei Mal an dem Haus vorbeifuhr. Seine Fitness-App nutzt die Standortdaten von Google Maps, sodass die Polizei seine Radfahrten ebenfalls einsehen konnte. Diese Spazierfahrten waren der Auslöser für die Beamten, McCoys Identität abzufragen.

"Mir war nicht klar, dass Google durch die aktivierte Standortfreigabe auch aufzeichnet, wo ich bin", wird der US-Amerikaner von "NBC News" zitiert. Nach einigem Bemühen schaffte er es zwar zusammen mit seinem Anwalt, die Polizei von seiner Unschuld zu überzeugen – schließlich konnte er beweisen, dass er die Strecke regelmäßig fährt. Doch der ganze Vorfall verlangte dem 30-Jährigen viel Geld und Geduld ab und wirft neue Fragen zum Thema Datenschutz auf. "Wenn man unschuldig ist, kann man trotzdem zur falschen Zeit am falschen Ort sein", so McCoy.

Quelle:"NBC News"

meh

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